Europapokal-Traum statt Abstiegssorgen

„Dass man so früh schon sicher für die nächste Saison planen kann, muss man natürlich nutzen“, sagt Trainer Raoul Korner, der auch als Sportdirektor tätig ist. „Wir durchdenken gerade verschiedene Szenarien, wollen dabei aber behutsam einen Schritt nach dem anderen gehen.“ Sein erstes Ziel sei es, bei der Zusammenstellung des Kaders für die neue Saison nicht wieder bei Null anfangen zu müssen: „Ein Fortschritt gegenüber dem Vorjahr besteht schon mal darin, dass der Trainer bereits da ist“, sagt Korner, der im vergangenen Sommer als Nachfolger von Michael Koch aus Braunschweig gekommen ist. „Und wir haben eine Mannschaft, die funktioniert. Das ist die Basis, auf der wir aufbauen wollen.“

Die deutschen Spieler: Dieser Teil des Kader bereitet relativ wenig Kopfzerbrechen, denn nur der Vertrag von Steve Wachalski läuft aus. Bastian Doreth und Robin Amaize sind ebenso längerfristig gebunden, wie Nachwuchsspieler Moritz Trieb. Nur bei Andreas Seiferth sieht der Vertrag zum Ende der Saison eine beiderseitige Ausstiegsklausel vor. „Da gibt es aber aktuell keinen Handlungsbedarf“, sagt Korner.

Die Ausländerstellen: Alle Ausländer sind nur bis zum Ablauf dieser Runde gebunden. „Das ist üblich, und das wollen auch die Spieler so“, erklärt der Coach in Anspielung auf den Ehrgeiz jedes Einzelnen, parallel zum Mannschaftserfolg auch seinen persönlichen Marktwert zu steigern. Obwohl den Akteuren bewusst sei, dass sie bei ihrer Entwicklung auch von einem funktionierenden Team profitieren, werde der eine oder andere Leistungsträger wegen der Begehrlichkeiten anderer Vereine am Ende der Saison wohl schlicht und einfach nicht mehr bezahlbar sein: „Realistisch muss man wissen, dass wir im nächsten Jahr nicht genau die gleiche Mannschaft haben können.“

Der Stand der Gespräche: Korner will das Thema wohl dosiert behandeln: „Wir dürfen keine Unruhe rein bringen, die den Fokus auf die laufende Saison behindern könnte.“ Trotzdem ist er aber zuversichtlich, den Zeitvorteil im Vergleich zu früheren Jahren doch ganz konkret nutzen zu können: „Ich halte es nicht für unrealistisch, dass wir in den nächsten Wochen schon einen Abschluss melden können.“

Die internationale Perspektive: Wertvoll für die Attraktivität des Standorts Bayreuth aus der Sicht der Spieler wäre eine Fortsetzung der aktuellen Erfolgsbilanz. Schließlich darf man mit zehn Punkten Abstand zum neunten Platz schon mal ernsthaft über die Playoffs nachdenken – und dann ist der Weg zum ersten internationalen Einsatz der Vereinsgeschichte in der Champions League nicht mehr weit. „Wenn ein Spieler den nächsten Schritt in seiner Laufbahn machen möchte, könnte er das dann auch bei uns, ohne den Verein wechseln zu müssen“, erklärt Korner. Allerdings warnt er davor, bei aller Euphorie auch diesen Punkt bereits als gegeben abzuhaken: „Die Playoffs werden noch eine Mammutaufgabe, denn die Konkurrenz hat noch mal viel investiert. Wir können sicher nicht davon ausgehen, dass wir die zweite Saisonhälfte ebenso mit nur drei Niederlagen überstehen wie die erste.“

Der zusätzliche Aufwand: Immerhin bewertet auch der Trainer die Ausgangslage aber als gut genug, um sich ernsthaft mit dem Thema zu befassen („Man sollte ja auf alles vorbereitet sein.“). Ein Sprung auf die internationale Ebene habe Vor- und Nachteile: „Sportlich ist das ganz klar ein Vorteil: Man erweitert seinen Horizont.“ Dem stehe allerdings eine Belastung durch die zusätzlichen Spiele gegenüber, die man bei der Zusammenstellung der Mannschaft berücksichtigen müsse: „Der Kader müsste breiter aufgestellt sein. Mit nur fünf Ausländern in die Saison zu gehen, wie in diesem Jahr, wäre ganz sicher nicht möglich.“ Folglich sei ein finanzieller Mehraufwand unvermeidlich: „Der muss vorab abgesichert sein. Wenn das nicht gelingt, werden wir diesen Schritt nicht gehen.“

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