Ein verhinderter Co-Trainer beim EHC

Telefonat I (Dienstag, etwa 14 Uhr)

Tigers-Nachwuchstrainer Volker Hartmann wandte sich in Absprache mit dem Vorsitzenden Matthias Wendel an den Kurier: „Ich habe das sehr reizvolle Angebot als Cheftrainer der Haßfurt Hawks abgelehnt und bleibe dem EHC erhalten. Ich werde in der kommenden Saison Co-Trainer des Bayreuther DEL2-Teams und übernehme die neu gegründete U 23.“ Nach seiner Aussage existiert ein handschriftlicher, von ihm und Wendel unterschriebener Vorvertrag. Hartmann konkretisierte seine Aufgaben: Er stehe bei den Trainingseinheiten des DEL2-Teams mit auf dem Eis, sei bei Heimspielen eng bei der Mannschaft und werde Waßmiller „wo immer er mich benötigt“ unterstützen.

Telefonat II (Mittwoch, 11.15 Uhr)

„Wenn das so ist, dann werde ich wohl nicht mehr gebraucht. Es kann doch nicht sein, dass mit mir als Sportlichem Leiter und auch mit Trainer Sergej Waßmiller über eine so wichtige Position nicht gesprochen wird. Es sagt ja schon alles, dass ich von der Presse erfahre, dass ein Co-Trainer eingestellt wurde“, war die Antwort von Dietmar Habnitt auf die Kurier-Frage, warum sich der EHC erstmals dazu entschieden hat, einen Co-Trainer zu installieren.  Habnitt hatte sich völlig überrascht von der Frage gezeigt, da die Sportliche Leitung zwar vor einiger Zeit mit dem Vorstand über die Einstellung eines Trainerassistenten gesprochen hatte. Jedoch wurde dies zuletzt immer als finanziell nicht möglich eingestuft. „Und jetzt werden einfach ohne Rücksprache Tatsachen geschaffen“, schimpfte Habnitt.

Ein massiver Zoff zwischen der nicht informierten Sportlichen Leitung und dem Vorsitzenden, der im Alleingang eine die erste Mannschaft betreffende Personalie festgelegt hatte, war offensichtlich.

Telefonat III (Mittwoch, etwa 13 Uhr)

Daraufhin folgte ein weiteres Gespräch zwischen Kurier und Hartmann, er hatte mittlerweile vom Unmut Habnitts erfahren. Hartmann sagte: „Ich habe gedacht, es ist alles mit allen abgeklärt, als ich meine Übereinkunft mit Matthias Wendel getroffen habe. Ich will mich nirgends reindrängen und mit Sicherheit nicht für böses Blut sorgen.“ Das Angebot habe er angenommen, weil es genau seinen persönlichen Zukunftsvorstellungen entspreche. Er wolle als Trainer in den Profi-Seniorenbereich hineinschnuppern. Da ihm auch der EHC-Nachwuchs am Herzen liege, hier ist er seit Vereinsgründung aktiv, sei die Verknüpfung als Co-Trainer in der DEL2 und Hauptverantwortlicher für die U 23 ideal.

Mittlerweile war es früher Mittwochnachmittag. Matthias Wendel hatte sich trotz mehrmaliger Versuche seit Dienstagmittag mit Rückrufbitte nicht beim Kurier gemeldet.

Telefonat IV (Mittwoch, etwa 14 Uhr)

Hartmann meldete sich dagegen nochmals beim Kurier: „Wollen Sie jetzt wirklich einen Artikel bringen?“ Da sich die Fakten bei diesem Gespräch nicht mehr verändert hatten, erschien auf der Kurier-Homepage um 17 Uhr ein Artikel, der die bisherigen Aussagen von Habnitt und Hartmann zum neuen Co-Trainer zusammenfasste.

Telefonat V (Mittwoch, 20 Uhr)

Das Telefon in der Kurier-Redaktion klingelte: Matthias Wendel meldete sich aus seinem Urlaub. Der Vorsitzende bestritt, dass er Volker Hartmann als Co-Trainer angestellt habe. Als U 23-Coach ja, aber nicht im Trainerteam der ersten Mannschaft. „Ich habe ihm in Aussicht gestellt, dass er bei der ersten Mannschaft unterstützend mitarbeiten kann“, sagt Wendel. Er habe unter anderem daran gedacht, dass Hartmann die Statistik während des Spiels führen könnte. „Allerdings muss das erst mit Waßmiller und Habnitt geklärt werden.“ Der Vorsitzende betonte, dass er nie eine den sportlichen Bereich betreffende Personalie bestimmen würde, ohne mit der Sportlichen Leitung darüber geredet zu haben. Wendel zeigte sich überrascht, dass er zur Einstellung eines Co-Trainer befragt wurde. Er sagte, er habe den Artikel auf der Kurier-Homepage noch nicht gelesen. Kurz zuvor hatte seine Frau allerdings bereits ihn ihrem Namen und dem ihres Mannes eine Richtigstellung auf Facebook veröffentlicht.

