Feiern ohne Bürokratie

Am Donnerstag entscheiden, dass man am Freitag im Stadtpark eine Party mit Live-Musik veranstaltet – in Halle funktioniert das seit Ende April. Wie unbürokratisch gefeiert werden kann, hat die Stadt in schönstem Beamtendeutsch definiert: „Eine Spontan-Party ist eine Party mit Beschallungstechnik, die nicht von langer Hand geplant und vorbereitet, sondern aus aktuellem Anlass veranstaltet wird.“ Einige Regeln sind dennoch zu beachten: Die Musik darf nicht lauter als 103 Dezibel sein (zum Vergleich: ein Presslufthammer hat 100 dB), der Veranstalter darf keine Gewinnabsicht haben, keine Getränke verkaufen und muss für die Beseitigung des Mülls sorgen. „Spontan-Partys müssen nur 24 Stunden vorher angezeigt werden“, erklärt Drago Bock, Pressesprecher der Stadt Halle.

Auch mehr als 500 Personen sind kein Problem

Gefeiert werden darf in Halle auf allen Grillplätzen der Stadt – sofern nicht mehr als 500 Menschen kommen. Aber selbst größere Veranstaltungen können als Spontan-Party ausgerichtet werden: Dafür stellt die Kommune zwei weitere Flächen zur Verfügung.
Die erste legale Party dieser Art wurde in Halle Ende April gefeiert. Rund 150 Menschen feierten am Ufer der Saale zur Musik eines DJs. „Nach der Party gab es keinerlei Beschwerden“, berichtet Pressesprecher Bock. Das Ordnungsamt hatte während der Party kontrolliert, ebenso die Polizei – beide Institutionen hatten nichts zu beanstanden, die Veranstaltung verlief friedlich. Auch Müll war kein Problem: „Die Musikfreunde haben hinterher auch aufgeräumt. Riesige Müllberge, wie man sie von der Abifeier kannte, gab es hier nicht“, heißt es auf der Internetseite hallespektrum.de.

Bislang kein Thema in Bayreuth

Mit dem Angebot hat der Stadtrat in Halle auf Wünsche der Bürger reagiert, sagt der Pressesprecher. Die gibt es auch in Bayreuth – wie der Blick auf die im Sommer dicht besetzten Wiesen im Hofgarten zeigt. Studenten würde eine Regelung wie in Halle gefallen. „Die Gebiete entlang des Roten Mains außerhalb der Stadt oder der Studentenwald würden auch gut funktionieren“, meint Alex Eichner vom Veranstalter-Team im Glashaus. Auch Kai Plumeyer, Veranstalter des Uni Open Airs, fände eine unbürokratische Lösung gut: „Man könnte das kulturelle Angebot in Bayreuth damit sehr erweitern.“

Im Bayreuther Rathaus ist eine neue Verordnung zwar bislang kein Thema, man verfolge die Entwicklung in Halle aber aufmerksam, sagt Pressesprecher Joachim Oppold. Allerdings ist die Rechtsgrundlage in Sachsen-Anhalt eine andere als im Freistaat. „Private Feiern auf öffentlichem Grund sind in Bayreuth aber auch heute schon durchaus möglich“ sagt Oppold und verweist auf das Public Viewing am Markt. Das allerdings muss in der Stadt angemeldet und genehmigt werden.

Stimmen aus dem Netz:

„Dann brauchen wir mehr Polizisten, damit die Friedlichkeit solcher Partys gewährleistet wird.“ Uwe Ostertag

„Ich denke schon, dass das möglich ist. Anfangs wird es sicher ein paar geben, die so was ausnützen, das regelt sich mit der Zeit aber von allein. Und zusätzliche Polizeistreifen oder gar eine ,Bürgerwehr’ braucht
man dafür nicht.“ Frank Reiss

„Ich finde es nicht gut , die sollten lieber mal ’ne anständige Diskothek planen.“
Swen Brunner

„Ja klar, gebt den Chaoten einen Platz zum Austoben und der Steuerzahler darf für die Reinigung und die Schäden aufkommen. NEIN DANKE!“ Melanie Zechmann

„Find ich ne coole Sache. Solange es unter Kontrolle bleibt. Muss halt Recht und Ordnung herrschen.“ Freche Sabse

„Der Knackpunkt ist leider das Sicherheitsproblem. Es wäre sicher nützlich, die Entwicklung in Halle zu beobachten, eventuell findet man dort – zumindest über die Zeit – Möglichkeiten, für Sicherheit zu sorgen.“ Karl Aubecker

