Eltern in Sorge: Stadtbus statt Schulbus

Bislang war es für die kleinen Seulbitzer vergleichsweise einfach, mit dem Bus zur Schule nach St. Johannis zu kommen: Nur Kinder im Bus, ein Bus, der direkt vor der Schule hält. Ein Bus, der auf seiner festen Route Kinder auch an der sicheren rechten Seite aussteigen lässt, ohne dass sie viel befahrene oder auch schnell befahrene Straßen überqueren müssen. Das ändert sich ab September, wenn das neue Schuljahr beginnt.

Zu viele Kinder in den Bussen - vor allem mittags

Jürgen Koch, der stellvertretende Leiter des Schulamts, sagt auf Anfrage unserer Zeitung, die Entscheidung habe mehrere Gründe: "Wir haben die Rückmeldung bekommen, dass die Busse, die von der Grundschule St. Johannis abfahren, vor allem mittags fast alle überfüllt sind - was eigentlich nicht sein kann." Deshalb habe man geprüft und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass "nicht nur die Kinder mitfahren, die wieder nach Hause fahren, sondern auch Kinder, die in den Hort wollen". Was bei der Überprüfung noch herauskam: "Es gibt eine Regelung, die besagt, dass auch bei der Schülerbeförderung der öffentliche Personennahverkehr Vorrang hat." Während drei der vier Schulbuslinien nach St. Johannis - Aichig, Wolfsbach und Oberkonnersreuth - nicht auf die Weise mit dem Stadtverkehr angebunden sind, treffe die Vorgabe auf Seulbitz zu. "Da fährt der Stadtbus." Und: Der Bus fahre eine Route, die der sehr ähnlich ist, die auch der Schulbus nimmt.

Keine anderen Wege als die Kanzer Kinder

Die Tatsache, dass man den Busplan ändern werde, habe man der Schule und dem Elternbeirat mitgeteilt. "Der große Teil der Eltern hat das akzeptiert. Es waren auch noch einmal drei Eltern hier im Schulamt, denen haben wir das auch noch einmal erklärt", sagt Koch. Dem stellvertretenden Schulamtsleiter ist eines wichtig: "Die Kinder laufen vom Bus zur Schule keine anderen Wege als die Kinder, die in St. Johannis wohnen."

Eltern wollen den Schulbus behalten

Die Eltern aus Seulbitz würden den Schulbus gerne behalten. Und wenn es nicht klappt mit dem Schulbus, dann wollen sie zumindest einige Änderungen erreichen, die den Schulweg für ihre Kinder sicherer machen sollen - so sicher wie bislang. Jana Ernst und Daniela Hessenberger, die eine Unterschriftenaktion der Elterninitiative "Ja zum Schulbus und zu einem sicheren Schulweg für alle" ins Leben gerufen haben, sagen vor Ort im Gespräch mit unserer Zeitung, dass es sowohl in Seulbitz als auch in St. Johannis auf dem Schulweg Verbesserungspotential gebe. Die Initiative hat inzwischen rund 300 Unterschriften gesammelt.

Hauptproblem: Tempo

Ein Problem, speziell - aber nicht nur - in Seulbitz, ist die Geschwindigkeit. Vom alten Seulbitzer Ortskern sei vor der Querungshilfe für die Bushaltestelle am Breiten Rain zwar Tempo 30, "aber da wird eigentlich immer zu schnell gefahren", sagt Daniela Hessenberger. Zudem sei das Schild zu nah an der Querungshilfe aufgestellt. Das Schild müsste nach hinten versetzt werden, weil die Kinder - wenn sie nicht mehr mit dem Schulbus gebracht werden - auf der stadtauswärtigen Seite aus dem Bus aussteigen müssten. "Mit dem Schulbus fahren sie bis hoch zur Alm und dann wieder zurück. Der Schulbus hält an der Haltestelle stadteinwärts", sagt Jana Ernst. So könnten die Kinder bislang sicher aussteigen - und direkt ins Wohngebiet laufen, ohne die Straße überqueren zu müssen, auf der auch aus Richtung Bayreuth zu schnell gefahren werde.

Bushaltestelle soll verlegt werden

Eine Lösung, die sich an der Haltestelle Breiter Rain schon vor der für Donnerstagvormittag angesetzten Verkehrsbesprechung mit Polizei, Stadtwerken, Eltern und Schulamt abzeichnet: "Die Stadtwerke haben vorgeschlagen, die Haltestelle einige Meter in Richtung der Querungshilfe zu verlegen", sagt Daniela Hessenberger. Die Kinder könnten dann vor dem Stadtbus zur Querungshilfe gelangen, von hinten kommende Autos könnten den Bus nicht überholen. Und es wäre eine weitere Gefahr gebannt: "Kleine Kinder achten möglicherweise nicht so auf den Verkehr, wenn sie hinter größeren Kindern hinter dem Bus die Straße überqueren." Zudem sei gerade diese Stelle schlecht einsehbar, weil sie auf einer Kuppe liege.

Bus dreht eine Ehrenrunde

Auch für die Haltestelle in St. Johannis gibt es, wie Jan Koch, der Pressesprecher der Stadtwerke, auf Nachfrage bestätigt, eine Lösung, um die Sicherheitsbedenken der Eltern zu reduzieren: "Wir werden zumindest mit dem Bus, der um 7.24 Uhr in Seulbitz losfährt, eine Extrarunde drehen. Die Kinder können in der Ochsenhut aussteigen", sagt Koch. "Das fand ich einen sehr guten Gedanken", sagt Daniela Hessenberger. In der Verkehrsbesprechung am Donnerstag wollen die Eltern unter anderem auch einen Zebrastreifen in der Ochsenhut fordern - ebenso für die Kinder, die die Königsallee Richtung Eremitenhof überqueren. "Wir wollen die Wege ja für alle Kinder sicherer machen", sagt Hessenberger.

Nicht bewertet

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Kommentare

Liebe Eltern, seht auch die positive Seite: die "großen" Rüpel, die die "Kleinen" regelmäßig drangsalieren, werden sich sehr viel gesitteter verhalten, wenn andere Erwachsene mitfahren. Der Fahrer muß nämlich fahren, der kann nicht auch noch Aufsicht führen. Für jüngere Kinder, gerade Mädchen, ist der Schulbus nämlich kein Vergnügen.
Das klingt sehr plausibel. Nur ob die Erwachsenen heutzutage sich genügend einmischen, wenn es ein Problem gibt, bezweifle ich etwas. Meiner Meinung nach ist es nicht mehr selbstverständlich, dass jeder Bürger sich auch für seine Gesellschaft engagieren sollte.
...viele Schulbusse, die sehr viel Geld den Kommunen kosten, fahren fast leer!
Die meisten Eltern fahren ihre Kinder in die Schule.