Ein Zeppelin und nackte Hintern

Der größte Wagen

Den hat einmal mehr das Männerballett der Hollfelder Faschingsgesellschaft (HFG) gezimmert. Wie jedes Jahr in Weiher, wie jedes Jahr in wochenlanger Kleinstarbeit in der Halle der Zimmerei Dusella. Und weil das elf Meter lange und fünf Meter hohe Geschoss schwankt, problemlos an die ein oder andere Dachrinne heran ragt und der Stromleitung in der Langgasse erschreckend nahe kommt, fährt Zimmerermeister Frank Fischer selbst und kein anderer, ganz oben in dem Zeppelin mit. In dem Zeppelin, der über einem Lastwagen zu fliegen scheint. Wie alle anderen Mitglieder des Männerballetts ist auch Fischer als Frau verkleidet, genauer gesagt, als Schülerin. Das Motto des Wagens in diesem Jahr: Das fliegende Klassenzimmer. Auffällig außerdem: Der Wagen der Kerwagemeinschaft Weiher. Weil er den gesamten Spitalplatz in bunten Rauch hüllte.

Der prominenteste Narr

Zumindest in Breitenlesau war er es schon, jetzt kennt ihn auch in Hollfeld jedes Kind: Weil er das zehnte Jahr in Folge den Motivwagen der Breitenlesauer Jugend fährt, fordert Moderator Bernd Rasser Tobias Stenglein auf, am Spitalplatz auszusteigen. Als einer der "mutmaßlich bekanntesten Breitenlesauer aller Zeiten" bekommt er vor 3500 Zuschauern das goldene Faschingsverdienstkreuz am Bande von den Breitenlesauer Narren überreicht.

Der erotischste Moment

Den bieten die "Heißen Feger" aus Engelmannsreuth. Die Laufgruppe tritt als "Arschgeigen" auf, stellen also jede Menge überdimensionale Geigen dar und fiedeln sich mit dem Geigenbogen am Allerwertesten herum. Pikant: Bei dem ein oder anderen blitzt ein aufgesetzter, aber nackter Plastikhintern unter dem Frack hervor.

Der politischste Wagen

Politische Wagen gibt es beim Hollfelder Fasching für gewöhnlich viele. Die Damen der HFG fahren mit einer Postkutsche durch die Stadt und kritisieren, dass Pakete in Hollfeld erst abends zugestellt werden, seit eine Verteilerstelle aufgelöst wurde. Stadtrat Thomas Appel führt die Geister durch die Straßen und will, dass die Stadt aus den Fehlern ihrer 1000-jährigen Geschichte lernt. Der Vorsitzende des ASV Hollfeld, Hans-Peter Härtel zieht als Außerirdischer im Jahr 3017 seine Kreise und sucht die untergegangene Stadt Hollfeld. "Was viele fleißige Bürger haben in 1000 Jahren errichtet, wurde in den letzten zehn Jahren locker vernichtet", ist zu lesen. Die Kerwaburschen aus Stechendorf kritisieren, dass im Gewerbegebiet Nord große Unternehmen angesiedelt werden sollen, während das 80 Jahre alte Sägewerk Buckreus mit hohen Erschließungskosten in den Ruin getrieben wird.  Die Sportler des BSV Schönfeld bedanken sich, dass sie nach 1000 Jahren endlich an die Kanalisation der Stadt angeschlossen wurden und eine Gruppe aus Höfen kritisiert, dass jetzt zur Kasse gebeten wird, wer während der Hol- und Bringzeiten vor der Gesamtschule mit dem Auto vorfährt. Seit einiger Zeit gilt dort aus Sicherheitsgründen ein Fahrverbot und die Höfener sind sich sicher: Ein Schild hätte es auch getan.

Die lauteste Gruppe

Überall in der Innenstadt haben sich Gruppen versammelt, die aus weiten Teilen der Fränkischen Schweiz kommen. Aus Freienfels, Kainach, Tiefenlesau, Breitenlesau, Zochenreuth, Sachsendorf, Krögelstein und Hubenberg. Moderator Bernd Rasser fordert immer wieder zum Wettkampf um den lautesten Schreihals auf und als Sieger geht eigentlich immer eine Gruppe aus Nankendorf hervor. Die hat sich einen Stehtisch direkt vor der Bühne ergattert und den mit allerlei leeren Bier- und Schnapsflaschen verziert. Lobenswert: Im Laufe des Nachmittags organisieren sich die Nankendorfer sogar einen eigenen Mülleimer.

Der rührendste Moment

Ist der, in dem die Hollfelder Schützen mit ihrem Wagen vorbei ziehen. Zwei Jahre in Folge haben die Schützen nicht mehr am Faschingsumzug teilgenommen. Als Retourkutsche stellte auch die Faschingsgesellschaft keine Gruppe mehr beim Umzug zum Hollfelder Schützenfest. Jetzt soll das Kriegsbeil begraben werden. Auf dem Wagen der Schützen ist zu lesen: "Wir sind wieder dabei, Schluss mit der Umzugsboykottiererei."

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