„An sich eine gute Idee, solange es nicht zum Massenbesäufnis à la Erster Mai in Mistelbach wird. Sprich ein gewisses Polizeiaufgebot, sowie Kontrollen wären bei so etwas mehr als notwendig.“ Jonas Taubmann

„Auweia! Bei der Meinung, die hier vorherrscht, werde ich ab heute sicherheitshalber das Haus nicht mehr verlassen. Denn anscheinend bin ich von unvernünftigen Säufern, randalierenden Schlägern und sonstigen Chaoten umgeben, vor denen ich nur durch massives Polizeiaufgebot geschützt werden kann.“ Frank Reiss

„Auch wenn dies einige Kosten verursachen würde, so würde das Bayreuther Partyleben doch einen willkommenen Aufschwung erleben.“ Matt Straub

Nicht bewertet

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Kommentare

Mir reichen die organisierten "Feiern", bei denen ich mich nicht mehr in die Stadt traue. Solange der Begriff "feiern" mit Alkohol, Randale, Vandalismus und Körperverletzung verbunden ist anstatt mit Kultur, Stimmung und Festlichkeit, brauchen wir nicht mehr, sondern weniger davon.
@kezia
Was sind denn das für Feiern? Hab noch keine solche erlebt.
Und vor allem: Wieso trauen sich all die anderen Leute da hin? Sind die alle lebensmüde?

Ich bin selber nicht unbedingt partysüchtig und muss nicht überall hin, aber diese Ressentiments gegen alles, was anderen Spaß macht, nur weil man es selber nicht mag, sind schon... nennen wir es: sehr traurig.
@kezia
Was sind denn das für Feiern? Hab noch keine solche erlebt.
Und vor allem: Wieso trauen sich all die anderen Leute da hin? Sind die alle lebensmüde?

Ich bin selber nicht unbedingt partysüchtig und muss nicht überall hin, aber diese Ressentiments gegen alles, was anderen Spaß macht, nur weil man es selber nicht mag, sind schon... nennen wir es: sehr traurig.
Es wäre wünschenswert wenn für derartige Veranstaltung geeignete logistische Architektur vorhanden wäre (Strom, Toiletten). Weil wenn 500 Mann mal schnell in die Büsche gehn ist das auch nicht so toll.
Einwohnerzahl Halle/Saale: rd. 230.000 - funktioniert.
Einwohnerzahl Bayreuth/Obfr: rd 72.000 - funktioniert nicht!
Schon komisch, dass in Bayreuth so ziemlich ALLES ein Problem darstellt, was woanders offenbar gut läuft. Ich habe langsam den Eindruck, dass hier eine Hochburg der Bedenkenträger und Pessimisten ist.
So, wie ich es gelesen habe, müssen doch wohl auch Spontan-Partys angemeldet werden. Insofern das gleiche Ergebnis, nur eben unbürokratischer. Schön, dass es Teile in Deutschland gibt, in dem der Bürokratieabbau forciert und nicht nur darüber geredet wird.
Was geht es uns in D doch gut wenn Leute sich über so einen Mist `nen Kopf machen!
Gebt den "Nichtohnepartymehrlebenkönnenden" doch eine Halle (falls diese noch stehen)- des ehemaligen Bundeswehrgeländes, da stören sie am wenigsten und fallen auch nicht weiter auf!
Nur wer sich der Folgen solcher Partys, tonnenweise Müll, dröhnende Bässe bis in den frühen Morgen, kotzende und kakophonierende Krawallbrüder, politische Chaoten, exzessiven Drogenkonsum, Vandalismus und schwerster Körperverletzungen, nicht bewusst ist, diese bewusst negiert oder klar klamheimliche Freude dabei empfindet, wenn andere Menschen unter diesen negativen Begleiterscheinungen leiden müssen, kann so einen Unsinn gutheißen.
Nein, nein und nochmal nein. Nur weil Halle/Saale händeringend um Neubürger bettelt und dafür alle Regeln des Zusammenlebens und der gegenseitigen Achtung dafür bereit ist, über Bord zu werfen, darf das noch lange nicht der Weg für Bayreuth sein. Das hat nichts mit Intoleranz zu tun, sondern mit der Ablehnung von Willkür und Chaos.
@Samuel:
Das trifft den Nagel auf den Kopf - wenn auch krass, aber doch der Tatsächlichkeit entsprechend!
Upps, Samuel, da sind sogar wir mal einer Meinung. Ist zwar nicht immer gleich einhergehend mit allen negativen Begleiterscheinungen, aber die Richtung ist durchaus richtig. Es herrscht ja in Bayreuth kein Partyverbot, aber wo viele Interessen berührt sind, ist auch auf viele Interessen zu achten.
Holla die Waldfee!
In welcher Gegend wohnen Sie denn? Muss ja wirklich schlimm sein. Bayreuth ist offenbar ein Sündenfuhl, Chaos und Anarchie sind hier die Regel und die schlimmsten Krawallbrüder warten nur darauf, exzessiv mit behördlicher Genehmigung friedliebende Mitmenschen (die hier scheinbar leider die Minderheit bilden) zu tyrannisieren.
Reden wir von der gleichen Stadt? Solche Auswüchse sind mir bisher nicht wirklich bekannt.
Ja, Samuel. Genau so ist es. Und nicht anders.
Zumindest offenbar in Ihrem persönlichen Umfeld.
Oder eben doch nur in Ihrer Vorstellung? Oder nur in Ihrer völlig überzeichneten Darstellungsweise?
Man weiß es nicht.

