Erste Medi-Niederlage: 75:88 gegen Jena

Anscheinend erlebten die Bayreuther zum ersten Mal die Auswirkungen der ungewohnten Zusatzbelastung in der Champions League. Im vierten Spiel innerhalb von neun Tagen fehlte es den neun Akteuren (erneut ohne John Cox) an der Substanz, um nach beständigem klaren Rückstand von bis zu 27 Punkten (31:58/25.) noch einmal einen Kraftakt zu stemmen wie am Freitag beim 89:88-Sieg in Oldenburg.

Dabei kann man dem Medi-Team ganz sicher nicht vorwerfen, es hätte nicht bis zum Schluss alles versucht. Die kämpferische Einstellung wurde auch von den Zuschauern honoriert, die im letzten Viertel noch jede kleine Resultatsverbesserung feierten. Knapper als beim 65:77 knapp drei Minuten vor Schluss wurde es allerdings nie.

Nur drei Feldkörbe im ersten Viertel

Entscheidende Schwäche der Gastgeber war es somit, dass sie überhaupt erst einen so hohen Rückstand zugelassen hatten. Ihre gewohnte spielerische Linie ließen sie sich von der aggressiven bis harten gegnerischen Verteidigung schnell nehmen. Dabei haderten sie zunehmend mit ausbleibenden Foulpfiffen, versäumten es aber auf der Gegenseite, auch ihrerseits die Grenzen für die Großzügigkeit der Schiedsrichter auszuloten.

So gelangen dem Medi-Team im ersten Viertel nicht mehr als drei Feldkörbe (davon zwei in den letzten zwei Minuten), was durch eine hohe Freiwurfquote (9/10) nur notdürftig kompensiert werden konnte. Ein Hoffnungsschimmer war die wachsende Foulbelastung bei Jena, vor allem auf den großen Positionen. Nach Oliver Clay und Oliver Mackeldanz hatten die Gäste mit dem 37-jährigen Teamsenior Derrick Allen aber noch eine Besetzung für Position fünf, die physisch den Bayreuther Centern Assem Marei und Andreas Seiferth unter Jenas Korb sogar die größten Schwierigkeiten bereitete. Entlastung von außen gelang so gut wie gar nicht. Der Treffer von Steve Wachalski 15 Sekunden vor dem Ende des ersten Viertels zum 16:18 blieb der einzige Bayreuther Dreier in der gesamten ersten Halbzeit bei zehn Versuchen.

Bis zuletzt viel Einsatz in der Defensive

Zu Beginn der zweiten Halbzeit war das Bayreuther Bemühen offensichtlich, noch aggressiver den Korb zu attackieren. So standen bei Jena schon nach zwei Minuten vier Mannschaftsfouls auf dem Konto, doch wegen der sinkenden Freiwurfquote (4/8 im dritten Viertel) blieb der Effekt gering. Gleichzeitig trafen die Gäste sicher von außen, so dass sie bei ihrer Führung mit 27 Punkten vollkommen souverän wirkten.

Das Medi-Team bewies jedoch lobenswerte Moral, verdiente sich mit viel Aufwand in der Verteidigung ein paar einfache Punkte durch Fastbreaks und hielt mit diesem Kampfgeist auch die wohlwollenden Zuschauer bei der Stange. Mit Pressdeckung gelang es im letzten Viertel sogar, die Sicherheit im Spiel von Science City Jena nachhaltig zu erschüttern. Für eine vollständige Wende hätte jedoch einfach alles gelingen müssen, und das war weder bei den Dreiern noch bei den Freiwürfen der Fall. Außerdem fanden die routinierten Thüringer auch unter starkem Druck immer noch genug Problemlösungen, um einen soliden zweistelligen Vorsprung zu halten. Dabei tat sich vor allem der erst vor wenigen Tagen nachverpflichtete Martynas Mazeika hervor.

Statistik

Medi Bayreuth: ROBINSON (10 Punkte / 27:09 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -17), LINHART (0 / 22:42 / -20), Doreth (11 / 25:07 / 11), Seiferth (9 / 15:31 / 2), Wachalski (6 / 21:57 / 4), Amaize (3 / 12:03 / 3), DE’MON BROOKS (12 / 16:13 / -22), YORK (13 / 37:04 / -13), Adler (0 / 0:07 / -1), MAREI (11 / 22:07 / -12); Feldwurfquote: 23/58 (40 Prozent), davon 4/23 Dreier (17 Prozent): Wachalski (2/5), Doreth (1/3), York (1/8); Freiwürfe: 25/37 (68 Prozent); Rebounds: 20 defensiv, 12 offensiv (Marei 3/5); Ballgewinne: 8; Ballverluste: 9 (Linhart 3); Assists: 16 (Robinson 5, Doreth 4); Effektivität: 76 (Doreth 15, Marei 14, Seiferth 10).

