Elektroautos - schnell laden geht kaum

Jürgen Öhrlein aus Rothwind (Gemeinde Mainleus) fährt seit zehn Jahren problemlos ein Auto mit Hybridantrieb, das wahlweise mit Strom oder Benzin läuft. Seit einem viertel Jahr besitzt er ein reines Elektroauto. Dieses einmal mit selbst produziertem Strom aus der heimischen Fotovoltaikanlage aufzuladen, kostet nach seinen Schätzungen rund drei Euro. Mit der Reichweite hat der frühere Kreisrat der Grünen keine Probleme: Ein Autofahrer legt im Durchschnitt maximal 100 Kilometer am Tag zurück, und das überwiegend im städtischen Bereich. „Die Batterietechnik entwickelt sich explosionsartig: Innerhalb von zwei Jahren verdoppeln sich die Reichweiten“, erläutert der 68-jährige Architekt.

Acht Stunden Laden zu lang

Öhrlein kritisiert die fehlende Infrastruktur mit Schnellladestationen auf dem flachen Land. Niemand habe tagsüber die Zeit, unterwegs anzuhalten, um die Batterien sechs bis acht Stunden lang aufzuladen. Das könne man nachts daheim oder tagsüber während der Arbeit beim Arbeitgeber tun.

Schnelle Ladestationen nur an der Autobahn

Klaus Knorr aus Schmeilsdorf (Gemeinde Mainleus) fährt seit drei Jahren einen BMW i3. „Ich habe 100 000 Kilometer ohne einen Werkstattbesuch, ohne Wartung und ohne einen Defekt zurückgelegt“, sagt der Unternehmer aus der EDV-Branche. Schnellladestationen, bei denen man deutsche Elektroautos in 20 Minuten aufladen kann, gibt es nach seiner Auskunft weder in Kulmbach, noch in Bayreuth, Kronach, Lichtenfels, Coburg und Bamberg. Dort existieren lediglich sogenannte AC-Säulen mit einer Ladeleistung von 22 Kilowatt. Elektroautos deutscher Hersteller müssen dort mindestens drei Stunden angeschlossen werden – französische Fahrzeuge eine Stunde. Schnellladestationen gibt es laut Knorr nur an den Autobahnen beispielsweise in Pegnitz, Himmelkron, Knetzgau, Selb, Münchberg oder bei Hof.

Kommunale Fehlinvestition?

„Die Kommunen müssen dafür sorgen, dass Schnellladestationen eingerichtet werden“, fordert Knorr. Notwendig sei eine Ladeleistung von 50 Kilowatt. Diese Stationen seien mit rund 30 000 Euro sechsmal so teuer wie die normalen. Die von den Kommunen eingerichteten Stationen bezeichnet er als „ Schnarchsäulen“ und „Fehlinvestition“. Millionen Euro für Parkhäuser und Tiefgaragen seien da, aber kein Geld für effektive Ladestationen.

Die Region Kulmbach: In der Stadt und im Landkreis gibt es zehn öffentliche Ladesäulen, berichtet Ingrid Flieger vom Klimaschutzmanagement des Landkreises Kulmbach. Die Installation dieser Säulen sei für den Landkreis und die Kommunen eine freiwillige Aufgabe. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn überall Schnellladestationen errichtet würden, doch sei das auch eine Kostenfrage, sagt Flieger. Sie geht davon aus, dass Fahrer von Elektroautos ihre Fahrzeuge entweder während der Arbeitszeit beim Arbeitgeber oder abends und nachts zu Hause aufladen.

Sieben Ladesäulen im Landkeis Bayreuth

Landkreis Bayreuth: Dort gibt es derzeit sieben Ladesäulen, berichtete der Pressesprecher des Landratsamtes, Michael Benz. „Schnellladesäulen sind vor allem an Autobahnen wichtig“, erläutert Benz. In der Region könnten die wesentlich günstigeren Normalladesäulen sinnvoll eingesetzt werden, etwa überall dort, wo ohnehin längere Standzeiten eingeplant sind, also am Wohnort oder beim Arbeitgeber.

Die Stadtwerke Bayreuth betreiben derzeit eine Stromtankstelle auf dem Campus der Universität. „Dieses Jahr wollen wir voraussichtlich fünf weitere Ladesäulen im Stadtgebiet installieren“, kündigt Pressesprecher Jan Koch an. Auch eine Schnellladesäule soll demnächst angeboten werden. Richtig sei, dass es in Deutschland wenige dieser Stationen gibt. Das liege vor allem an den hohen Kosten von rund 40 000 Euro pro Säule.

Der Energiekonzern Eon plant in Bayern sowohl „normale“ Ladestationen als auch Schnellladestationen. Letztere seien primär an Autobahnen, aber auch an viel befahrene Bundes- und Landstraßen vorgesehen teilte Pressesprecherin Andrea Wagner mit.

Nicht bewertet

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Kommentare

In den gesamten Landkreisen Bth und Ku zusammen 17 öffentliche Strom-Tankstellen; und dazu Ladezeiten von 3 Stunden aufwärts
Wie soll das was werden ?
Ich denke man redet und schreibt viel über die Elektro-Mobilität, aber eigentlich will man sie doch nicht, weder die Politik, noch die Auto-Industrie (Preise !) und schon gar nicht die Öl-Konzerne
Ganz recht, Politik und Medien reden und schreiben viel über das Thema. Viel Wunsch und wenig Wirklichkeit. Es ist eher die Physik und die Ökologie, die die Elektromobilität nicht mag. Ich empfehle das Lesen des Interviews mit Carl Martin Welcker, Präsident des Maschinenbauverbandes VDMA unter dem Titel "Politik ist ein Irrwitz". Heute auf Seite 2 des Kuriers.
"Ein Autofahrer legt im Durchschnitt maximal 100 Kilometer am Tag zurück, und das überwiegend im städtischen Bereich."
Als Pendler lege ich an einem Arbeitstag mindestens 100 Kilometer zurück und abgesehen davon dass ich dabei 2x Bayreuth durchquere ausschließlich auf Autobahn und Landstraße. Und damit bin ich bei weitem keine Ausnahme.

"Die Batterietechnik entwickelt sich explosionsartig"
Angesichts der aktuellen Berichterstattung über zunehmende Brände aufgrund von heute üblichen Hochleistungsakkus sollte man hier vielleicht die Wortwahl überdenken.

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