Elvis-Bassist und Wagner-Fan

Seit neun Jahren kommen mindestens einmal im Jahr Elvisfans aus ganz Europa nach Bischofsgrün zum „Elvis-Weekend“. Veranstalter Markus Henfling aus Warmensteinach hat beste Verbindungen in den Umkreis von Elvis Presley (1935-1977), immer wieder schafft er es, Menschen aus den USA nach Bischofsgrün zu holen, betagte Veteranen, Co-Stars aus Elvisfilmen, Bodyguards, Roadmanager, Mitglieder der sogenannten „Elvis-Mafia“, die den meist jungen Fans erzählen, wie es zuging am Hofe des „King“.

Zum Beispiel Larry Geller, der schon das dritte Mal in Bischofsgrün ist. Und der 1964 als einer der angesagtesten Hairdresser Hollywoods eigentlich nur Elvis für einen seiner Filme frisieren sollte. Doch Gellers spirituelle Seite machte ihn zum Vertrauten von Elvis, den Zeit seines Lebens die Frage umtrieb, warum das Schicksal ihn ausgewählt hatte, einer der größten Entertainer des 20. Jahrhunderts zu werden, dem die Massen zu Füßen lagen.

35 Songs in fünf Nächten

Norbert Putnams Verhältnis zu Elvis war professionellerer Natur. Im Juni 1970 nahm er im RCA-Studio in Nashville in nur fünf Nächten nicht weniger als 35 Songs mit Elvis auf, die drei Alben füllten, allesamt Bestseller. Dass er damals auch tagsüber Aufnahmesessions hatte, machte dem seinerzeit 28-Jährigen nicht viel aus: „Bevor man 40 ist, braucht man nicht wirklich Schlaf.“

Hätte es Elvis nicht gegeben, „wäre ich wahrscheinlich ins Versicherungsgewerbe, die Branche meines Vaters geraten.“ Doch sein Vater spielte nebenher Bass, und das qualifizierte den jugendlichen Norbert Putnam, den väterlichen Bass in einer lokalen Band zu spielen, die die Sun-Records-Titel der 1950er spielten – jenes Studio, in dem Elvis anfing.

Als Sänger konkurrenzlos

Der Nashville-Marathon von 1970 war nur der Anfang. Bis 1976 war Norbert Putnam bei den Aufnahmen zu insgesamt 120 Elvissongs im Studio als Bassist dabei: „Mein Bass reflektierte Elvis’ Stimmung.“ Elvis habe nicht nur seine Musiker gut behandelt und als gleichrangig angesehen, „er hat ungeheuer schnell gelernt, oft saß ein Song schon mit der ersten Aufnahme. Als Sänger war er konkurrenzlos. Er hatte mehrere unterschiedliche Stimmen, die er beliebig benutzen konnte. Er ließ sich von unterschiedlichsten anderen Interpreten inspirieren, nahm ihren Stil auf und machte etwas Eigenes daraus“, schwärmt der 75-Jährige noch nach mehr als 40 Jahren.

Elvis’ Weggefährten werden nicht jünger, mehr als 40 Jahre nach seinem Tod sind sie meist schon über 70 Jahre alt. Seit dem ersten Elvis-Weekend 2008 hatte Veranstalter Markus Henfling immer Glück. Bis zu diesem Mal. Eigentlich sollte dieses Wochenende auch Suzanna Leigh kommen, die 1965 in „Paradise, Hawaiin Style“ mit Elvis vor der Kamera stand. Vor zwei Monaten musste sie Markus Henfling gesundheitsbedingt absagen. Und am vergangenen Montag ist Suzanna Leigh im Alter von 72 Jahren gestorben.

Als Henfling ihre Absage erhalten hatte, rief er Chris Noel an, Schauspielerin, Co-Star von Elvis, AFN-DJ („A Date with Chris“) und Maskottchen der GI’s im Vietnamkrieg. Sie war bereits 2014 in Bischofsgrün, sagte zu, einzuspringen. Und musste krankheitsbedingt wieder absagen.

Auf den Spuren Richard Wagners

Doch Markus Henfling hört nicht auf. Das nächste Elvis-Weekend ist bereits in Vorbereitung. Und ist wie alle anderen wahrscheinlich wieder nach wenigen Tagen ausverkauft. Doch zuvor hat er noch eine besondere Mission, die von Elvis wegführt. Norbert Putnam, der als Bassist auch in Sinfonieorchestern gespielt hat, ist Wagner-Fan. Und will am Sonntag, wenn die Elvisfans wieder aus Bischofsgrün abgereist sind, in Bayreuth auf den Spuren Richard Wagners wandeln.

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