Erzbischof Schick: 15 Geistliche im Bistum Bamberg haben Kinder missbraucht

Jetzt müssen rund 7000 Beschäftigte – vom Priester bis zur Kindergartenmitarbeiterin – an Pflichtkursen teilnehmen. Mitarbeiter, die sehr viel mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, haben eine zwölfstündige Schulung zu besuchen. Die Kirche stelle sich der Verantwortung für das Leid der Opfer, so Erzbischof Ludwig Schick.

„Uns geht es nicht nur um strafrechtlich relevante Fälle, wir wollen frühzeitig agieren“, so Monika Rudolf, die Präventionsbeauftragte des Erzbistums, am Freitag bei einem Mediengespräch zu dem der Erzbischof nach Bamberg eingeladen hatte.

Kirchliche Mitarbeiter verunsichert

Rudolf sagt, bei den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herrsche große Unsicherheit: Darf ich ein Kind noch in den Arm nehmen, um es zu trösten? Die pädagogische Arbeit lebe von menschlicher Nähe. „Ich muss das Kind vorher fragen, ob es in Ordnung ist, dass ich es in den Arm nehme.“ Rasch könne es zur Grenzüberschreitung kommen, erläutert Rudolf: „Viele Dinge tun Erwachsene, weil sie es aus sich heraus tun – und nicht, weil ein Kind das braucht.“  

Erzbischof bittet um Vertrauen

„Wird die Katholische Kirche je das Image wieder los, dass in ihr schlechte Menschen sind?“, wird der Erzbischof gefragt. Dass Kinder sexuell missbraucht wurden, habe einen großen, schmerzlichen Vertrauensverlust verursacht, sagt Schick: „Wir können nur bitten, dass uns das Vertrauen wieder geschenkt wird – und hoffen, dass wir nicht ewig darauf festgenagelt bleiben.“ Die Katholische Kirche wolle alles tun, damit dies nicht wieder vorkommt. Dem diene das nun gestartete, umfassende Präventionsprogramm, das mit den anderen deutschen Bistümern abgestimmt sei.

Unabhängige, externe Expertin

Die Fälle sexuellen Missbrauchs erläutert die Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums, Rechtsanwältin Eva Hastenteufel-Knörr, die seit Mitte 2011 als unabhängige, externe Expertin tätig ist. Sie beschreibt ihre Aufgabe so: „Ich bin Koordinatorin zwischen den Opfern, der Justiz und dem Erzbistum.“

Im Erzbistum Bamberg seien die Fälle von 15 Geistlichen bekannt, bei denen der begründete Verdacht des sexuellen Missbrauchs vorliege, so Hastenteufel-Knörr. Hinzu komme ein Ehrenamtlicher, der des sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden sei. Ein Priester, der nur vorübergehend im Erzbistum tätig gewesen sei, sei strafrechtlich verurteilt worden. Gegen insgesamt drei Priester seien die Verfahren wegen Verjährung eingestellt worden. Drei Verfahren seien eingestellt worden, weil keine Straftat nachgewiesen worden sei. Ein Geistlicher sei suspendiert und dürfe keine kirchlichen Aufgaben mehr wahrnehmen; er sei in einem weltlichen Strafverfahren als schuldunfähig eingestuft worden.

Verfahren gegen einen Priester läuft noch

Zuletzt sei 2012 ein Priester in einem kirchlichen Verfahren strafweise in den Ruhestand versetzt worden, nachdem die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen 2009 wegen Verjährung eingestellt worden seien. Gegen einen weiteren, vom Dienst suspendierten Priester laufe derzeit noch ein kirchliches Verfahren. Mehrere Priester, die des Missbrauchs beschuldigt worden seien, seien gestorben. Die Fälle reichten bis in die 1940er Jahre zurück.

54 000 Euro seien von Tätern selbst an Opfer gezahlt worden. 38 000 Euro habe das Erzbistum übernommen, weil die Täter bereits verstorben oder zur Zahlung nicht in der Lage waren. Auch für Therapie- und Fahrtkosten komme das Erzbistum auf. Für 16 Opfer seien sogenannte Anerkennungszahlungen geleistet worden, so Hastenteufel-Knörr. Nicht alle Opfer hätten Anträge gestellt. Die Höhe der Zahlungen habe zwischen tausend und 20 000 Euro betragen.

„Ob wir alles richtig gemacht haben, weiß ich nicht, aber dass wir uns bemüht haben, alles richtig zu machen, kann ich mit Fug und Recht sagen“, sagt Schick, der seit 2002 in Bamberg ist. Mit einem klaren Ja antwortet er auf die Frage, ob es Sanktionen gegen die kirchlichen Mitarbeiter geben werde, die an den angeordneten Schulungen nicht teilnehmen. Schick betont: „Ziel der Schulungen ist es, mögliche Opfer zu schützen, Tätern die Übergriffe zu erschweren und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Handlungssicherheit zu geben.“

„Auch das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis wird uns nicht vollkommen vor Täterinnen und Tätern schützen“, sagt die Präventionsbeauftragte Rudolf.

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Kommentare

Und was ist mit den 15 Personen geschehen, wurden Sie vor Gericht gestellt?
Hoffentlich kommen die alle ins Gefängnis .
Es heißt, vor dem Gesetz sind alle gleich. Da nehme ich Geistliche nicht aus.
Da passiert doch nichts.
Montag, 13. November 2017 - 11:06