Ein Stück Stadthalle im Geschirrschrank

Wer will ein Stück Bayreuther Geschichte mit nach Hause nehmen? Am Sonntag nach dem Bürgerfest besteht Gelegenheit dazu. Und es handelt sich dabei nicht einfach um Andenken - was der Förderverein da gerettet hat, sind schöne Stücke von hervorragender Qualität, gestaltet von einem amerikanischen Industrie-Designer. Und der vermied Schnörkel. Klare, elegant geschwungene Linien, einfaches Dekor in Form eines blauen Randes, dazu ein kunstvoll gezwirbeltes "S", das in den Schriftzug "Stadthalle Bayreuth" mündet, ähnlich, wie an der Außenwand der Stadthalle - das macht das Stadthallengeschirr aus.

Eine Sonderanfertigung

Es handelt sich bei diesem Porzellan um eine einmalige Sonderanfertigung der Firma Rosenthal, extra für die Stadt Bayreuth. In Auftrag gegeben wurde es vermutlich 1965, zur Eröffnung des Hauses, das Hans C. Reissinger geplant hatte. Der Architekt richtete die Stadthalle in den Mauern der alten Markgraflichen Reithalle ein, auf dem Schutt der niedergebombtem Nazi-Weihehalle. Und von ihm stammt vermutlich auch der schöne Schriftzug auf dem Geschirr. Die Tassen, Untersetzer, Kannen, Kuchenplatten sind letzte Zeugen: Mit der Sanierung der Stadthalle wird dieses Dekor mit dem blauen Stadthallenlogo endgültig der Vergangenheit angehören. "Was weg ist, ist weg", sagt Bayer.

Robuste Eleganz

Das Geschirr ist formschön, aber gleichzeitig auch stoßfest und spülmaschinengeeignet. Durch dickere Wandung und eine spezielle Form der Ausgießer wurde es den härteren Anforderungen in der Gastronomie angepasst. Was erklärt, dass ganz schön viel Geschirr den jahrelangen harten Einsatz bei allen möglichen Festivitäten überstand. 50 schwere Umzugskartons konnten die Helfer vom Förderverein für die Stadthalle rechtzeitig vor Beginn der Bauarbeiten abtransportieren. Zwischengelagert wurde das Porzellan in einer Lagerhalle der Spedition Wedlich.

Vergangene Tischkultur

Grundlage für die Gestaltung des Geschirrs ist Rosenthals Form „E“ aus dem Jahr 1951. Designer war der Amerikaner Richard Latham, der zusammen mit Raymond Loewy in den Jahren 1951 bis 1955 als freier Mitarbeiter in New York für Rosenthal tätig war. Ziel war die Eroberung des amerikanischen Markts. Nachdem die Form „E“ dort sehr erfolgreich geworden war, wurde sie anschließend auch für den deutschen Markt produziert. Von diesen beiden Designern stammt ebenso die berühmte Form „2000“ von 1954. Von der Terrinne bis zum Saucenkännchen: In ihrer Vielfalt sind die umfangreichen Services auch Zeugen für eine vergangene Tischkultur, die für jeden Zweck ein eigenes Gefäß vorsah.

Geld für den Förderverein

Der Erlös kommt der Arbeit des Stadthallenfördervereins zugute. Der Verein wurde ursprünglich gegen das Bürgerbegehren gegen die sogenannte "große Lösung" für die Stadthalle gegründet. Mit dem Scheitern des Begehrens am Quorum suchte sich der Verein neue Ziele. "Wir vermitteln jetzt schon Stuhlpatenschaften", sagt Bayer. "Und wir sind dabei, im Herbst eine Vortragsreihe aufzulegen, in der Planer sowie Bau- und Konzeptverantwortliche des Stadthallenprojekts informieren."

INFO: Beim Bürgerfest nächstes Wochenende wird der Verein mit einem eigenen Stand dabei sein, und zwar in der Hofeinfahrt des 2. Pfarrhauses, Kanzleistraße 9. Dort wird der Verein am 9. Juli ab 11 Uhr das historische Stadthallengeschirr zum Verkauf anbieten. Einzelkunden wie auch Vereine sind eingeladen, sich einzudecken.

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Kommentare

Warum gab es das nicht bereits bei Ausverkauf und Versteigerung der Klappstühle, Lampen usw. im letzten Herbst in der Stadthalle?