ESA-Ingenieur: "Für die Wissenschaft hat die Sonnenfinsternis heute keine Bedeutung mehr"

Herr Kresken, 1869 wurde durch eine Sonnenfinsternis erforscht, wie die chemische Zusammensetzung der Sonne ist. Die Relativitätstheorie wurde durch einen Sonnenfinsternis bestätigt. Welche Bedeutung hat eine Sonnenfinsternis für die Wissenschaft heute?

Kresken: Heute gar keine mehr. In der Tat war das früher für die Wissenschaft stets sehr entscheidend, denn man konnte sonst nicht die Sonnenkorona erforschen. Jetzt geht aber alles über das Weltall.

Ist die Sonnenfinsternis aber dennoch ein Thema für die ESA?

Kresken: Ja, privat auf jeden Fall! Viele Kollegen sind unterwegs und suchen sich den besten Punkt in Europa oder eben lokal. Auch beim Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt wird es ein Gruppengucken geben. Dieses Mal geht das aber ja auch super von zu Hause aus. Zwischen 9.30 und 10.38 Uhr ist die Wachstumsphase. Um 10.38 Uhr wird die maximale Verdunklung mit 73 Prozent erreicht sein. Danach nimmt es wieder ab, bis um 11.50 Uhr das Ende erreicht ist.

Außerdem wollen viele jetzt dabei sein, denn die nächste vergleichbare Chance ist erst wieder am 21. Juni 2039. Am 10. Juni 2021 gibt es auch eine partielle Sonnenfinsternis, aber da wird wirklich nur ein vergleichsweise kleines Stück verdunkelt sein.

Warum ist das so ein Hype um die Sonnenfinsternis seit 1999?

Kresken: Es ist einfach ein spektakuläres Naturereignis! Für mich das beeindruckendste überhaupt, vor allem eine totale Sonnenfinsternis. Ich habe 1993 meine erste in Mexiko gesehen, seitdem bin ich "angefixt". Ich war schon in China und habe eine im Regen miterlebt, in Novosibirsk, in Sambia eingezwängt in einen Kleinbus mit anderen. Viele in meinem Bekanntenkreis fahren ebenfalls um die halbe Welt, um immer wieder eine zu sehen.

Man sollte das aber nicht um jeden Preis machen: Ich kann wirklich nur davon abraten, ohne Brille in die Sonne zu sehen oder mit einer selbstgebastelten oder mit der Folie aus dem Rettungskasten vor den Augen. Das Perfide ist nämlich, dass man es nicht merkt, wenn man sich die Netzhaut zerstört, weil es nicht schmerzt. Man bemerkt den Schaden erst, wenn es zu spät ist.

Die Fragen stellte Kerstin Fritzsche.

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Für die Wissenschaft hat die Sonnenfinsternis keine Bedeutung mehr - klare Aussage. Was bleibt, ist Hysterie. Das alles beherrschende Thema hat uns wieder mal in seinen Bann gezogen.