Ein Teil des Landratsamtes aufs Land?

Die Idee kam dem Goldkronacher Bürgermeister Bär bei den Vorberatungen für den Kreishaushalt des laufenden Jahres. Bis zu 3,5 Millionen Euro für eine Erweiterung des Landratsamtes in der Bayreuther Markgrafenallee sind in den kommenden Jahren geplant. Geld, das nach Ansicht Bärs eine viel größere Wirkung entfalten könnte, wenn man es nicht in Bayreuth investiert, sondern draußen auf dem Land - in einer strukturschwachen Gemeinde im Landkreis. „Wir könnten da einen unheimlich großen Mehrwert für die Region erzielen“, sagt der Goldkronacher Bürgermeister. „Die Landesregierung macht es uns doch vor.“

Hübner: Mehr Platz für mehr Beschäftigte

"Der Raum im Landratsamt ist knapp", erläutert Landrat Hermann Hübner auf Kurier-Anfrage die Erweiterungspläne für seine Behörde. In den vergangenen sechs Jahren sei die Zahl der Beschäftigten von 237 auf 272 gestiegen. "Weil wir seitdem auch eine ganze Menge mehr Aufgaben haben", begründet Hübner - etwa in der Jugendhilfe und in der Sozialarbeit. Vor Jahren habe man eine Fläche in der Nachbarschaft gekauft des Landratsamtes, die derzeit als provisorischer Parkplatz dient. Ein Erweiterungsbau könnte dort errichtet werden.

Die Junge Liste wirbt aber für ihre Alternative. „Ich bin optimistisch, weil es einfach eine sinnvolle Sache ist“, ist Bär von dem Vorschlag überzeugt, einen Teil des Landratsamtes in den Landkreis zu verlagern. „Wenn da alle fraktionsübergreifend an einem Strang ziehen, dann können wir etwas für die Region erreichen.“ Es gebe etliche Arbeitsgruppen auf Kreisebene, die sich damit befassen, wie man dem Leerstand in ländlichen Gemeinden Herr werden könne. Und mit der Verlagerung von Behördenstellen aufs Land „sehen wir die einmalige Chance“, heißt es im JL-Antrag, der dem Kurier vorliegt.

In Bad Berneck kommt der Vorschlag gut an

Namentlich genannt wird in dem Antrag Bad Berneck, wo es einen Leerstand gebe, der "mit derzeitigen Mitteln kaum oder schlichtweg nicht zu lösen ist“. Die Stadt sei nur ein Beispiel, sagt Bär auf Kurier-Nachfrage. Mit solch einem Projekt könne man genauso gut jeder anderen Gemeinde mit Strukturproblemen im Kreis auf die Beine helfen. Die Junge Liste habe in ihrem Antrag Bad Berneck herausgegriffen, „weil da die Leerstände und die Probleme sehr offensichtlich sind“.

Der Bad Bernecker Bürgermeister Jürgen Zinnert (SPD) bestätigt das und findet den Antrag gut. „Wir würden uns freuen, wenn das so funktionieren würde“, sagt er. „Wir haben genug leerstehende Gebäude, die man als Außenstelle des Landratsamtes nutzen könnte.“ Auf Anhieb fallen ihm zwei Immobilien ein, die groß genug seien und bereits der Stadt gehören. Das alte Krankenhaus in der Maintalstraße und das Stadtmuseum am Marktplatz. „Das wäre auf jeden Fall eine Aufwertung für die Stadt“, sagt Zinnert und fügt mit Blick auf den Vorstoß der Jungen Liste an: „Das ist ein mutiger Antrag.“

Fördertöpfe für klamme Gemeinden anzapfen

Holger Bär sieht in dem Vorschlag eine weitere Chance. Wenn in absehbarer Zeit das Landratsamt in Bayreuth für 3,5 Millionen Euro erweitert werden würde, müsste das der Kreis womöglich komplett aus eigener Tasche zahlen. Würde der Kreistag beschließen, mit der Behörde in Teilen aufs Land zu gehen, könne man vielleicht Fördertöpfe anzapfen, die nur strukturschwachen beziehungsweise ländlichen Gemeinden zur Verfügung stehen.

So könne man die Investition von 3,5 Millionen Euro entweder noch um einen gewissen Betrag aufstocken, um einen Leerstand zu beseitigen - oder den Betrag reduzieren, den der Kreis aus eigener Tasche zahlen muss. „So werden Millionen, die ohnehin ausgegeben werden, sinnvoll im Landkreis investiert“, sagt der Goldkronacher Bürgermeister.

