Er macht aus alt neu für guten Zweck

Die Idee dazu kam ihm im Pegnitzer Recyclinghof bei einem Blick in den Container für Elektromüll: „Da lagen haufenweise Markencomputer, die höchstens drei, vier Jahre alt sind.“ Und damit wohl auch absolut gebrauchstauglich, ist er überzeugt. Er geht davon aus, dass eine Firma auf eine neue PC-Generation umgestellt und ihre „Altgeräte“ entsorgt hat.

Auch eine Sache der Philosophie

Das widerspricht seiner Philosophie, die auf Ökologie, auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Darauf, „nicht einfach alles Alte wegzuschmeißen, so steht das auch auf meiner Firmen-Homepage“.

Aufruf zeitigt Erfolge

Seine Aktion startete er mit einem Aufruf in den sozialen Netzwerken. Seine Bitte: Wer kaputte oder ausgediente Computer, Laptops, Notebooks, Handys oder Spielekonsolen sein eigen nennt, für die er keine Verwendung mehr hat, kann diese Teile bei ihm abgeben oder von ihm holen lassen. Er versucht dann, sie wieder auf Vordermann zu bringen und damit einsatzfähig zu machen. „Halt mit den Bordmitteln, die mir hier zur Verfügung stehen“, so Schaak, der einen Raum im ehemaligen Hohe-Gebäude am Kleinen Johannes bezogen hat. Doch auch dann, wenn eine „einfache Reparatur“ nicht möglich ist, müsse man den Geräteveteranen nicht gleich wegwerfen, sagt der Jungunternehmer. Denn: „Dann baut man halt mit den Teilen, die noch in Ordnung sind, aus drei Geräten ein neues zusammen.“

Unterstützerkreis mit im Boot

So weit, so gut. Doch wer entscheidet letztendlich, wer in den Genuss eines sanierten Altgerätes kommt? Dazu hat sich Stephen Schaak den Unterstützerkreis Pegnitz mit ins Boot geholt. Der kümmert sich bekanntlich nicht nur um Flüchtlinge, sondern ganz allgemein um bedürftige Menschen in der Stadt. Sprecherin Susanne Bauer hält Schaaks Aktion für eine „tolle Sache“. Wenn es um Flüchtlinge geht, „wissen wir natürlich selbst, wo Not am Mann ist“. Für andere Empfänger hält der Kreis engen Kontakt mit der Pegnitzer Tafel, „die wissen da am besten Bescheid“.

Da ist die tolle Idee, da ist auch eine gewisse Enttäuschung. Darüber, dass dem Aufruf in den sozialen Netzwerken Reaktionen folgten, die Susanne Bauer nicht nachvollziehen kann, „die wir aber akzeptieren müssen“. Weil es da trotz vieler positiver Reaktionen auch ganz andere Stimmen gab. Von Leuten, die sagen, sie würden ihre bejahrte EDV-Ausstattung gerne hergeben – aber nicht für die Flüchtlinge. Bauer versteht das nicht. Denkt, das sagen vor allem Menschen, die nur bedingt wissen, von was sie eigentlich reden. Dennoch mahnt sie zur Gelassenheit: „Man darf sich nicht provozieren lassen, man darf aber auch nicht unnötig provozieren.“

Unter dem Strich bleibe ein gutes Gefühl. Weil es ja mehr als genug Befürworter gebe, weil der gute Zweck im Mittelpunkt stehe, „das sind wertvolle Signale“. Da dürfe man sich nicht verrücktmachen lassen. Sondern müsse an langfristigen Lösungen arbeiten. Für jene Menschen, die hierbleiben. In einem Land, „in dem es vielen von uns doch wirklich richtig gut geht“.

Info: Wer die Aktion unterstützen will, kann seine Altgeräte bei Stephen Schaaks Firma Smart Computing Services in der ehemaligen Produktionshalle der Firma Hohe im Kleinen Johannes 21 abgeben.

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