Ernste Spielchen: Studenten programmieren Nachrichtenspiele

Der Abend beginnt mit dem Hintern von Kim Kardashian. Der muss rein. Am besten als Endgegner. Lisa Mallory lacht, dann sucht sie im Internet nach dem Hintern. Diesem großen Hintern, glänzend, jenem Hintern, der vor ein paar Tagen für Schlagzeilen sorgte und die sozialen Netzwerke bestimmt. Lisa Mallory studiert Medienwissenschaften an der Uni Bayreuth. Es ist Freitagabend, sie sitzt mit einem Dutzend anderer Studenten in einem Seminarraum. Die Studenten werden hier ihr Wochenende verbringen und 48 Stunden Spiele programmieren. NewsJam nennt sich das. Thema: Newsgames. Nachrichtenspiele.

Vorne sitzt Jochen Koubek. Er ist der Computerspiel-Professor in Bayreuth. Er erklärt: „Newsgames sind Computerspiele, die sich im weitesten Sinne mit journalistischen Tätigkeiten befassen.“ Oder: Journalismus zum Spielen, aber mit ernstem Hintergrund.

Für die Studenten ist nur das Thema neu. „Wir mussten recherchieren, was im Gespräch ist“, sagt Lisa. Der Rest? Routine. Mechaniken auf etwas anbieten. Studentin Lisa sagt: „Selbst spielen und interagieren ist eine gute Möglichkeit, Nachrichten zu vermitteln.“ Zumindest bei den drei Projekten des Wochenendes hat das geklappt.

Daily News: Eine Art Reporter-Shooter. Der Spieler ist der Reporter. Mit Trenchcoat, Schlapphut und Nachrichtengewehr. Er soll durch Nachrichten Angst verbreiten. Die Zeitung ist ein Gewehr, Facebook eine doppelläufige Waffe, der Fernseher ein Vernichtungsstrahl. Das Spiel setzt sich mit Medienwirkung auseinander, das ist der ernste Hintergrund hinter dem Ballerspiel. Der Shooter macht Spaß, also funktioniert das Spiel. Zum Spiel geht's hier.

News Rush: Das Spiel mit dem Hintern von Kim Kardashian. Ein Jump-and-Run-Spiel. Der Spieler springt auf Nachrichtenblöcke und versucht der Boulevardhölle zu entkommen. Der Gag: Er soll nur auf relevante Nachrichten springen, sonst wird er dumm und verliert. Also lesen und springen, auswählen zwischen Info und Müll. Bis zum Endgegner: dem Hintern von Kardashian. Eine Art Supermüll. Zum Spiel gehts hier.

Energiewendebeauftragter: Ein Simulatorspiel. Die Oberfläche sieht aus wie Oberfranken. Hügel, Bäume, viel Platz. Der Spieler ist der Energiewendebeauftragte. Er muss Windräder setzen, um das Ende der fossilen Brennstoffe aufzuhalten. Das Problem: Windräder sind kaum möglich: Waldrodungen, Schatten und Fledermäuse verhindern den Bau. Zum Spiel gehts hier.

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