Eine Komödie mit Chansons

Darin geht es, kurz gesagt, um eine Kartlerrunde vom Lande, die ihr gut gemästetes Sparschwein endlich auf den Kopf hauen möchte und sich zu diesem Zweck für eine Reise ins nahe gelegene Paris entschieden hat – freilich aus unterschiedlichen Motiven, die sich allerdings als streitfördernd erweisen. Die Neigungen schwanken zwischen kulinarischer Erfüllung, der Inanspruchnahme eines Zahnarztes, einem Werkzeugkauf, Verkupplungswünschen und der Illusion, in der verruchten Hauptstadt eine Karreire als Bohémien starten zu können.

Aristokraten an den Galgen

Dass dieses gepuderte Septett schon in der Eingangsszene ausgerechnet die Revolutionshymne „Ah, ça ira, ça ira“ anstimmt, mutet ein wenig paradox an, ist aber durchaus konsequent, denn das Aufknüpfen von Aristokraten gehört noch heute zu den gut gepflegten Nostalgiethemen des französischen Bürgertums. Vaudevilles leben von Verwicklungen und deren bisweilen überraschenden Auflösungen: dass am Ende ausgerechnet jene Protagonisten zueinander finden (besser: finden müssen), die sich zuvor in herzlicher Abneigung gegenüberstanden oder allenfalls Mitgiftillusionen hegten, ist quasi Normalität. Und die sarkastische Note ist nicht zu überhören, wenn der liebeshungrige Cordenbois und die ältliche Léonida am Schluss befinden, ihre Liegenschaften und Aktien passten doch eigentlich gut zusammen.

Virtuoser Auftritt

Regisseur Ronny Jakubaschk hat sich für diese „Komödie mit Chansons“ eine schnelle Abfolge von Szene und Musik ausgedacht. Musikalisch müssen fast alle ran, und sie tun es mit respektablem Stimmvermögen und gutem Französisch. Einzelne Hervorhebungen könnten insofern ungerecht anmuten, aber es sei trotzdem gewagt: Nicolas Garin, multifunktional beschäftigt als Kellner, Concierge und Chef eines Verkupplungsbüros, singt so souverän und fegt so virtuos über die Bühne, dass es eine Freude ist. Auf Aktualisierungen verzichtet die Inszenierung weitgehend, aber der Blick auf’s Männerpersonal ist deutlich zeitgeistig geprägt, denn die nehmen sich recht transgenderhaft aus. Während die beiden Frauen (brillant: Anna Döing und Katharina Brenner) im Reifrock herumwirbeln, müssen die Männer affektiert umherstolzieren.

Wie auch immer: ein kurzweiliger Abend ist garantiert, und wer demnächst in Ostoberfranken ein Sparschwein zu knacken hat, braucht nicht bis nach Paris zu fahren, sondern sollte sich auf nach Bamberg machen.

Info: Nächste Vorstellungen: 10./11. und 15./16. Dezember.

Nicht bewertet

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