Faust-Festspiele sind zu Ende

Es war kurios, sagt Leistner. Kurz bevor sich die letzten Interessierten am Samstagnachmittag spontan entschließen konnten, auf den Schlossberg zu gehen, hat es sich wieder zugezogen und aus allen Eimer geschüttet. „Dafür war aber am vorletzten Spielwochenende das Wetter prachtvoll“, sagt er. Hat er jetzt abgeschlossen mit den ersten Festspielen in Pegnitz? „Jein“, sagt Leistner kurz vor Aufführungsbeginn. Einerseits probt er schon für eine andere Aufführung in Ludwigstadt, andererseits muss in Pegnitz erst noch alles abgebaut und abgeschlossen werden. Wehmütig ist er nicht, dafür ist er Profi genug, hat das alles schon häufig erlebt. Für ihn sind die Festspiele in Pegnitz wie eine Kopie der Faustfestspiele, die er in Kronach über Jahre gemacht hat. Nur ist hier die Bühne versetzt, die Akteure spielen im sonstigen Zuschauerbereich und die Zuschauertribünen stehen auf der Wiese.

Planungen für nächstes Jahr laufen

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge steht Uwe Vogel, der die Festspiele nach Pegnitz geholt hat und in beiden Stücken als Schauspieler agiert, vor der letzten Aufführung. „Es steckt viel Herzblut darin“, sagt er. Viel Persönliches hat er in den vergangenen Wochen in die Festspiele gesteckt. „Ich bin stolz, dass wir das Ganze durchgezogen haben, trotz der Häme, die es im Vorfeld gab“, so Vogel weiter. Und die Planungen für die Festspiele im nächsten Jahr laufen schon. „Wir haben in diesem Jahr viel anschaffen müssen, im nächsten Jahr ist schon ein Grundstock vorhanden“, sagt er. Trotzdem wird er auch da wieder einiges selber bauen, so wie er es schon heuer für beide Stücke gemacht hat. Das ist einfach seins. Während der Faust immer allgegenwärtig für ihn bleiben wird, kann er mit der Moliere-Rolle abschließen. „Die Festspiele haben schon meinen Alltag maßgeblich bestimmt in den vergangenen Monaten“, sagt Vogel.

Nicht wehmütig

Und auch Harald Saß, Schriftführer des Fördervereins Faustfestspiele, ist rundum zufrieden. Er kontrolliert die Eintrittskarten bei den Aufführungen, scannt mit dem Smartphone die ein, die online gekauft wurden. „Es war schön, aber wehmütig bin ich eigentlich nicht“, sagt er. 40 Vorbestellungen hatte es für die letzte Aufführung gegeben. 50 Karten wurden dann noch an der Abendkasse verkauft. Sicher, es könnten mehr sein, aber trotzdem ist es gut. Auch bei ihm hing viel dran im Alltag in den vergangenen Wochen und die Planungen für die kommende Saison – hier sind diesmal drei Stücke geplant – laufen schon. „Aber jetzt ist erst mal wieder was anderes dran“, so Saß.

„Es war super“, sagt auch Margit Madalsky. Sie sitzt unter einem Pavillon und gibt Besuchern die vorbestellten Karten aus. Bei 22 von 25 Aufführungen hat sie das gemacht. „Was mach ich jetzt die nächsten Wochenenden?“, fragt sie und lacht. Auf jeden Fall sollte es im nächsten Jahr eine Wiederholung der Festspiele geben, das Ambiente war einfach toll. Und auch der Kontakt zum Publikum, der sich vor den Aufführungen oder während der Pausen ergeben hat, war gut.

Wieder ein Lebensabschnitt vorbei

Auch vor seinem letzten Auftritt hat Sven Schenke, der die Hauptrolle in der Molière-Komödie spielt, etwas Lampenfieber. „Das ist normal“, sagt er. Aber nach den ersten Sätzen ist das schon vorbei. „Jetzt kann ich den Text fallen lassen“, sagt der Profi-Schauspieler. Immer wenn er von Bayreuth nach Pegnitz zu den Aufführungen gefahren ist, ist er ihn noch mal durchgegangen, bis zum letzten Tag.

Sicher, nun ist wieder ein Lebensabschnitt vorbei, aber er wird mit vielen Kollegen, wie beispielsweise Melina Rost, die seine Angebetete in dem Stück mimt, wieder spielen. Es ist kein Abschied für immer. Der viele Regen, der die Schauspieler oft begleitete, ist für ihn nicht unbedingt was Negatives. „Wir haben den einfach mit eingebaut, mich hat der nicht sonderlich erschüttert“, sagt er. Auch wenn es mit dem Kostüm manchmal nicht einfach war, dass es am nächsten Tag wieder trocken war. Schließlich hatte er nur eines. „Aber so ist das eben bei Freilichttheater. Das ist wie Camping, eben draußen“, sagt Schenke lachend. Und weiter: „Es war eine tolle Zeit.“

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