Fachoberschule bekommt Konkurrenz

Angeboten werden dort künftig zwei Zweige: Wirtschaft und Technik. Genau diese Schwerpunkte gibt es allerdings auch in Kulmbach, wo die Adalbert-Raps-Fachoberschule schon auf eine mehr als 45-jährige Tradition zurückblicken kann. Dritter Zweig ist der Bereich Sozialwesen, der bei den Kronachern ebenfalls auf dem langfristigen Wunschzettel steht. Bisher kommt rund ein Viertel der gut 370 FOS-Schüler aus dem Landkreis Kronach, sie sind damit ein wesentliches Potenzial der Kulmbacher Schule.

„Einige werden sicherlich künftig das Angebot vor Ort wahrnehmen“, befürchtet der Leiter des Kulmbacher beruflichen Schulzentrums Alexander Battistella. „Der hohe Qualitätsstandard unserer Schule, die jahrelange Erfahrung des Kollegiums und die differenzierten Einstiegs-, Integrations- und Fördermöglichkeiten sind leider Argumente, die aufgrund der verbesserungswürdigen Verkehrsanbindung nicht immer entscheidend für die Schulwahl sind.“

Kein leichter Start

Der neue Konkurrent um die geburtenschwachen Jahrgänge dürfte keinen leichten Start haben. Der Umzug der FOS vom Rennsteig an der thüringischen Grenze in die Kreisstadt ist aus der Not geboren. Der privaten Schule lagen im Frühjahr zu wenig Anmeldungen vor, um den Unterrichtsbetrieb aufrechterhalten zu können. In Kronach hofft man auf deutlich größeres Interesse.

„Wie viele Schüler es im nächsten Schuljahr werden, ist mir eigentlich relativ egal. Mich interessiert, was in zehn, zwölf Jahren ist“, betont Schulleiter Hubert Sendl. Anmeldungen sind in Kronach noch bis 11.September möglich, in Kulmbach ist der Zeitraum für die Einschreibung bereits abgelaufen.

Auf des Messers Schneide

Bis vor wenigen Tagen stand die Zukunft der privaten FOS noch auf des Messers Schneide. Den Weg frei gemacht haben neun Absolventen. Die Schüler vom Rennsteig haben in der vergangenen Woche in Kulmbach ihre Fachabiturzeugnisse erhalten. Die Adalbert-Raps-Schule war auch für deren Prüfungen zuständig, da der Ludwigsstadter Bildungseinrichtung noch die staatliche Anerkennung fehlt.

Diese zu bekommen, dürfte jetzt nur noch eine Formsache sein. Zum zweiten Mal in Folge hat die Schule es geschafft, dass mindestens zwei Drittel der Abschlussklasse die Prüfungen mit Erfolg ablegt und damit die wichtigste Bedingung des Kultusministeriums erfüllt. Ohne die Anerkennung hätte die Finanzierung der FOS wohl große Probleme bereitet.

Zwei Unternehmen zahlen

Ansonsten hätte der Landkreis Kronach mehr als 800.000 Euro für die kommenden fünf Schuljahre aufbringen müssen. Mit der staatlichen Anerkennung reduziert sich dieser Betrag deutlich auf 100.000 Euro. Zwei Unternehmen aus der Region wollen die Schule auch weiterhin mit hohen Summen unterstützen.

Vor allem die Wirtschaft im Nachbarlandkreis hegt große Hoffnungen, mit der Fachoberschule auf dem Loewe-Campus mehr qualifizierte junge Menschen vor Ort halten zu können. Viele Betriebe aus dem Kronacher Raumarbeiten allerdings auch bisher schon eng mit der Kulmbacher FOS zusammen.Kooperationen gibt es vor allem in den Zweigen Wirtschaft, Verwaltung und Sozialwesen. Für ihre Praktika können sich die Kronacher Schüler der Technikklassen natürlich auch wohnortnah nach geeigneten Firmen umschauen.

Für Kulmbach könnte die neue Konkurrenz nicht nur zu niedrigeren Schülerzahlen führen, sondern auch finanzielle Konsequenzen haben.Der Landkreis zahlt ohnehin jedes Jahr eine sechsstellige Summe an sogenannten„Gastschulbeiträgen“, beispielsweise für einheimische Schüler, die die Gymnasien in Bayreuth und Münchberg, die Gesamtschule in Hollfeld oder die Gefreeser Realschule besuchen.

Das florierende berufliche Schulzentrum hat bisher dafür gesorgt, dass umgekehrt auch viel Geld aus den Nachbarlandkreisen wieder zurück geflossen ist, mit zuletzt steigender Tendenz. 

Nicht bewertet

Anzeige