Wenn man jedenfalls der Auffassung ist, dass jede kleine Veranstaltung, nur weil sie nicht Monate vorher beantragt wurde (denn nur darin liegt der Unterschied zu anderen), zwingend etwas mit kotzenden Krawallbrüdern, exzessivem Drogenkonsum, fliegenden Ungeheuern, bösen Höhlentrollen (halt, Moment...) zu tun haben muss, dann sollte man mal darüber nachdenken, ob die eigene Weltsicht einen nicht sehr, sehr traurig stimmen sollte.
(kommt jetzt was wie "die Jugend von heute"?...)
In München ist um 22.00 Uhr für jede Außengastronomie Schluss. Das Ordnungsgeld für private Partys, die nach 22.00 Uhr die Nachtruhe stören ist immens.

In Bayreuth ist das wesentlich großzügiger und es gibt keine so starren Regeln.

So lange man es schafft, dass die Nachbarn mitspielen und nicht auf ihr Recht pochen - sonst ist auch hier um 22.00 Uhr die Nachtruhe durchzusetzen.

Im Prinzip ist Bayreuth in der Hinsicht aber sehr locker und tolerant - im Vergleich zu vielen anderen Städten.




Aufregen könnte man sich vielmehr über Autos, die den Fussweg zuparken und ein durchkommen für Kinderwagen und Rollstühle unmöglich macht, oder über Fahrradfahrer, die wie blöd durch die Fussgängerzone heizen, oder ach so feine Mitmenschen, die ihren Müll einfach liegen lassen, wo sie gehen und stehen, oder Hundeführer, die ihren Liebling überall hinkacken lassen und die Hinterlassenschaft gleichgültig liegen lassen...
Mir würde noch viel mehr einfallen.
Man muss nicht immer gleich in die Extreme abschweifen, dann wird jedes Thema schnell undiskutabel. Aber warum nicht mal eine fröhliche Sonntagsnachmittagsparty unter freiem Himmel andenken mit Picknick und Stil?
Hier fehlt es in Bayreuth einfach an öffentlichen Grillplätzen, die dann auch frei zugänglich sind.

In Würzburg kann man zum Beispiel entlang des Mains (außerhalb der Stadtkerns)grillen und feiern.

So ein Angebot fehlt in Bayreuth.


Vielleicht entwickelt sich da ja etwas im Nachgang zu Landesgartenschau rund um den Auensee.

Natürlich wird es dann auch dort Müll und Lärm geben, wenn man das aber organisiert kann man das in den gut in den Griff bekommen.

In der Nähe der Studentenwohnheime beim Campus kann man so etwas zumindest nicht machen. Die Studis sind ja teilweise in ihren zarten Jahren durch ihren Ehrgeiz so verspießt, dass die ständig die Polizei rufen.
Öffentliche Grillplätze fehlen in Bayreuth auf jeden Fall. Habe schon in vielen Städten befestigte Plätze mit einem fest installierten Grill gesehen. Wenn dann noch ausreichend Mülleimer in der Nähe stehen und die feiernden etwas Rücksicht nehmen, steht dem doch nichts entgegen. Wundert mich, dass bisher noch kein Stadtrat derartiges beantragt hat.
siehe hierzu beispielsweise diese schöne übersicht der Stadt Konstanz:
http://www.konstanz.de/websisClient/?conf=grillplaetze
Es gibt einen städtischen Grillplatz bei der Uni. Das wäre wohl aktuell der geeignetste Ort.