"Nichts ist ausgeschlossen."

Für das Landratsamt hat jetzt erst einmal der Haushalt für das laufende Jahr Priorität. Danach - ab März oder April - wolle man sich mit der Erweiterung der Behörde befassen. "Damit wollen wir dann in die Gremien gehen", sagt Hübner und will deshalb den JL-Antrag für eine Stellenverlagerung vorab noch nicht inhaltlich bewerten.

Dass das Landratsamt mehr Platz braucht, steht für ihn außer Frage. Ob es am Ende ein Anbau, ein Neubau in direkter Nachbarschaft oder eine Auslagerung wird, "das wird selbstverständlich besprochen", sagt der Landrat. Die Behördenverlagerung aus dem Münchner Raum in strukturschwache Regionen habe ihre Berechtigung, findet auch er. Es sei aber fraglich, wie weit man damit runtergehen wolle. Aber Hübner sagt auch: "Nichts ist ausgeschlossen."

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Kommentare

Sehr gute Idee, hier böte sich auch endlich mal Fichtelberg an. Neben Arbeitsplätzen vor Ort kann man auch weitere Arbeitsplätze schaffen, wenn möglichst viele Behördengänge vor Ort erledigt werden müssten. Also nicht nur interne Bereiche sondern auch Bereiche mit intensivem Bürgenkontakt nach Fichtelberg . Würde darüber hinaus auch dem öffentlichen Personennahverkehr zu Gute kommen.
Das nenne ich mal einen klasse Vorstoß der Jungen Liste! Toller Antrag. Da muss man erstmal darauf kommen. Da rauchen jetzt die Köpfe im Landratsamt :-)
Bitte nicht die Ladestationen für E-Bikes vergessen.
Mit dem amtierenden Landrat wird das nicht zu machen sein. Wetten?
Das entscheidet aber nicht der Landrat, sondern der Kreistag mit seinen Mitgliedern ;-)
super, dann kann man wegen zweier Angelegenheiten auch noch an zwei verschiedene Stellen fahren anstatt es zeitsparend zusammen zu erledigen. Und anstatt zentral nach Bayreuth zu fahren, wo man oft auch noch eine andere Erledigung zu tun hat, und wo alle Busse hinfahren, geht es in die Pampa. Extrem bürgerunfreundlich, sowas kann auch nur der JL einfallen.
Es gibt genügend Abteilungen des Landratsamtes, mit denen der Bürger keine Berührung hat und die sehr wohl ausgelagert werden könnten ;-)
Wenn ich diesen Bericht lese, stelle ich mir eher die Frage, will man hier auf Kosten der Steuerzahler, den bereits aufgeblähten Behörden- und Beamtenapparat noch weiter ausbauen? Anstatt wie im jeden wirtschaftlich arbeitenden Unternehmen, mal darüber nachzudenken, ob man nicht die ein oder andere Stelle einsparen kann! Sorry, ich als Steuerzahler habe für eine Erweiterung des Landratsamtes im Moment überhaupt kein Verständnis! Sollte dies tatsächlich nachweisbar notwendig sein, dann bin für eine gerechte Verteilung innerhalb des Landkreises, bei Behördenverlagerungen und denke hier im speziellen an eine Stadt, im südlichen Landkreis, deren ehemaliger Landkreis aufgelöst wurde! Zudem befinden sich dort wesentlich bessere Anbindungen an das öffentliche Nahverkehrsnetz!
Die Stadt Bayreuth ist eine kreisfreie Stadt. Für meinen Bürger ist hier das Landratsamt zuständig und es gibt wohl auch Sachgebiete ohne viel Publikumsverkehr, z.B. Abfallentsorgung oder Liegenschaften, die könnten bestimmt ausgelagert werden.
Es stellt sich die Frage warum man überhaupt einen so aufgeblähten Verwaltungsapparat
benötigt. Ziel muss doch sein die Verwaltung abzubauen und die Strukturen so zu verändern
dass eine schlanke Verwaltung auch hocheffizient arbeiten kann. Komischerweise gibt es immer
mehr Beschäftigte und immer weniger Personal ist vorort wenn man was braucht.
Und zum Ausruhen braucht man halt auch seine Vertretungen.......