Ein „Großer“ kommt: Medi gegen FC Bayern

Schließlich fehlt in der glänzenden Bilanz der Bayreuther mit bisher 21 Siegen immer noch ein Erfolg gegen eine der drei „großen“ Mannschaften an der Tabellenspitze. Gegen Tabellenführer Ulm und Titelverteidiger Bamberg waren sie schon ganz nahe dran und ließen die beiden einzigen Heimniederlagen mit 87:95 bzw. 88:92 jeweils erst nach Verlängerung zu. Aus diesem Blickwinkel erscheint ein Sieg gegen Bayern München zumindest nicht utopisch, auch wenn der Tabellendritte seine letzten 15 Spiele ausnahmslos gewonnen hat und damit von allen Titelfavoriten die beste Form vorweisen kann.

Neben dieser Statistik verblassen alle Gegenargumente, die im Laufe der Saison an der Titeltauglichkeit des Starensembles von Trainer Aleksandar Djordjevic zweifeln ließen. Die Höhe der 59:90-Niederlage in Bamberg, der Ausrutscher in Bonn (83:95) und die Heimniederlage gegen Ulm (79:87) – das alles datiert noch aus dem Jahr 2016. Seit dem Jahreswechsel gab es auf nationaler Ebene nur eine Niederlage, und zwar im Pokalfinale in Berlin mit 71:74 gegen Bamberg. Selbst die wenig später folgende Enttäuschung im Eurocup mit dem Scheitern im Viertelfinale hat sich inzwischen etwas relativiert, denn Bayern-Bezwinger Unicaja Malaga holte den Pokal.

"Rhythmus für die Playoffs aufnehmen"

Für Medi-Trainer Raoul Korner ist ein möglicher Favoritensturz bei allem Reiz aber „nicht das primäre Ziel“: „In erster Linie geht es darum, Rhythmus für die Playoffs aufzunehmen.“ Aber auch unter diesem Aspekt steht die erste Aufgabe des Doppelspieltags ganz klar im Vordergrund: „Die beiden Gegner kann man überhaupt nicht vergleichen. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, und zwar in jeder Hinsicht.“ Würzburg sei das Team, das in dieser Saison „vielleicht sogar am meisten enttäuscht hat“. Bei der Vorbereitung auf das Wochenende habe der Tabellenvierzehnte daher „noch gar keine Rolle gespielt“.

Den FC Bayern dagegen würde der Bayreuther Coach in einem „Powerranking“ für die aktuelle Form vor den Playoffs „weit vorne einordnen, wenn nicht sogar ganz vorne“. Entsprechend schwer fällt es ihm, eine einzelne taktische Maßnahme zu formulieren, die den Favoriten erschüttern könnte: „Vor allem werden wir unsererseits ein ziemlich perfektes Spiel machen müssen. Gegen die physisch sehr starke Verteidigung muss man in der Offensive diszipliniert bleiben.“ Und wenn er in der Defensive einen Wunsch frei hätte? „Vielleicht ist es das Wichtigste, den Bayern ihre Dominanz unter dem Korb zu nehmen“, sagt Korner. „Aber das ist eben nur ein Aspekt von vielen.“

Extrem ausgeglichene Korbschützenliste

Wie ausgeglichen die Münchner besetzt sind, lässt sich statistisch ziemlich eindrucksvoll belegen: Obwohl ihre Gesamtausbeute von 86,52 Punkten pro Spiel lediglich von Ulm (89,90) noch überboten wird, ist der erste Vertreter des FC Bayern in der Korbjägerliste erst auf Platz 60 zu finden. Devin Booker liegt mit einem Schnitt von 10,1 Zählern an der Spitze der internen Rangliste, aber der Abstand zu Maxi Kleber (9,2) auf Platz acht beträgt nicht einmal einen Punkt.

Dreikampf um Platz fünf

Es gibt noch einige offene Fragen am abschließenden Doppelspieltag der Bundesliga: Hält Ulm den ersten Platz, hält Bamberg den zweiten, kann Gießen noch den letzten Playoff-Platz erobern? Doch nichts davon verspricht so viel Spannung wie die Frage, wer als Tabellenfünfter in der ersten Playoff-Runde der Gegner von Medi Bayreuth sein wird. Der Dreikampf unter den Kandidaten auf den Plätzen fünf bis sieben wird nämlich unter allen Umständen erst am Montag entschieden.

Die beste Ausgangslage haben die Bonner: Zwei Siege sichern definitiv den fünften Platz. Ein Sieg am heutigen Freitag in Gießen reicht aber selbst mit Schützenhilfe noch nicht. Zum Saisonfinale kommen nämlich die Baskets Oldenburg nach Bonn, die in der ersten Hälfte des Doppelprogramms spielfrei sind. Nachdem die Niedersachsen das Hinspiel mit 91:77 gewonnen haben, würden sie mit einem erneuten Sieg auf jeden Fall am derzeitigen Tabellenfünften vorbei ziehen.

Im Dreiervergleich wäre Oldenburg vorn

Ob das dann für Oldenburg auch tatsächlich zum fünften Platz reicht, ist eine andere Frage und hängt von Alba Berlin ab. Falls die Hauptstädter nämlich ihre beiden Spiele in Frankfurt und gegen Ludwigsburg gewinnen, hätten sie zwei Punkte mehr als Oldenburg und wären für die Baskets uneinholbar. Aus eigener Kraft den fünften Platz zu erobern ist aber für Alba nicht möglich. Schließlich sind gleichzeitig auch zwei Siege für Bonn möglich und damit weiterhin Punktgleichzeit zwischen beiden Teams – und in diesem Fall würde der direkte Vergleich für die Rheinländer sprechen (89:96, 95:72).

Wenn die Berliner nur eines ihrer Spiele gewinnen, ist sogar Punktgleichheit aller drei Rivalen möglich. Das geht nur, wenn Oldenburg in Bonn gewinnt – und dann wäre der aktuelle Siebte mit drei Siegen im Dreiervergleich auch automatisch Fünfter und damit Playoff-Gegner von Bayreuth.

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