Ein Rotwein wie Stierblut

2010 hat der begeisterte Gärtner das erste Mal Wein hergestellt. Schon damals staunte er über die riesige Ausbeute: 17 Kilogramm. Als es dann vor wenigen Jahren 42 Kilo waren, dachte Dieter Eichner, dass dieses Ergebnis wohl einmalig sein müsste. Doch weit gefehlt. Heuer konnten 52 Kilogramm geerntet werden. So viel, dass der Wein fürs ganze Jahr reicht, auch wenn es Einladungen gibt und Geburtstage gefeiert werden.

Gazesäckchen zum Schutz

Damit es so weit kommt, haben Heidrun und Dieter Eichner viel Vorarbeit leisten müssen. Eichner schneidet den Wein streng nach Vorgaben eines befreundeten Winzers aus Nordheim. Er hat ihm erklärt, worauf er achten muss. „Die Traube wächst nur aus dem einjährigen Trieb,“, erklärt er. Mit dem kräftigen Rückschnitt nach der Ernte, dem sogenannten Zapfenschnitt, ist die Arbeit aber noch lange nicht getan. Auch im Sommer will die Entwicklung gut beobachtet werden. Die Triebe, die Mitte April bis Anfang Mai weiterwachsen, werden bis auf zwei oder drei Blätter über der jungen Traube geschnitten, „damit die Kraft des Stockes in die Traube geht“, erklärt Eichner.

Wenn es dann heiß wird, müssen auch die Blätter immer wieder ausgeputzt werden, damit genug Sonnenlicht an die Trauben kommt. Und wenn sie sich dann so kräftig entwickelt haben, dass sie auch für die Vögel interessant werden könnten, hüllen sie Eichners in Gazesäckchen ein, damit weder Vögel noch Wespen sich an den Trauben vergreifen. 300 solche Beutel hatte Eichner bestellt, doch das reichte nicht aus. „Da mussten wir halt teilweise wieder auf unsere alte Methode zurückgreifen“, erklärt er: „Fliegengitterstücke ausschneiden und mit einer Wäscheklammer zusammenzwicken.“ Eine mühsame Methode zwar, aber genauso wirksam.

Ein guter Jahrgang

Dieselbe Sorgfalt lässt er bei der Weinbereitung selbst walten. Natürlich hat er sich die entsprechenden Gerätschaften gekauft. Mit einem Hand-Refraktometer wird der Oechsle-Grad gemessen (der Zuckergehalt im Saft). Alle Beeren werden einzeln ausgelesen. Weil keine faulen Beeren im Saft sind, muss Eichner nur wenig Schwefel zufügen, um später die Haltbarkeit zu gewährleisten. Auch die Maische selbst, die mit Reinzuchthefe versetzt wird, entsteht in Handarbeit. „Die Beeren werden durch Kartoffelsäckchen durchgedrückt.“ Eine anstrengende Arbeit. Doch sie sollte sich lohnen. Jetzt stehen die Gärbehälter im Keller. Heuer erstmals auch ein Rotling, erklärt Eichner. In einem Mischungsverhältnis von 60 zu 40, wobei der Anteil der Gutedel-Rebe, einer weißen Traube überwiegt.

Eichner ist sehr gespannt, wie sich dieser Wein entwickelt. Erst Anfang April nächsten Jahres wird er mehr wissen, denn dann ist in der Regel die Gärung abgeschlossen und der neue Wein kann abgefüllt werden. Vorher hat er die Reifung im Keller genauestens überwacht. „So vier- bis fünfmal muss man in der Zeit den Wein abziehen, also probieren, wie er sich entwickelt.“ Bange ist ihm heuer nicht. Das wird ein guter Jahrgang, ist er sich sicher. „Gemessen haben wir zwischen 80 und 95 Öchsle.“ Es gab auch schon Jahre, da gab es nur 60 Öchsle. Da musste Eichner dann kräftig mit Traubensaft nachhelfen, damit der Wein im Familienkreis akzeptiert wurde.

Info: Viele Gartenparadiese wollen wir in unserer Reihe „Gartengeschichten“ aufzeigen. Haben Sie Lust, uns für kurze Zeit in Ihren Garten einzuladen? Dann melden Sie sich unter Telefon 0921/294 165 oder per Mail an: gabi.schnetter@ nordbayerischer-kurier.de

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