F-16-Kampfflugzeug bei Engelmannsreuth abgestürzt - Explosionsgefahr gebannt

Der Rettungsdienst brachte den Kampfpiloten der US-Luftwaffe in das Klinikum Bayreuth. Er war nur leicht verletzt und ansprechbar. Der Pilot soll sich ein Schleudertrauma durch die Betätigung des Schleudersitzes zugezogen haben und eine Prellungen und Zerrungen von der Landung im Wald. Die Ärzte sprechen von Bagatellverletzungen, am Mittwoch soll der Pilot zu seinem Stützpunkt zurückkehren. Das Flugzeug stürzte über unbewohntem Gebiet ab. Es war nur ein Pilot an Bord der F-16.

Aus Engelmannsreuth war die Rauchwolke deutlich zu sehen. Foto: Tobias Stickl

Bei der Maschine handelt es sich um ein amerikanisches Militärflugzeug vom Typ F-16. Grund für den Absturz war laut Informationen von Oberstleutnant Brian Carlin, Pressesprecher des amerikanischen Militärs in Grafenwöhr, ein Triebwerksschaden. Insgesamt sechs Kampfflugzeuge waren auf dem Flug Luftwaffenstützpunkt der US-Air-Force in Spangdahlem bei Bitburg zu einer Übung nach Grafenwöhr, Luftlinie rund 375 Kilometer. Ein F-16 Jet aus Spangdahlem sei zuletzt 2006 im Eifelkreis Bitburg-Prüm abgestürzt, schreibt der Volksfreund aus Trier. In Spangdahlem sind 24 F-16-Kampfjets stationiert.

Videostellungnahme der US-Air-Base in Spangdahlem. Quelle: youtube

Der abgestürzte Kampfjet soll sechs Übungsbomben und zwei Zusatztanks an Bord gehabt haben. Die Tanks hat der Pilot vor dem Absturz über unbewohntem Gebiet abgeworfen, wie er selbst angab im Bereich Eschenbach, Kirchenthumbach und Schlammersdorf. Die Tanks sind zweieinhalb bis drei Meter groß und grün-braun. Sie sind mit Kerosin gefüllt. Sie wurden zwischenzeitlich gefunden. Ein Tank ist beschädigt, zum Zustand des anderen gibt es noch keine Auskunft.

Der Fallschirm des Piloten hängt an einem Baum. Foto: Tobias Stickl

Augenzeugen berichten, dass das abgestürzte F-16-Kampfflugzeug gegen 9.30 Uhr über die Pegnitzer Kernstadt geflogen sein soll, ehe es langsamer wurde und in Richtung des Waldgebietes Kitschenrain abdrehte. Diese Beobachtungen konnten aber am Abend nicht bestätigt werden. Die fünf intakten Maschienen seien über der Absturzstelle gekreist, um den Sichtkontakt zu ihrem abgestürzten Kameraden nicht zu verlieren. 

Hans Freiberger, der Bürgermeister von Prebitz, war mit dem gemeindeeigenen Unimog als einer der ersten vor Ort. Er berichtet, zwei Augenzeugen sollen mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht worden sein.

Großaufgebot der Feuerwehr. Foto: Ralf Münch

Tobias Stickl (20) aus Engelmannsreuth hat am Dienstagmorgen gegen 9.30 Uhr gesehen, wie der Kampfjet am Himmel über Engelmannsreuth „immer langsamer“ wurde, wie der Pilot absprang und es das Flugzeug „fast in der Luft zerriss“. Dann stieg eine „große Rauchwolke aus dem Wald auf“. Mit seinen Kumpels ist Stickl sofort losgefahren. „Wir wollten helfen.“

Die Absturzstelle sei mit dem Auto nicht zu erreichen gewesen. „Es roch nach Feuer, wir waren vielleicht 100 Meter entfernt.“ Sie fanden den Fallschirm des Piloten in einem Baum. Die Polizei hielt die Engelmannsreuther davon ab, weiter in den Wald vorzudringen. „Wir sollten nicht mithelfen, sondern nur eine Aussage machen und unsere Fotos weiterleiten“, sagt Stickl.

Ein Löschfahrzeug der US-Armee rückt an. Foto: red

Scharfe Munition sei nicht an Bord des Kampfjets gewesen, teilt die US-Luftwaffe am Nachmittag mit, jedoch neben Kerosin auch der Raketentreibstoff Hydrazin.  Es herrschte daher Explosionsgefahr. Hydrazin ist giftig, soll krebserregend sein und hochtoxisch auf Wasserorganismen wirken. Das Gift wird über die Haut aufgenommen. Hydrazin raucht in Verbindung mit Luft und verbrennt mit einer kaum sichtbaren Flamme.