Telefonat VI (Mittwoch, 20.15 Uhr)

Erneuter Anruf bei Volker Hartmann. Der 39-Jährige war über den Anruf nicht überrascht, Matthias Wendel habe ihn darauf schon vorbereitet. Mit der Stellungnahme Wendels konfrontiert, bestritt Hartmann seine Aussagen von Dienstag und Mittwochvormittag. Das habe er so nicht gesagt. Das Wort „Co-Trainer“ habe er nie benutzt. Er habe immer nur von Trainer der U 23-Mannschaft gesprochen und der Unterstützung von Sergej Waßmiller. Wie diese Aufgaben aussehen, müsse erst noch geklärt werden. Das hörte sich beim Telefonat am Dienstagvormittag noch wesentlich konkreter an. Es entwickelte sich ein hitziges Gespräch, das begann, sich im Kreis zu drehen. Hartmann verwendete nun immer wieder die Formulierung, die Wendel bereits im Gespräch um 20 Uhr gegenüber dem Kurier erklärt hatte: „Ich habe die ganze Zeit gesagt, dass ich Waßmiller unterstützen werde, und man schauen muss, wie diese Zusammenarbeit aussehen wird." Hartmann schloss das Gespräch mit den Worten: „Die ganze Unruhe gab es nur, weil die Beteiligten nicht alles untereinander geklärt hatten.“

 

U23 statt 1b

Mit der Einstellung Volker Hartmanns hat sich der EHC Bayreuth auch gegen ein 1b-Team und für eine U23 entschieden. Hartmann hält das für richtig, auch wenn Spieler ab Jahrgang 1993, die es nicht in den DEL2-Kader schaffen, nun keine Perspektive mehr bei den Tigers haben: „Die U23-Bayernliga hat sicherlich ein höheres Niveau als die Herren-Bezirksliga. Hier werden die Jungs voll gefordert und können sich weiterentwickeln.“

Ziel sei es auf längere Sicht, Spieler hervorzubringen, die eine Perspektive in der ersten Mannschaft haben. „Der Sprung in die DEL2 ist enorm groß, aber bei drei bis fünf Jungs sehe ich schon Potenzial“, sagt Hartmann. Dabei können sich die Talente längere Zeit in der U23 entwickeln, da acht Jahrgänge – in der kommenden Saison 1993 bis 2000 – spielberechtigt sind.

Spielgemeinschaft mit Weiden

Das ist auch wichtig für den EHC, denn reine U23-Spieler hat er nur sechs, den Rest des 20-köpfigen Kaders bilden Jugend- und Juniorenspieler. Da das U23-Team als Spielgemeinschaft mit dem EV Weiden an den Start geht, stehen bei Bedarf auch noch fünf Oberpfälzer, die hauptsächlich in der Jugend-Bayernliga des EV zum Einsatz kommen, zur Verfügung.

Probleme könnte es allerdings für die jungen Spieler geben, die sowohl zum Kader der U23 als auch des DEL2-Teams gehören. Stehen sie dreimal auf dem Spielberichtsbogen in der Zweiten Liga, sind sie nicht mehr in der Nachwuchsmannschaft spielberechtigt. „Das ist etwas ungerecht“, sagt Hartmann. „Da diese Regelung nicht für Konkurrenten wie Miesbach gilt, deren Erste in der Bayernliga, also unter dem Dach des BEV spielt. Da können die Spieler beliebig oft hin und her wechseln.“

Diese Verbandsvorgabe bestätigt Toni Weitl. Der Geschäftsführer des Bayerischen Eissportverbandes (BEV) erklärt diese Maßnahme: „Damit wollen wir verhindern, dass Profis in der U23 eingesetzt werden. Schließlich soll in dieser Liga der Nachwuchs gefördert werden.“ Dass diese Regel geändert wird, hält er für unwahrscheinlich, denn die U23-Liga habe sich in ihrem Premierenjahr in der abgelaufenen Saison bewährt. „Bis auf wenige Ausnahmen haben wir von den Teilnehmern viele positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Weitl. Die neuen Durchführungsbestimmungen werden erst Anfang Juli vorliegen.

Bekommt die U23 ausreichend Eiszeit?

„Herzlichen Glückwunsch, deutsches Eishockey, zu dieser Regelung“, sagt Dietmar Habnitt ironisch. „Das macht eigentlich überhaupt keinen Sinn.“ Der Sportliche Leiter der ersten Mannschaft sieht aber auch ein weiteres Problem auf die neue U23 des EHC zukommen, er fragt: „Wann soll denn dieses Team auf das Eis?“ Durch den wahrscheinlichen Aufstieg der Herrenmannschaft in die DEL2 benötige das Zweitliga-Team noch mehr Eiszeiten, da unter Vollprofi-Bedingungen trainiert wird, und der EHC sei in der Vergangenheit "nicht gerade gesegnet“ mit Eiszeiten gewesen.

„Wir nehmen es so, wie es kommt“, sagt Hartmann. Hauptziel werde es sein, sich in der Liga zu etablieren. Der Trainer strebt mit seiner jungen Mannschaft einen Platz im Mittelfeld an.

3.8 (4 Stimmen)

Anzeige

Montag, 13. November 2017 - 11:06