Ein neuer Parkplatz für das Klinikum

Elf von 16 Mitgliedern des Bauausschusses und Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe finden diesen Plan gut. Weil das Klinikum dringend über 220 weitere Parkplätze brauche. Weil auf der neuen Parkfläche ein zusätzliches Parkdeck aufgesetzt werden und so nochmals 520 Parkplätze entstehen könnten, sollte sich die Bettenzahl des Klinikums weiter erhöhen. Und weil Bauverwaltung und Klinikum nicht mehr mit 430 neuen Stellplätzen planen, wie noch zu Beginn des Jahres. Aus Rücksicht auf die Natur. Zum Vergleich: Auf dem bereits vorhanden Parkplatz vor dem Klinikum finden rund 950 Fahrzeuge Platz. Die Zahl soll aber sinken, weil die Parkplätze im Zuge des Neubaus auf der anderen Straßenseite nämlich verbreitert werden sollen.

"Steinzeitpolitik"

Grüne, FDP und Junges Bayreuth sind gegen diesen Plan. Stefan Schlags (Grüne) spricht von der am „unnötigsten und am schlechtesten zu verwirklichenden Variante“ und von „Steinzeitpolitik“. Die Anbindungen des Klinikums an den Stadtbus und der Ausbau der Elektromobilität würden diesen „immensen Landschaftsverbrauch“ nicht rechtfertigen.

"Betonklotz statt Felder"

So ähnlich sieht das auch Stephan Huttner (FDP), wenn er von einem „Blick über die Felder“ schwärmt, der künftig durch einen „Blick auf einen Betonstahlklotz“ ersetzt werde, würde dort ein bis zu acht Meter hohes Parkdeck entstehen. Huttner fürchtet außerdem, dass Öl und andere Flüssigkeiten aus Autos in das benachbarte Wasserschutzgebiet sickern könnten. Christopher Süss (Junges Bayreuth) spricht von der „Versiegelung einer Fläche mit problematischem Gefälle“ und vom Verbauen des Naherholungsgebietes Indianerberg, das viele Familien im Winter zum Schlittenfahren nutzen würden. Kurzum: Die Gegner fordern den Bau eines Parkdecks auf dem bestehenden Klinikumsparkplatz.

Parkdeck vs. Flugverkehr

Warum das nicht möglich sei, erklärt Stadtbaureferentin Urte Kelm so: Weil dieses Parkdeck dann in der Einflugschneise des Rettungshubschraubers Christoph 20 stünde und der Landeplatz dann vielleicht nicht mehr genehmigt werden könnte. Außerdem, sagt Kelm, wolle das Klinikum, das schließlich der Bauherr der Parkplätze sei, zusätzliche Kosten vermeiden. Und die fielen in hohem Maße an, wenn wegen der Überbauung des vorhandenen Parkplatzes Ausweichparkflächen geschaffen werden müssten.

Stadtrat Huttner, nach eigenen Angaben selbst Hunderte Male als Notarzt im Christoph 20 mitgeflogen, mag das nicht glauben. Das Zeltdach des Klinikums und der Schlot der Heizanlage seien wesentlich höher als ein acht Meter hohes Parkdeck und stellten auch kein Problem dar. Stadtrat Schlags (Grüne) sagt: Wolle das Klinikum sparen, solle es das zu allererst an den Abfindungen für entlassene Chefärzte tun.

"Eine Möglichkeit, zu erweitern"

Christopher Süss (Junges Bayreuth), Stefan Schlags und Sabine Steininger (beide Grüne), Stephan Huttner und Helmut Zartner (beide FDP) stimmen daher gegen den Parkplatzbau auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Klinikumsallee. Die Fraktionen von Bayreuther Gemeinschaft, CSU und SPD sind dafür. Man müsse einem Unternehmen mit so vielen Arbeitsplätzen die Möglichkeit geben, zu erweitern, sagt Helmut Parzen. Stefan Specht (beide CSU) sagt, die Parkplatznot am Klinikum sei nicht neu. Durch die Reduzierung des Flächenverbrauchs habe man jetzt eine gute Lösung gefunden.

Am Mittwoch, 27. September, soll der Stadtrat Bayreuth die Pläne endgültig verabschieden.

Parkgebühren kommen

Wenn die neuen Flächen geschaffen sind, soll das Parken auf den neuen und alten Parkplätzen etwas kosten. Aber erst nach 30 Minuten, sagt der Sprecher des Klinikums, Frank Schmälzle, auf Nachfrage. Welche Preise danach gelten, sei noch unklar. Zur Entschärfung der Parkplatznot wolle das Klinikum für seine Mitarbeiter schon in diesem Winter 250 Parkplätze auf einer geschotterten Fläche nahe der Palliativstation schaffen.

