Fahrrad-Stellplätze sollen Pflicht werden

„Gilt diese Satzung auch für Kinderwägen?“, fragt Parzen und spricht von einer schon heute völlig überlasteten Bauverwaltung. Die Genehmigung von Anträgen dauere eine Ewigkeit. Stadtdirektor Ulrich Pfeifer hält dagegen: „Wir haben mit die kürzestens Genehmigungszeiten überhaupt, man muss einen Bauantrag aber auch vollständig einreichen.“ Mehr Personal im Rathaus soll es daher wegen der Einführung einer Fahrradabstellplatzsatzung nicht geben.

"Eine Qual und Diktatur"

Die ist im Bauausschuss der Stadt aber umstritten. Nicht nur Parzen ist dagegen, soweit sie nicht nur für öffentliche Gebäude gelten solle. Helmut Zartner, Stadtrat der Unabhängigen (DU) nennt sie „eine Qual“, „eine Diktatur der Bürokratie“ und einen „Grund dafür, warum der Bürger nicht mehr zur Wahl geht“. Und der Tierarzt fragt: „Wer fährt denn Fahrrad? Vielleicht ein paar Grüne im Sommer.“

Richtwerte stoßen auf Kritik

Allen voran die vom Bauordnungsamt vorgeschlagenen Richtwerte stoßen auf Kritik. Etliche Seiten dick ist der Katalog, der regelt, wieviele Stellplätze in welchen Fällen vorgehalten werden müssen. Zwar habe man Verkehrsverbände dazu nicht gehört, sich aber an den Satzungen anderer Städte orientiert, sagt Stadtdirektor Pfeifer. An Bamberg, Erlangen und Nürnberg. Und trotzdem handele es sich keineswegs um ein „Glaubensbekenntnis“. Über Richtwerte könne man reden.

Muss man auch, findet Ernst-Rüdiger Kettel (Bayreuther Gemeinschaft): „Wenn ich für Stellplätze für Radfahrer mit Anhänger sorgen muss, dann hört für mich die Diskussion auf.“ Und Heinz Hofmann, Stadtrat der Bayreuther Bürgerliste und Vorsitzender des Verbandes Haus und Grund, sagt: „Zwei Stellplätze pro Wohneinheit ist völlig übertrieben.“ Die Bauordnung sehe schließlich vor, dass ein Stellplatz bereits im Haus eingeplant werde.

Mit Titel geschmückt, ohne die Folgen zu bedenken?

Die Grünen bezeichnen die Diskussion in Bauausschuss als unehrlich. Der Stadtrat habe sich mit seinem im Jahr 2011 gefassten Beschluss, der „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen in Bayern“ beizutreten, zu einer solchen Satzung verpflichtet. Dieser Verpflichtung komme die Stadt jetzt auf den letzten Drücker nach, schließlich sei sie damals schon darauf hingewiesen worden, dass sie zur Verabschiedung einer solchen Satzung nur bis Februar 2018 Zeit habe. Andernfalls drohe der Ausschluss. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, Sabine Steininger, sagt, man habe sich mit dem Beitritt 2011 offenbar mit einem Titel schmücken wollen, ohne die Folgen bedacht zu haben.

Noch keine Empfehlung an den Stadtrat

Auf Antrag von Helmut Zartner und Stefan Schuh (Junges Bayreuth) schlägt der Bauausschuss die Satzung nicht dem Stadtrat vor. Erst sollen sich die Fraktionen damit beschäftigen und Fachverbände angehört werden.

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Kommentare

Der vorletzte Absatz ist eigentlich der wichtigste im Artikel. Wenn allgemeiner Konsens besteht, dass die Forderung doof ist, warum wurde dann 2011 der Beschluss gefasst der AG Fahrradfreundliche Kommunen beizutreten, wenn dadurch diese Forderung eingehalten werden soll?

