Ein Lesetempel als Gemeinschaftsaufgabe

Rettet die Markgrafenbuchhandlung: Nachdem der Kurier am Montagnachmittag berichtet hatte, dass Rolf J. Geilenkirchen sein Geschäft zum 31. Mai schließen wird, äußerten viele Bayreuther ihre Bestürzung. Und einige wollen sich nicht damit abfinden, dass wieder ein Traditionsgeschäft schließt, das noch dazu für die Kultur in der Stadt eine so herausragende Rolle spielt. Der Grünen-Stadtrat Klaus Wührl-Struller hat  über Facebook eine Diskussion losgetreten. Mit einer konkreten Idee, die offenbar schnell Anhänger findet.

 „Och nee... Stadt ohne Bücher...“, hatte Klaus Wührl-Struller auf Facebook geschrieben. Und sich gesorgt: „Ich kann doch meinen Kram nicht im Ernst bei amazon bestellen... Machen wir eine Buchhandelsgenossenschaft auf! Wer wäre dabei?“

Ansage gegen Amazon

Damit hatte Wührl-Struller - quer über Parteigrenzen hinweg - einen Nerv getroffen. „... ich wär dabei ,-) mit herz und buchhandelswissen“, antwortete schnell eine Frau. Und Wührl gab zurück: „ziemlich blöde Antwort, weil das schon wieder ein Schritt weiter in einen ziemlich wahnsinnigen Plan ist.“

Verwegen vielleicht, aber nicht wahnsinnig, finden offenbar viele andere.  Zum Beispiel Uni-Präsident Stefan Leible. Eine Buchhandlung hält er für wichtig, für die Innenstadt ebenso wie für die Stadt insgesamt. Dabei hatte Inhaber Geilenkirchen die Uni sogar kritisiert – eben weil zu wenige Studenten bei ihm eingekauft hätten. „Ich kann die Kritik nachvollziehen, zum Teil zumindest“, sagte Leible dem Kurier, „allerdings muss man sich eben auch fragen, wie man auf den Markt reagiert. Auch als Genossenschaft müsste man sich fragen, wie man gegen die Amazons dieser Welt ankommt.“

Lieferservice inklusive

Da hat Wührl schon eine Idee. „Eine Genossenschaft. Lieferservice mit dem Lastenbike“ bringt er ins Gespräch. Tatsächlich hatten sich Bayreuther mit der Kritik zu Wort gemeldet, dass mitunter auch aktuelle  Bücher nicht zuverlässig vorrätig  gewesen seien – was allerdings auch auf erheblich größerer Verkaufsfläche kaum zu machen wäre.  

„Wir holen uns unsere Stadt zurück“, sagte Klaus Wührl-Struller, „das ist eigentlich die Idee dahinter.“ Es gehe auch ein Stück weit um die Idee, dass eine Buchhandlung ein Knotenpunkt des sozialen Lebens einer Stadt sein kann. Wie man dieses Vorhaben noch in Angriff nimmt, ob in Form eines Vereins oder tatsächlich einer Genossenschaft, darüber müsse man noch nachdenken, sagt Wührl-Struller.

Auf Mitstreiter wie Steffen Krafft darf er hoffen:  „Ich wird‘ echt wütender, als mir lieb ist, wenn ich merk‘, dass die Leute überhaupt kein Problem damit haben, bei anonymen Läden zu bestellen und sich von Maschinen beraten zu lassen“, schrieb der Musiker auf Facebook. „Die meisten von denen haben nicht mal ein Drittel der Leidenschaft und nicht ein Fünftel der Kompetenz. In 20 Jahren braucht dann keiner mehr in die Innenstadt gehen.“

 

 

 

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