Lesen Sie dazu einen Kommentar von unserer Redakteurin Ute Eschenbacher.

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Kommentare

Absolutes Unverständnis für diese Art der Willkür über das Wohl der Bürger hinweg, nur auf die Belange weniger zugeschnitten.
Als ob der Hubschrauberpilot zu blöd wäre ein Parkhaus zu überfliegen.
Mit solchen Argumenten wird das Volk für dumm verkauft, schämt Euch.
Schlittenberg wird Parkplatz, soviel zur kinderfreundlichen Stadt Frau OB!!
Das hat nichts mit zu blöd zum überfliegen zu tun. Es gibt bestimmte vorgeschriebene An- und Abflugprofile in denen sich keine Hindernisse befinden dürfen. Davon ist die Zulassung eines Landeplatzes abhängig. Dies gilt europaweit und ist die letzten Jahre verschärft worden. Hindernisfreiheit und Abstand müssen auch bei einem Triebwerksausfall, reduzierter Leistung (Hot and High Bedingungen), oder Start nahe am MTOW (Flachstart) gegeben sein. Fragen Sie mal Piloten was sich die letzten 20 Jahre am Regelwerk so geändert hat. Bitte erst informieren und dann losgrölen. Was nicht heißt, dass ein Parkdeck über dem bestehenden Parkplatz zum Entzug der Zulassung führt, aber es könnte so sein. Müsste eben vom LBA geprüft werden. Desweiteren soll das Parkhaus nicht am Schlittenberg, sondern daneben gebaut werden. Ist dem Artikel zweifelsfrei zu entnehmen.
Danke an BT1X für den fachlich fundierten Kommentar. Genau so sollte es sein. Aber es ist eben für Manchen scheinbar schicker, mit (nichtmal) Halbwissen zu glänzen und seinen Gedankendurchfall rauszuposaunen... Gell, WebTh?
Zitat aus dem Artikel:
Verbauen des Naherholungsgebietes Indianerberg.

Geistiger Dünschiss retour du Laberer.
und dann darf man auch noch für die endlosen Wartezeiten im Klinikum zahlen. Toll. Gäbe es einen vernünftigen ÖPNV, auch für die Umlandgemeinden, bräuchte man weder die Landschaft asphaltieren noch die Patienten und ihre Besucher abzocken.
"Wenn die neuen Flächen geschaffen sind, soll das Parken auf den neuen und alten Parkplätzen etwas kosten. Aber erst nach 30 Minuten, sagt der Sprecher des Klinikums, Frank Schmälzle, auf Nachfrage."

30 Minuten sind viel zu wenig! Schon alleine der An- und Abmarsch dauert jeweils 10 Minuten, für Selbst wenn man seinem Angehörigen im Krankenhaus nur was vorbei bringen möchten bleiben nicht mal 10 Minuten für ein kurzes Gespräch.
Hatte leider zu schnell gespeichert. Jetzt nochmal:

30 Minuten sind viel zu wenig! Schon alleine der An- und Abmarsch dauert jeweils 10 Minuten und für altere Besucher oftmals noch länger. Selbst wenn man seinem Angehörigen im Krankenhaus nur kurz was vorbei bringen möchten bleiben nicht mal 10 Minuten für ein Gespräch. Diese Überlegung ist weder Patienten- noch Angehörigenfreundlich.
Völlig verständlich. Aber: In Kulmbach kostet es sogar ab der ersten Minute
Erst mal die Regierung von Mittelfranken, Luftamt Nordbayern, fragen, ob ein Parkdeck ein unzulässiges Hindernis für den Hubschrauberlandeplatz wäre, bevor solche Argumente eingebracht werden. Da hat mal unsere Stadtbaureferentin offensichtlich im Vorfeld nicht ihre Hausaufgaben gemacht.
Es ist beschämend, dass die Mehrheit des Bauausschusses wieder eine zusätzliche Zerstörung von Grünflächen absegnet - täglich sollen in Oberfranken auf diese Weise 11.000 Quadratmeter verloren gehen. Wo soll das hinführen?

Hier wird meiner Meinung nach mal wieder übertrieben. In Deutschland sind ca. 10% der Flächen überbaut. Da ist alles mit drinn. Vom jeglichen Gebäuden über Straßen und sonst was. Also sind ca. 90% Wälder, Wiesen, Berge, Landwirtschaftlich genutzte Flächen usw.

Also noch genug (90%) da zum Überbauen!