Ein tiefgründiger Vampirfilm

Nur ein Vampirfilm zum Gruseln? „Montrak ist überraschend anders, tiefgründig, auf zwei Zeitebenen spielend. Der Zuschauer wird zwei Stunden lang hart gefordert; er verliert rasch den roten Faden, wenn er nicht konzentriert mitdenkt. Die Story zieht sich vom angeblich finsteren Mittelalter bis in die Gegenwart mit viel oberfränkischem Lokalkolorit. Viele Szenen wurden in Bayreuth gedreht, eine dramatische Schießerei im alten Reichshof-Kino, und eine Kurier-Schlagzeile spielt auch eine Rolle.

Der Bayreuther Regisseur Stefan Schwenk und die frühere Bayreuther Online-Redakteurin Heike Fauser haben Montrak mit Herzblut gemacht. Wenn gute, glutvolle Leidenschaft bitter enttäuscht wird, kann der Mensch zum grausamen Vampir werden, jeder hat dieses Hasspotenzial, wenn er vollkommen verbittert und sich daraus nicht zu befreien vermag.

Ein Pakt mit dem Teufel

Graf Montrak (Sönke Möhring) steht dafür. Seine innigst geliebte Frau Sofia (Cosma Shiva Hagen) stirbt, Montrak wirft den christlichen Glauben von sich, schließt einen Pakt mit dem Teufel, wird zum Vampir, trägt einen magischen Ring, mit dem der Hass weitergetragen wird. Die Menschen erkennen die Blutsauger, Montrak muss sich daher töten lassen, um die Spur seiner Art zu verwischen. Die existiert allerdings im Geheimen weiter, bis heute. Stets wird ein neuer Vampir-Meister erschaffen; der Ur-Vampir starb keineswegs damals in finsterer Zeit.

Das Finale überrascht. Ein glücklicher, guter Schluss? Ja und nein. Das Böse endet nie. „Ich sehe viele zivilisierte und intelligente Vampire, die unter uns leben“, hört der Zuschauer und erschaudert. Montrak hält alles andere als billig-lockere Kurzweil parat, er überfällt den Zuschauer mit einer selten erlebten Wucht. Dramatisch und laut die Musik. Eingestreut wird die Botschaft: „Ihr seid imstande, das Böse zu erschaffen.“ Doch es folgt die Ermutigung: „Aber ihr seid auch imstande, Gutes zu tun.“

Montrak beeindruckt Hollywood

Das Böse herrscht zu allen Zeiten. Wer will, darf gewiss interpretieren, dass die Wellen des Hasses keineswegs nur über das dunkle Mittelalter hinweg schwappten. Menschen erweisen sich bis heute als anfällig dafür. „Wir werden sie jagen“, wem dröhnt das nicht gerade noch in den Ohren.

Montrak- Regisseur Schwenk hat seit 2001 über seine Geschichte sinniert, wie er sagt. Anklänge an Märchen wollte er drin haben. Ab 2011 entstand der jetzige, 122-minütige Film, mit einem Gesamtbudget, das gerade mal den Etat von fünf Minuten „Tatort“ ausmacht, wie der Regisseur lächelnd sagt. Schauspielerinnen und Schauspieler mit bekanntem Namen wie Dustin Semmelrogge („Ritas Welt), Udo Schenk (Stauffenberg) oder Michaela Schaffrath („Tatort“) ließen sich dafür einspannen, bei schmaler Gage, aus Idealismus. Montrak beeindruckt sogar Hollywood. Auf den Los Angeles Independent Film Festival Awards gewann er im September den Preis als „Bester ausländischer Film“ sowie für „Beste Regie“. Jetzt suchen die Macher einen großen Verleiher.

 

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Montag, 13. November 2017 - 11:06