Familienbetrieb: 65 Jahre lang Jagdpächter

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als die amerikanischen Behörden die Wiederausschreibung von Jagdrevieren erlaubte – übrigens aus praktischer Notwendigkeit, weil die Wildschweine überhand nahmen – bekam Rolf Günther, der Vater des jetzigen Pächters, den Zuschlag. Nachdem es zunächst eine Diskussion gegeben hatte, ob überhaupt ein Reviersystem wiedereingeführt werden sollte. „Die Amerikaner wollten ein Lizenzjagdsystem nach eigenem Vorbild einführen“, erklärt Günther.Was aber nicht zu den kleinteiligen Strukturen in Deutschland passte.

Keine Rebhühner mehr

Wenn man Günther fragt, was sich in den Jahren, seit er das Revier 1986 vom Vater übernommen hat,  alles geändert hat, kommt er zuerst auf die Fauna zu sprechen. „Es gibt keine Rebhühner mehr. Mein Großvater schoss in Witzleshofen sogar noch Birkhühner“, so Günther. Verstärkt hätten sich Probleme mit Wildschweinen. Aber auch Landwirtschaft und Waldbau hätten sich geändert. Unter Jägern, zu denen er freilich nicht gehöre, gebe es auch Stimmen, die sagen: „Die Bauern haben den übermäßigen Maisanbau gebracht, für den Wildschaden soll aber der Pächter alleine aufkommen. Das kann nicht angehen.“ Denn die Maisfelder bieten Nahrung und optimalen Schutz in einem. Aber auch durch die aktuelle Waldbewirtschaftung sei die Jagd schwieriger geworden. Das Unterholz in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern biete besseren Unterschlupf als ehedem.

Günther erinnert sich auch daran, dass er bis zur Wiedervereinigung überfahrenes Wild selbst von der Autobahn entfernte. Was heute ohne Selbstgefährdung nicht möglich wäre, wegen der Wildzäune allerdings auch nicht mehr nötig sei. Dafür sei die Kontrolle der Wildzäune als Aufgabe hinzu gekommen.

Mit Blick auf die Rahmenbedingungen prophezeit Günther, dass 2022, wenn in vielen Revieren die Pachtverlängerung anstehe, die Wiederverpachtung mitunter schwierig werden könnte. „Alte Jäger sagen, sie wollen nicht mehr.“ Zumal sich Wildschäden durchaus existenzgefährdend auswirken können: „Sie können bei Saatkartoffeln im fünfstelligen Bereich liegen“, so Günther.

Die Jagd werde aber auch schwieriger, „weil das Wild immer weniger Ruhe hat.“ Die Bedürfnisse des Wildes lassen sich hierbei mit wenigen Schlagworten umschreiben, „Nahrung, Ruhe, Sicherheit“ seien wichtig. Heutzutage sorgten indes Jogger, Reiter, Radfahrer und Geocacher für zunehmend Stress beim Wild.

Mehr als nur ein Hobby

Doch auch mancher Kollege sorgt für Unverständnis, dann, wenn die Jagd „ein Hobby von vielen“ sei. Dann entspricht das nicht dem Bild, das der Witzleshofener von der Jagd hat. Dazu trage sicherlich auch bei, dass inzwischen 14-tägige Crashkurse zur Erlangung der Jagderlaubnis angeboten würden. Konsequenz sei, dass das Interesse am ländlichen Leben zu kurz komme. Dabei erfordere ein Revier ein tägliches Engagement des Inhabers an Zeit, Arbeit und auch Mitteln. Ihm hingegen sei es wichtig, ein verlässlicher Partner der Jagdgenossenschaft zu sein. Und auch die Zukunft scheint gesichert. Jagdpächter Günther geht davon aus, dass auch die nächste Generation in seine Fußstapfen tritt.

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