Ellwanger-Haus wird umgebaut

2011 zog die Redaktion aus, die Kurier-Geschäftsstelle blieb. Seit diesem Zeitpunkt steht die Max 58, wie die historischen Häuser im unternehmensinternen Sprachgebrauch kurz heißen, zum größten Teil leer. Das Anwesen ist größer als es von der Marktseite aus wirkt. Es reicht bis an die Stadtmauer heran,  umfasst vier Gebäude mit zusammen gut 1700 Quadratmetern Fläche,  zwei Innenhöfe und einen kleinen Garten. Pläne, was aus dem Ensemble werden könnte, gab es in den vergangenen Jahren zuhauf. Der kühnste: ein Parkhaus, weil es an innenstadtnahen Parkflächen fehle.

Thomas Burger hat jetzt einen ganz anderen Plan. Seit eineinhalb Jahren interessiert sich der Projektentwickler, der bereits viele alte Gebäude in der Innenstadt wiederbelebt hat, für die Max 58/60. Warum? Weil die Lage auf dem Marktplatz zum Besten gehört, was Bayreuth zu bieten hat. Und weil man aus dem Ensembles, "richtig was machen kann". Jetzt haben sie sich geeinigt: der Projektentwickler und die Erbengemeinschaft. Der Kaufvertrag ist geschlossen.

Zwei Läden und bis zu 25 Wohnungen

Der Bayreuther Architekt Hansjörg Horstmann kennt die Gebäude, die jetzt zum Gesamtdenkmal erklärt wurden, seit langem. Er hat entworfen, was ab Frühjahr 2016 entstehen soll. Vorne an der Marktseite zwei Gewerbeeinheiten. Eine für eine inhaltlich und optisch neue Kurier-Geschäftstelle. Eine weitere für ein Cafe, das mit der Kurier-Geschäftsstelle verbunden sein soll. Aus dem  mit 1400 Quadratmetern größten Teil der Flächen in den Gebäuden sollen Wohnungen werden. "Wir denken an 20 und 25 Wohneinheiten", sagt Projektentwickler Burger. Von 35 bis 120 Quadratmeter groß . Sie sollen alle einen Balkon oder eine Terrasse zum dann grünen Innenhof bekommen. Bevor die Wohnungen zugeschnitten und abgeteilt werden, muss das Gebäude saniert werden. Mit Fingerspitzengefühl: Historische Stuckdecken, Wandverzierungen und auch das Treppenhaus mit seinem Gewölbe bleiben erhalten. Die Sanierung, sagt Burger, wird voraussichtlich 3,5 Millionen Euro kosten.

Eigentümer begrüßen das Vorhaben

Wolfgang Ellwanger ist in diesem Anwesen geboren. Sein Urgroßvater Lorenz Ellwanger hat hier um das Jahr 1895 herum sein Unternehmen aufgebaut. Die Druckerei und die Zeitung. Über hundert Jahre war hier ein wesentlicher Teil der Bayreuther Medienbranche zu Hause. "Natürlich ist da eine kleine Träne dabei, wenn man sich von einer solchen Immobilie trennt." Er und seine Miterben hätten das Ensemble auch in Zukunft erhalten können. "Aber wofür? Damit es leer steht? Das kann es nicht sein", sagt der Kurier-Verleger und Geschäftsführer. Er begrüße das jetzt geplante Umbauprojekt, das allerdings unter der Maßgabe stehe, dass die Stadt und das Landesamt für Denkmalschutz die Pläne genehmigen. Bis Jahresende will Projektentwickler Burger den Papierkram abgewickelt haben. Dann geht es los.

Burger ist sich sicher: Dieses Objekt lässt sich vermarkten. "Es ist toll, wie sich Bayreuth in den letzten sechs, sieben Jahren entwickelt hat", sagt er. Die Universität und die neuen Forschungsinstitute, die großen Unternehmen mit Bedarf an passendem Wohnraum für ihre Mitarbeiter, die Entwicklung der Innenstadt am Marktplatz und zuletzt rund um die Stadtkirche: "Bayreuth hat sich gemacht", sagt Burger. "Und deshalb ist Bayreuth für Investoren zu einem interessanten Standort geworden." Auch weil sich 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Immobilieninvestements im Osten Deutschlands entzaubert hätten. Was jetzt noch fehlt? Eine entschlossenere Baupolitik im Bayreuther Rathaus, sagt Burger. Die Stadt könne Hauseigentümer im Gassenviertel zwischen Markt und Stadtkirche dazu verpflichten, ihre Gebäude besser in Schuss zu halten. Und sie könne ihnen Zuschüsse gewähren. Als Anreiz, um Bayreuths alte Bausubstanz zu erhalten.

Thomas Burger hat in den vergangenen Jahren mehr als 40 Wohnungen allein an der Von-Römer-Straße und der Sophiestraße in hsitorischen Gebäuden geschaffen. Zuletzt hatte er drei Gebäude an der Kirchgasse angekauft und für eine Sanierung vorbereitet. Diese Häuser hat inzwischen ein Investor übernommen.

Die neue Kurier-Geschäftsstelle

„Neues und Bewährtes schließen sich nicht aus“, sagt Kurier-Verlagsgeschäftsführer Michael Rümmele. Was das für ein Medienhaus wie den Nordbayerischen Kurier bedeutet, soll in der Geschäftsstelle am Markt erlebbar werden, die sich mit dem Umbau der Gebäude Maxstraße 58/60 verändern wird.

Optisch eher traditionell, technisch reichlich futuristisch – so beschreibt Rümmele das Konzept für die neue Geschäftsstelle, die im Sommer 2017 in Betrieb gehen soll. Der Kunde und Leser, Abonnent oder User hat künftig die Wahl. Alle Dienstleistungen gibt es in der Kurier-Geschäftsstelle weiterhin analog. Kurier-Mitarbeiter sind Ansprechpartner. Die Geschäftsstelle zeigt aber auch, was sich technisch machen lässt. Dort gibt es künftig kostenloses W-Lan und Tablets, PCs und Kurier-TV-Bildschirme, an denen sich Besucher informieren können und an denen sie die Dienstleistungen des Kuriers in Anspruch nehmen können. „Unsere Geschäftsstelle wird also zu einem Spiegelbild des Medienwandels“, sagt Rümmele.

Die Investition liegt voraussichtlich bei über 300.000 Euro. Auch wenn während des Umbaus ein Ausweichen erforderlich sein wird, an dem Standort am Markt hält der Kurier fest. "Die Nachbarschaft zum Rotmain-Center, zu den Fachgeschäften und der Gastronomie in der Innenstadt sorgen für hohe Kundenfrequenz", sagt Rümmele. "Diesen Vorteil geben wir nicht auf."

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Kommentare

Aus dem KURIER nur ein Café? Dort könnten doch mehrere Läden einziehen und sich ein kleines Einkaufszentrum bilden.
Sehr gute Nachricht!
Es ist ein wirklich idyllisches Ensemble, was dort aus dem Dornröschenschlaf geholt wird. Ich freue mich darauf ...
Na, hoffentlich wird an die Schallschutzfenster gedacht, wenn dann Wohnungen drin sind. Nicht, dass sich die neuen Mieter/Eigentümer an dem Lärm des Bürgerfestes/Weihnachtsmarkt/Fasching etc. stören.
Und dem Autoverkehr auf dem Hohenzollernring auf der Rückseite des Anwesens!
Montag, 13. November 2017 - 11:06