Um die Absturzstelle wurde eine militärische Sperrzone eingerichtet, Umkreis 350 Meter. US-Soldaten und Feldjäger der Bundswehr sind vor Ort. Die Sicherung des Geländes haben Fallschirmjäger der Bundeswehr übernommen, da es sich bei dem Waldstück um deutsches Hoheitsgebiet handelt. Sie werden das Gebiet laut Michael Rebele von der Pressestelle der Polizei Oberfranken für die nächsten drei bis vier Tage abriegeln. In dieser Zeit werden die Amerikaner das Wrack bergen und weiter untersuchen.

Wegen der großen Hitze herrschte an der Absturzstelle akute Waldbrandgefahr. Die Landkreisfeuerwehren haben Wasser in den Wald gefahren. Luftbeobachter kreisten bis gegen 18 Uhr über die Absturzstelle.

Zuständig für den Unglücksfall ist - mittlerweile - das Landratsamt Bayreuth. Pressesprecher Michael Benz sagt, es waren zwischen 300 und 400 Einsatzkräfte vor Ort. Bis zu 20 Feuerwehrkräfte waren gleichzeitig an der Absturzstelle auf der Anhöhe nördlich von Oberlenkenreuth - mit Atemschutz und Chemieschutzanzügen.

„Die Feuerwehrleute sind nicht länger als 10 bis 15 Minuten im Einsatz“, sagt Carolin Rausch, Sprecherin des Kreisfeuerwehrverbands Bayreuth. Länger reicht die Luft zum Atmen in den Flaschen nicht. Anschließend mussten die Einsatzkräfte dekontaminiert werden. Die Schutzanzüge und die Dekontaminationsmaßnahmen seien von der Flughafenfeuerwehr Grafenwöhr empfohlen worden, „wegen des Kerosins und möglicher geladener Mittel an Bord des Kampfjets“, sagt Rausch.

Das Bayerische Rote Kruez hatte am Sportplatz in Engelmannsreuth einen Behandlungsplatz aufgebaut. Dort wurden dekontaminierte Feuerwehrleute aufgenommen und untersucht. Neun Feuerwehrleute seien ins Krankenhaus gekommen, sie seien in der Hitze kollabiert, meldete die Polizei. 

Nach US-Angaben waren auch Löschfahrzeuge vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr vor Ort.

Gegen Abend traf Landrat Hermann Hübner an der Absturzstelle ein, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Dem war ein bizarrer Streit über die Zuständigkeit vorausgegangen: Zunächst hatte es geheißen: Die Oberpfalz ist zuständig. Darauf vertraute auch die dortige Polizei und gab eine entsprechende Meldung heraus. Dann kam die Wende: Nein, es ist doch der Landkreis Bayreuth - das sagte zumindest Michael Benz.

Keine zehn Minuten später wandte sich erneut das Polizeipräsidium aus der Oberpfalz an die Presse: Die Oberpfalz ist zuständig, hieß es trotzig. Auf eine Nachfrage, was denn nun stimme, sagte eine Sprecherin: „Jetzt verwirren Sie mich auch.“ Das Innenministerium sprach schließlich ein Machtwort: Obwohl die Absturzstelle auf oberpfälzer Gebiet liegt, ist Oberfranken zuständig.

Der rote Punkt markiert die Absturzstelle. Quelle: Feuerwehr

Die F-16 ist das meist verbreitete Kampflugzeug der Welt. Neben den US-Streitkräften ist sie beim Militär von rund zwei Dutzend Staaten im Einsatz. Die wendige Maschine wurde bereits 1978 vom U.S. Air Force in Dienst gestellt und wird heute immer noch gebaut. Knapp 2300 Maschinen sind derzeit weltweit im Einsatz. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kampfflugzeugen verfügt die F-16 nur über ein Triebwerk. Deshalb führt ein Triebwerksversagen fast unweigerlich zum Absturz der Maschine.

Düsenjet, Typ F-16. Ein solches Flugzeug stürzte ab. Foto: dpa

Im Juni dieses Jahres war zuletzt eine F-16 der Air National Guard im US-Bundesstaat Arizona abgestürzt. Im Januar 2015 waren mehrere Menschen ums Leben gekommen, als eine F-16 des griechischen Militärs auf eine Halle eines spanischen Luftwaffenstützpunktes in der Nähe der Stadt Albacete gestürzt war.

tok/sab/mcf/ike/ck/mki/tgg

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Im Landkreis Pegnitz weckt das Unglück Erinnerungen an 1971, als beim Absturz eines Hubschraubers 37 US-Soldaten starben.

Zu einer Bildergalerie zum Absturz geht es hier.

 

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