Festakt für den Wunderknaben

Schon am 24. Juli wird das Festspielhaus festlich beleuchtet sein. Dann geht drinnen der Festakt für Bayreuths Wunderknaben über die Bühne, für Wieland, der vor 100 Jahren geboren wurde. Die Festansprache wird Sir Peter Jonas halten, der 70jährige ehemalige Staatsintendant der Bayerischen Staatsoper. Spielen wird das Festspielorchester, und zwar nicht – wie so häufig im Festspielhaus – die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven, sondern Musik von Giuseppe Verdi und Alban Berg. „Um die Bandbreite Wielands abzubilden“, sagt Festspielesprecher Peter Emmerich. Dirigieren wird Hartmut Haenchen, der Maestro auch für den „Parsifal“.

Symposien zu Neubayreuth

Außerdem im Angebot: Die Reihe "Diskurs", bereits vergangenes Jahr von Katharina Wagner angekündigt. Dazu gehören Symposien zur Geschichte Wielands und der Festspiele. Das erste Symposium wird sich nach den Worten seiner Kuratorin Marie Luise Maintz auf die Rezeption Richard Wagners im Nationalsozialismus sowie künstlerische und politische Aspekte der Situation der Nachkriegsjahre konzentrieren. 

Der Schnitt 1945

"Wir planen das Symposium interdisziplinär“, sagt Kuratorin Marie Luise Maintz, „mit Historikern und Kulturwissenschaftlern, Theaterpraktikern, Musikwissenschaftlern und Komponisten.“ Außerdem stehen vier Kammerkonzerte auf dem Programm, mit Werken unter anderem von Schönberg, Pfitzner, Messiaen, Hartmann, Gustav Mahler. „Es geht um den Zeitschnitt 1945“, sagt Maintz. Ein weiteres Symposium Anfang August in Haus Wahnfried wird sich auf Wieland Wagner konzentrieren.

Die Symposien sind zu freiem Eintritt zu haben. Schwieriger wird’s mit dem Festakt für Wieland. „Die Einladungen gehen gerade raus“, sagt Peter Emmerich. Ein gewisses Kontingent an Karten aber ist noch zu haben. Nach welchem Verfahren – da planen die Festspiele noch.

Yuval Sharon freut sich auf den "Lohengrin"

Während die Planungen laufen, sind die technischen Vorbereitungen für die Festspiele schon weit vorangeschritten. Proben für die Statisterie und Stellproben folgen im Mai. Während die Veteranen sich auf die Saison 2017 vorbereiten, sind auch zwei neue Gesichter schon in Bayreuth gesichtet worden. Yuval Sharon und der Maler Neo Rauch, beide verantwortlich für den „Lohengrin“ 2018, haben sich schon am Grünen Hügel angesehen. „Er wirkte im positiven Sinne aufgeregt“, sagte Emmerich  über seine Eindrücke von Sharon.

Frank Castorfs letzter "Ring"

Was sich 2017 noch tun wird? Frank Castorf geht mit seinem „Ring“ in die letzte Saison. Philippe Jordan bereitet sich auf seinen Job als Dirigent der „Meistersinger“ vor. Und Regisseur Barrie Kosky hat sein Bühnenbild für die Neuproduktion 2017 schon so gut wie fertig. „Es wird schön, richtig schön“, sagt Emmerich in einem fast schon ungewohnten Ton des Schwärmens. Klaus Florian Vogt sind den Stolzing, seinen Part als Parsifal in Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung übernimmt Andreas Schager.

Neuer Parsifal

Werner van Mechelen und Derek Welton werden als Klingsor zu erleben sein. Sie treten an die Stelle Gerd Grochowskis, der im Januar, gerade mal 60 Jahre alt, am Tag nach seiner Premiere als Wotan in der „Walküre“ in Wiesbaden gestorben ist (wir berichteten).

Ein alter Bekannter als neuer Marke

Georg Zeppenfeld, die Entdeckung überhaupt der Festspiele 2016, ist in Katharina Wagners Inszenierung des „Tristan“ nicht mehr als Marke zu erleben: Rene Pape kehrt für diese Großrolle nach langer Bayreuth-Pause zurück. Vor 20 Jahren hatte Pape zuletzt am Grünen Hügel gesungen, und zwar den Fasolt. Zeppenfeld gibt‘s aber auch noch satt: als Gurnemanz im „Parsifal“ und als Hunding in der „Walküre“.

INFO: Die Symposien zur  Festspielzeit finden in Haus Wahnfried statt. Die Reihe "Diskurs Bayreuth" beginnt am 28. Juli mit einer Expertenrunde zum Thema Wagner im Nationalsozialismus – Zur Frage des Sündenfalls in der Kunst. Am 29. Juli heißt es "Oper ohne Wagner? / Musik ohne Oper? – Die Situation der Künste nach der Stunde Null und in der Neuorientierung der 1950er Jahre". Das Richard-Wagner-Museum ehr Wieland Wagner mit einem Symposium unter dem Titel: ",Es gibt nichts Ewiges…' – Wieland Wagner: Ästhetik, Zeitgeschichte, Wirkung. Symposium aus Anlass des 100. Geburtstages Wieland Wagners", und zwar vom 3. bis zum 5. August.

Nicht bewertet

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Kommentare

Es geht das Gerücht um, dass Wieland Wagner in Vorbereitung der Wiederaufnahme der Festspiele mit der Stadt vereinbart hat, dass das bestehende "Bayreuther Symphonieorchester" sich auflöst und kein Theater mit festem Ensemble gegründet wird. Damit wäre er und seine damaligen Verhandlungspartner an der jetzigen kulturellen Situation der Stadt schuld. Im Profi-Bereich treten ja nur Gastensembles auf.
"Spielen wird das Festspielorchester, und zwar nicht – wie so häufig im Festspielhaus – die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven, sondern Musik von Giuseppe Verdi und Alban Berg. "

Das wäre eine große Neuerung, die dem Testament Siegfried Wagners entgegensteht.