Falscher Wagner geht unter die Haut

Berühmter Tristan-Akkord auf dem Arm - mit kleinem Fehler

Viel ist in den Tristan-Akkord von Richard Wagner hineininterpretiert worden. Langsam und schmachtend soll er daher kommen, so weit sind sich die Musikprofessoren der Welt einig, so hat es Wagner ja auch gewollt. Nur dann kommt sie, diese Disharmonie, die Wagner-Fans wie den Schauspieler und Autor Stephen Fry sogar zu eigenen Filmen über den Akkord gebracht haben. Karin Josbächer ist Musik-Liebhaberin. Und sie verehrt Wagner. Weil Wagner ihr durch die Kraft der Musik auch ein wenig das Leben gerettet hat. Deshalb hat sich die Hessin in Bayreuth den Akkord auf den Unterarm tätowieren lassen. Von einem Bayreuther Tätowierer, der bei der zweiten Note patzte: Aus einem F wurde ein G. Macht nichts, entschied die 48-Jährige. Aus gutem Grund.

Mit Wagner gegen Krebs gekämpft

2009 schmetterte eine Diagnose die Frau zu Boden. Ein seltener Knochentumor fraß sich durch das Kiefergelenk und die Schädelbasis. Fast ein Todesurteil, die Operationen, die Angst drückten sie in Panikattacken, dazu kam die Sorge, nie mehr als Sängerin auftreten zu können. Während der Krankheit hörte sie „Wagner, Wagner, Wagner“, so erzählt die Hessin es am Telefon. Im Laufe der Jahre ist sie dem Tod von der Schippe gesprungen, sie gilt als geheilt nicht als gesund, auch singen kann sie wieder, sie singt nach Krankheit und Todesgefahr nun auch sehr gerne mit Schwerkranken und Alten.

Wagner unter der Haut

Im Festspielhaus ist sie auch schon gewesen, jedoch nie bei einer Aufführung  Das liegt auch am Geld für die Karte. „Klar könnte man jetzt sagen: Hätte sie sich nicht tätowieren lassen, hätte sie das Geld gehabt“, Karin Josbächer ist von der bodenständigen Art und hat sich für die Tätowierung entschieden.  Wagner sollte dauerhaft unter die Haut gehen. Schließlich hatte seine Musik „die klanggewordene Wucht und diese Heilkraft“ ihr auch geholfen. „Ich saß bildlich während der Krankheit oft im Keller, und diese Musik hat mich einfach wieder gepuscht.“ Sie schwärmt vom Spannungsbogen der Wagner-Werke. „Du denkst, diese Spannung muss doch nun enden – und dann geht die immer weiter und weiter. Das war für mich ein Sinnbild: Dann schaffst du es auch wieder, nach oben zu kommen.“

Der Akkord sollte es sein

In den Premierenwochen kommt sie deshalb  nach Bayreuth. „Ich habe viel gesehen und gelesen über den Hügel, jetzt wollte ich die Festspiel-Luft schnuppern.“ So saß sie auf der Judenwiese, ließ sich entführen von der ganz besonderen Stimmung und dachte über ein Tattoo nach. Weil Wagner unter ihre Haut geht, stand der Akkord auf einmal deutlich vor ihr.

Vom F zum G

Diese diskussionwürdige Handvoll Noten sollten es sein, dazu rundrum Symbole für ihr Leben. Keine große Schwierigkeit für einen Tätowierer. Nur hat der sich vertan, ist in einer Notenzeile zu hoch gekommen, die zweite Note wird vom F zum G.

Ein einmaliger Akkord

Das wäre für andere Wagner-Fans die größtmögliche Katastrophe. Nicht für Karin Josbächer, die ganz andere Katastrophen erlebt hat und gerade deshalb vermutlich mehr lacht als andere Menschen. „Das ist im Eifer passiert. Ich finde, das macht es noch einmal schöner. Was Wagner mit dem Akkord geschaffen hat, war von ihm vielleicht nicht gewollt. Was der Tätowierer geschaffen hat, ist einmalig auf der Welt. Und damit ist es perfekt.“

Der Tätowierer war leider nicht erreichbar - er macht Urlaub.

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Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06