Einzige Praxis schließt

„Frau Pak ist auch mitten in der Nacht gekommen, wenn man sie gerufen hat“, sagt Bürgermeister Karlheinz Escher, der es sich nicht nehmen ließ, die 65-Jährige persönlich in den Ruhestand zu verabschieden und mit ihr die Arzthelferin Elena Renz. Letztere hat eine neue Stelle gefunden, was Elena Pak sehr erleichtert. Dennoch: „Das ist irgendwie schrecklich“. Damit meint Pak nicht die Aussicht auf ein ruhigeres Leben, sondern, dass es vorerst in Plech keine Arztpraxis mehr geben wird. Auch weiß sie ihre Patienten in guten Händen. Hausarzt Bernd Martin vom med.in-Team Betzenstein wird eine sogenannte halbe Arztstelle in Plech übernehmen, allerdings von Betzenstein aus. Hausbesuche in Plech sollen aber aufrecht erhalten werden.

Keine Unterversorgung

Eine ärztliche Unterversorgung wird es in Plech nicht geben. Pak hat sich auch im Vorfeld darum gekümmert, dass die Patienten, die nicht besonders mobil sind, nicht ohne Hausarzt auskommen müssen. Beispielsweise eine Frau, die an den Rollstuhl gefesselt ist, hat sie einen Sozialdienst organisiert, der sie nach Betzenstein bringt. Eine genau ausgearbeitete Liste, welche Patienten wann einen Hausbesuch benötigen, ist ihrem Nachfolger an die Hand gegeben. Und auch Escher will, dass keine Lücken in der Versorgung entstehen. Patienten, die mobil sind, könnten selbst entscheiden, welchem Arzt sie künftig ihr Vertrauen schenken. Darüber hinaus soll die ALT-Linie (Anruf-Linien-Taxi) an die Öffnungszeiten der Beztensteiner Arztpraxis angepasst werden. Darüber hinaus denkt Escher nach, zwei Tage in der Woche eine reguläre Buslinie einzusetzen. Alles in allem aber, werden sich die Plecher umstellen müssen.

Noch kein Nachfolger

Escher und Pak haben alles getan, um einen Nachfolger für die Plecher Arztpraxis zu finden. Sämtliche Kliniken in der Umgebung wurden angeschrieben, Emails verschickt, Anrufe getätigt, die Stelle ist ausgeschrieben worden. „Die jungen Ärzte wollen nicht auf das Land“, resümiert Escher, der versichert, die Bemühungen wieder einen ortsansässigen Arzt zu bekommen, noch nicht aufzugeben.

Die Vorzeichen dafür stehen aber nicht gut. Immerhin schrieb Pak im Jahr nur rund 800 Krankenscheine. „Das ist zu wenig“, sagt sie. Wenn ein Hausarzt von seinen Patienten gut leben möchte, brauche er „so zwischen 1200 und 1300“. Auch deshalb gilt die Plecher Arztstelle als eine halbe. Und eine Unterversorgung gebe es faktisch im südlichen Landkreis ebenfalls nicht. Ganz im Gegenteil: „Sie liegt laut der kassenärztlichen Vereinigung bei 122 Prozent“, so Escher, was nicht gerade Handlungsbedarf für Plech nach sich zieht. Die Hoffnung, jemanden zu finden, hat Escher noch nicht aufgegeben. Vielleicht finde sich doch noch jemand, der sich sozusagen mit einer Halbtagesstelle zufrieden gibt.

Wie ist Pak mit den niedrigen Patientenzahlen zurechtgekommen? Die Ansprüche nicht zu hoch setzen, meint sie. „Es geht nicht um das Geld, sondern mir war wichtig, für die Patienten da zu sein. Zwei Jahrzehnte lang hat sie das gemacht. Zuvor hat sie 16 Jahre lang in Kasachstan praktiziert, danach mehrere Jahre in Amberg, wo sie im dortigen Klinikum approbiert hat.

Viele Tränen an den letzten Tagen

Dann kam sie als Ärztin nach Plech und ist auch Plecherin geworden. „Sie hatte ein sehr intensives Verhältnis zu ihren Patienten“, weiß Escher. Das eigene Familienleben ist wegen ihrer Berufsauffassung, für die Menschen da zu sein, etwas zu kurz gekommen. Das möchte sie jetzt im Ruhestand nachholen und nicht nur für ihre zwei Töchter, sondern für die zwei elfjährigen Enkelinnen und den vierjährigen Enkel da sein – Familie genießen. Die Plecher werden es ihr gönnen und die bittere Pille schlucken müssen. In den letzten Tagen soll es zu rührenden Szenen in der Praxis gekommen sein. Pak: „Es weinen sogar die alten Männer.“

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