Science City Jena: Mazeika (20 / 29:58 / 5), Ugrai (8 / 16:17 / 15), Reyer-Napoles (2 / 10:46 / -5), CLAY (8 / 11:15 / -1), JENKINS (8 / 26:37 / 14), BOWLIN (6 / 24:38 / 9), ALLEN (9 / 28:16 / 17), MCELROY (16 / 24:54 / 7), Spearman (11 / 20:57 / -2), Heber, Mackeldanz (0 / 6:22 / 6); Feldwurfquote: 30/53 (57 Prozent), davon 8/17 Dreier (47 Prozent): Mazeika (2/3), Ugrai (2/3), Jenkins (2/4), McElroy (1/1), Bowlin (1/3); Freiwürfe: 20/29 (69 Prozent); Rebounds: 19 defensiv, 8 offensiv (Mazeika 4/3); Ballgewinne: 5 (Bowlin 3); Ballverluste: 13 (Bowlin 3); Assists: 19 (Mazeika 7); Effektivität: 96 (Mazeika 24, McElroy 20, Jenkins 13, Ugrai 10).

SR: Madinger, Groll, Brendel; Zuschauer: 3018.

Stationen: 0:5 (2.), 4:10 (4.), 10:12 (8.), 16:21 (1. Viertel), 22:36 (17.), 29:45 (Halbzeit), 31:58 (25.), 45:61 (29.), 47:65 (3. Viertel), 57:75 (35.), 65:77 (38.), 67:82 (39.), 75:88 (Ende).

Info: Die Effektivität errechnet sich aus der Summe von Punkten, Rebounds, Assists, Ballgewinnen und Blocks, abzüglich der Ballverluste und der Fehlwürfe. Die Plus-Minus-Bilanz zeigt die Entwicklung des Ergebnisses, während der Spieler auf dem Feld stand.

Stimmen zum Spiel

Björn Harmsen (Trainer Jena): „Es war eine unglaubliche Leistung meiner Mannschaft. Wir wussten, es gibt hier vielleicht eine Möglichkeit mitzuhalten, weil Bayreuth viele Spiele hatte und eine Woche gereist ist. Ich glaube, da gibt es weder Spieler noch Trainer, denen man so etwas nicht anmerkt. Wir waren relativ frisch. Wir haben am Freitag keinen Spieler über 28 Minuten eingesetzt und wollten das heute wieder so machen. Gerade in der ersten Halbzeit sollte kein Spieler länger auf dem Parkett stehen. Ich glaube, das hat uns sehr geholfen, um im dritten Viertel den Vorsprung herauszuarbeiten.“

Raoul Korner (Trainer Bayreuth): „Glückwünsche an Björn und seine Mannschaft, sie haben ein hervorragendes Spiel abgeliefert. Sie waren abgebrüht, souverän, auch in der Offensive. Ich glaube, wir hätten heute nicht einmal einen Stein in den Ozean getroffen. Wir waren miserabel beim Dreipunktwurf, haben an der Freiwurflinie zwölf Punkte liegen lassen. Das hat uns gerade zu Beginn sehr frustriert und das hat man gemerkt. Während Jena sehr hochprozentig getroffen hat ist bei uns nichts gefallen. Als wir begonnen haben zu treffen war das Spiel mit Minus 27 eigentlich schon entschieden. Trotzdem möchte ich meinem Team ein riesen Kompliment machen. Ich glaube, was die Burschen in den letzten neun Tagen geleistet haben ist aller Ehren wert. Auch in einem Spiel wie heute noch einmal die Courage zu haben zu fighten, auch wenn es nicht realistisch war die Partie noch zu drehen, zeigt zum einen, dass irgendwo die Energie da ist, die wir in Zukunft früher mobilisieren müssen. Es zeigt aber auch die Einstellung, dass das Herz am richtigen Fleck ist und wir Kampfgeist haben. Wenn man mir vor dieser Woche gesagt hätte, dass wir mit 3:1 aus dieser Woche gehen, hätte ich das mit großem Dank genommen. Letztendlich war es für uns eine sehr gelungene Woche.”

Bastian Doreth (Medi-Kapitän): „In den ersten 25 Minuten sind wir nicht wie ein Spitzenteam aufgetreten. Wir haben überhaupt keine Intensität aufs Feld gebracht. Hintenraus haben wir dann zwar Moral bewiesen. uns aber auch nichts mehr. Dass wir am Ende die Uhr so oft angehalten haben, lag nicht an dem Direktvergleich mit Jena, wir wollten einfach unseren Fans zeigen, dass wir bis zum Schluss gewillt sind, alles zu geben.“

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06