Erste Vorstellung des neuen Medi-Teams

Trotz des sensationellen Verlaufs der vergangenen Spielzeit mit dem vierten Tabellenplatz, der ersten Playoff-Teilnahme seit 21 Jahren und der Qualifikation für die Champions League war von einer Sorge um die Wiederholbarkeit dieser Erfolge nichts zu spüren. Vielmehr war in vielen Äußerungen die Rede vom „nächsten Schritt“, der noch gelingen könnte.

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Erst in seinem Schlusswort erinnerte Trainer Raoul Korner daran, dass die zusätzlichen Spiele auf internationaler Ebene eine ungewohnte Belastung sein werden. Es gebe aber keinen Zweifel daran, dass man diese Gelegenheit wahrnehmen muss: „Das ist der logische Schritt, um die ganze Organisation weiter zu entwickeln. Und es ist etwas, das bleibt von dieser tollen Saison und das wir uns verdient haben. Sonst wäre alles irgendwie verpufft.“ Deswegen die Saisonziele herunterzustufen, kommt aber auch dem Coach nicht in den Sinn: „Wir erwarten immer das Beste von uns. Natürlich wollen wir wieder in die Playoffs und in der Champions League trotz der starken Gruppe weiterkommen. Über mehr reden wir, wenn es so weit ist.“

Wenige Neuzugänge müssen umso besser passen

Als Anlass zur Zuversicht gilt vielen Experten die zum großen Teil schon eingespielte Mannschaft. Korner betonte allerdings, dass die Suche nach nur drei Neuzugängen nicht unbedingt leichter sein muss, als die Zusammenstellung eines komplett neuen Kaders: „Wenn eine Teamstruktur schon so gefestigt ist, dann sind die Anforderungen an die Neuzugänge umso klarer definiert. Außerdem müssen alle sehr große Fußstapfen ausfüllen.“

Als Beispiel nannte der Coach seine Entscheidung für den bereits 36 Jahre alten John Cox, der wegen seines Einsatzes in der Nationalmannschaft Venezuelas gestern ebenso fehlte, wie der Kapitän und deutsche Nationalspieler Bastian Doreth: „Wir haben einen Spieler gesucht für die Rolle von David Gonzalvez, und die ist richtig schwierig – mal nur fünf Minuten spielen, dann mal 20 und immer mit Qualität. Wir wollten Unterstützung auf Position drei für Nate Linhart, aber ohne dabei die Entwicklung von Robin Amaize einzuschränken. Das geht nur mit einem Spieler, der nichts mehr beweisen muss.“ Cox sei sogar „das schwierigste Puzzleteil“ gewesen, „eben weil diese Aufgabe so spezifisch ist“: „Umso mehr sind wir froh, jemanden gefunden zu haben, der so gut passt.“

Trey Lewis half bei Robinson-Verpflichtung

Leichter als erwartet sei dagegen die Suche nach einem Nachfolger für Spielmacher Kyan Anderson gefallen: „Ich dachte, das würde am längsten dauern, aber dann war das unsere erste Verpflichtung“, sagte Korner über James Robinson. Einen wesentlichen Beitrag dazu habe die Unterstützung des abgewanderten letztjährigen Topscorers Trey Lewis geleistet: „Beide kennen sich aus der College-Zeit und waren immer in Kontakt. Daher wusste James schon ein wenig über das Team und über die Verhältnisse hier. Als unsere Verbindung zu ihm dann konkreter wurde, hat er sich bei Trey ausführlich erkundigt, und der hat nur das Beste über Bayreuth gesagt.“ Robinson seinerseits begründete seine Entscheidung für den Bundesligavierten hauptsächlich mit seinem Eindruck von Raoul Korner: „Wir haben lange miteinander gesprochen, und dabei ging es eher weniger um Basketball, als vielmehr um die Familie und Fragen des Lebens allgemein. Ich mag Trainer, die einem das Gefühl geben, dass sie sich um dich kümmern und nicht immer nur an Basketball denken.“

Unmittelbarer Nachfolger für Lewis ist eher der dritte und letzte US-Neuzugang: Gabe York. „Dann sollten wir den Vergleich aber auch gleich wieder vergessen“, unterstrich der Trainer. „Gabe ist eine eigenständige Persönlichkeit und unfassbar talentiert – extrem kreativ, dabei athletisch und einer, der an der Dreierlinie richtig heiß laufen kann. Der wird den Ball in den Korb tun, und das nicht zu knapp!“ York selbst verdiente sich gleich einen Sonderapplaus für seinen ersten Satz in deutscher Sprache, den er bei der Anreise einstudiert hatte: „Ich bin froh, hier zu sein.“

Trainer Korner traut allen noch Steigerung zu

Seinen bewährten Spielern traut Korner trotz der außergewöhnlichen Saison immer noch Fortschritte zu. Das gilt nicht nur für den schon im Vorjahr stark verbesserten Robin Amaize, der die kurze Freizeit von der A2-Nationalmannschaft bis zum Abflug nach Taiwan zur Universiade am kommenden Montag zum gestrigen Auftritt nutzte („Robin kann viel überraschen, aber mich nicht.“), sondern auch beispielsweise für Andreas Seifert, der verletzungsbedingt die Playoffs verpasst hat („Er hat sehr diszipliniert gearbeitet, um wieder fit zu werden.“), oder auch De’Mon Brooks („Man hat sofort gesehen, dass er im Sommer viel an seinem Wurf gearbeitet hat.“).

Von den schwierigsten Verhandlungen berichtete der Medi-Coach im Fall von Assem Marei – allerdings mit einem Augenzwinkern: „Wir haben sogar seine Mutter ein wenig eingespannt, um ihn zu überzeugen.“

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Montag, 13. November 2017 - 11:06