Eine allgemeingültige Forderung nach Fahrradstellplätzen halte ich für falsch. Das ist eine Sache die der Bedarf selbst regeln kann. Wenn viele Kunden eines Geschäfts mitm Radl kommen, wird der Betreiber aus Eigeninteresse für Stellplätze sorgen. Ein Baumarkt z.B. wird eher wenige Kunden haben die mit dem Rad kommen. Arbeitgeber haben idR auch einen Nutzen davon, Fahrradständer bereitzustellen. Aber auch da regelt Nachfrage das Angebot. Ich weiß nicht ob man wirklich jeden Pups reglementieren muss.
Lesen schadet der Dummheit. Hier ein Tipp für Metzger und Veterinärmediziner: http://www.mobil-in-bayreuth.de/fileadmin/red_dateien/bt/Mobilitaetsuntersuchung_BT_2015.pdf
22 % aller Wege in Bayreuth - Tendenz steigend - werden mit dem Fahrrad zurückgelegt. Eine vernünftige Fahrradabstellanlage bringt massiv Kundschaft - gerade in der Innenstadt.
Sehr gute Meinung von Hrn. Zartner!!!
Ja, finde ich auch. Wenn die Satdt 2011 einer AG beitritt mit der die Verpflichtung kommt bis 2018 gewisse Sachen umzusetzten, und man jetzt 2017 davon nichts mehr wissen will, ist das tatsächlich ein Grund, dass die Leute nicht mehr zur Wahl gehen.
Tragisch, dass Herr Parzen seinem Parteifreund Michael Hohl in den Rücken fällt. Der hat als OB seinerzeit den Antrag für ein "fahrradfreundliches Bayreuth" gestellt.
Und der Veterinär? Populismus ohne jeden Sachverstand kennt man eigentlich vor allem von einer Partei, die neuerdings zwar im Bundestag, aber noch nicht im Bayreuther Stadtrat vertreten ist.
Unsere Bürokratie kennt keine Grenzen. Wenn das unsere Probleme sind?!
Ich bin oft mit dem Fahrrad unterwegs und hatte noch nie ein Problem mit einem Parkplatz für meinen Drahtesel.
Was spricht denn gegen die Auflagen, Fahrradstellplätze vorzusehen?
In größeren Wohnanlagen gibt es ja bereits Fahrradabstellflächen. Leider sind diese oft zu klein.
Ein nicht zu unerschätzender Nebeneffekt: Die Schilderfabrikanten verkaufen dann weniger Schilder: "Fahrräder abstellen verboten"!
Die Bürger in diesem Land haben die Schnauze gestrichen voll von überbordender Bürokratie und Auflagenwahn. Egal ob diese aus Brüssel, Berlin oder Bayreuth kommt.
Die Wahlergebnisse sprechen Bände!
Ja, im Innersten bin ich auch Anarchist. Aber weil ich gut erzogen wurde, habe ich eingesehen, dass es allseits anerkannte Regeln geben muss. Aber alles vom Menschen gemachte ist nicht fehlerfrei und bedarf einer ständigen Überprüfung und Verbesserung.
Vielleicht haben die Bürger auch die Schnauze voll, weil sie gerne Fahrrad fahren würden, aber in der Wohnanlage kein Abstellplatz vorgesehen ist.
Und ein Rad die komplette Kellertreppe hochtragen ist für Senioren halt nicht zumutbar.
Konkretes Beispiel: Die großen grünen Wohnblocks Bodenseering ca. Hausnr. 23 / 25. Teilweise 6 Stockwerke, keine ebenerdige Fahrradabstellanlage.
So etwas würde dann bei Neubauten nicht mehr genehmigungsfähig sein.
"Ja, im Innersten bin ich auch Anarchist. Aber weil ich gut erzogen wurde, habe ich eingesehen, dass es allseits anerkannte Regeln geben muss."

Richtig! Deswegen sollten auch alte Öfen endgültig stillgelegt werden, die den Klimawandel im wahrsten Sinne des Wortes nur so anheizen.
@hohehu, irgendwie lesen Sie meine Beiträge nicht richtig. Auch alte Öfen können u.U. gute Abgas- und Feinstaubwerte liefern. Nur weil sie alte sind, heißt doch nicht, dass sie schlecht sind. Objektiv kann das nur durch Messungen festgestellt werden. Sehe ich da was falsch?
Themaverfehlung!
Sie haben Recht, indem Sie Ihrem eigenen Kommentar den Begriff "Themaverfehlung" hinzufügen.
Danke für die Korrektur Ihrerseits. Einsicht ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung.
Was steht eigentlich in dem Satzungsvorschlag?
Guter Beitrag Graubart. Sachlich die Dinge zu sehen ist gut. Dem Kurier liegt sicher der Satzungsvorschlag vor. Dann könnte man besser das für und wider ausloten.
Montag, 13. November 2017 - 11:06