Ein Ferienjob im Paradies

Wann immer Charlotte Schenk von ihrem Ferienjob erzählt, leuchten ihre Augen. Während andere Studenten in ihrer vorlesungsfreien Zeit Kellnern oder in den Läden in der Bayreuther Innenstadt jobben, lebt und arbeitet sie auf den Gili-Inseln, einer kleinen indonesischen Inselgruppe zwischen Lambok und Bali. Die Gili-Inseln bestehen aus drei kleinen Inseln, die einen Umfang von etwa fünf Kilometern haben. „Auf den Inseln gibt es keinen motorisierten Verkehr, was ich natürlich super finde, und viele wie ich laufen zum Großteil auch barfuß herum“, sagt sie.

Bewohner leben in der Mitte

Die Inseln sind in zwei Bereiche unterteilt: Während am Strand die Touristen in kleinen Häusern wohnen und sich Restaurants und Tauchschulen aneinander reihen, leben die Bewohner der Insel – wie auch die Tauchlehrer – in der Mitte der Inseln. In den letzten Jahren wurden jedoch immer größere Teile der Inseln vom Tourismus vereinnahmt.

Eher zufällig ist sie nach einem missglückten Auswanderungsversuch auf den Gili-Inseln gelandet: „Ursprünglich wollte ich vor vier Jahren nach Neuseeland auswandern, da war aber wegen der Erdbeben noch sehr viel kaputt, weshalb ich dann wieder gegangen bin.“ Doch vor ihrer Rückkehr nach Deutschland wollte sie noch nach Asien reisen. „Der günstigste Flug ging nach Bali und also habe ich eben mein Hab und Gut zurück in den 30-Kilo-Rucksack gestopft, bin nach Bali geflogen und habe mich im Hostel einer Gruppe angeschlossen, die zu den Gili-Inseln fahren wollten“, erinnert sie sich. Aus den geplanten zwei Nächten auf der Insel wurden sechs Monate.

Auf und im Wasser groß geworden

Da die 27-jährige gebürtige Berlinerin quasi auf und im Wasser groß geworden ist, stand ihr Entschluss schnell fest, als Tauchlehrern zu arbeiten: „Ich war erst acht Jahre lang im Wasserrettungsdienst an der Havel, habe ein Jahr lang einen Tauchkurs in Deutschland gemacht und ab 2010 ehrenamtlich am Wochenende als Einsatztaucherin gearbeitet.“ Doch als sie 2013 nach Indonesien kam, musste sie dort einen Fortgeschrittenenkurs machen, da ihr in Deutschland erlerntes Wissen nur teilweise auf die dortigen Tauchverhältnisse übertragbar waren.

Bereits ab dem Moment, als sie die Inseln betreten hatte, fühlte sich die Ethnologiestudentin heimisch. „Schon bei den ersten Schritten auf der Insel war da so ein besonderes Gefühl“, erinnert sie sich. Und nach ihrem ersten Tauchgang wusste sie, dass sie länger bleiben möchte. „Als ich dann durch das Praktikum in der Tauchschule die Möglichkeit hatte, dort zu bleiben, war ich so euphorisch, dass ich im ersten Monat täglich nur drei Stunden Schlaf brauchte, obwohl ich so viel erlebt habe“, schildert sie.

Zunächst als Guide gearbeitet

Zunächst arbeitete sie als Guide und begleitete Taucher auf Touren in die Korallenriffe vor den Inseln. „Meine Aufgabe war es, sie sicher durch den Tauchgang zu führen und ihnen den Weg zu zeigen“, sagt die 27-Jährige. Nach ihrer Ausbildung zur Tauchlehrerin unterrichtet sie verschiedene Kurse: Sie zeigt praktische Übungen im Pool und Meer, erklärt Hintergrundwissen und fragt dieses mit schriftlichen Tests ab. Pro Kurs unterrichtet sie drei bis vier Schüler. Besonders häufig darunter sind Deutsche, weshalb sie als Tauchlehrerin sehr begehrt ist.

Wenn zwischen acht und neun Uhr die Schüler in die Tauchschule kommen, hat sie bereits alles für den bevorstehenden Tauchgang oder die Unterrichtsstunde vorbereitet.Neben den ängstlichen Tauchschülern, die oft viel Überwindung brauchen, um etwas zu lernen, bereiten auch dominante Männer der 27-Jährigen Probleme: „Vor manchen Männern muss man sich als kleine Frau auch beweisen – viele von ihnen sind zwei Köpfe größer als ich und fühlen sich scheinbar nicht ganz wohl dabei, dass ich ihnen einen Sport beibringe.“ Doch mit der Zeit hat sie gelernt, ihr „Revier zu markieren“, wie sie es nennt, indem sie von ihrer Zeit als Einsatztaucherin erzählt.

Begeisterung der anderen ist Antrieb

Neben dem Leben auf der Insel und der Möglichkeit, selbst tauchen zu können, genießt sie es sehr, Teil der Erfahrung ihrer Schüler zu sein. „Es ist immer schön zu sehen, wenn die Schüler nach ihrem ersten Tauchgang nach oben kommen und das Erlebte nicht in Worte ausdrücken können, weil sie so begeistert sind“.

Doch neben dem Inselleben darf auch der Unialltag nicht zu kurz kommen: Nach nur fünf Semestern konnte sie ihr Ethnologiestudium bereits abschließen und schreibt derzeit ihre Bachelorarbeit. Bereits ihre Mutter hatte Völkerkunde studiert, doch aufgrund negativer Erlebnisse während des Studiums war die Ethnologie kein großes Gesprächsthema in ihrem Elternhaus. „Ich habe erst in meinem 3. Semester so richtig realisiert, dass ich das gleiche studiere wie meine Mutter“, gesteht die 27-Jährige lachend. Zwar habe ihre Mutter sie nie ermutigt, ebenfalls Ethnologie zu studieren, doch durch ihre Erziehung zu einem Menschen gemacht, der sich für fremde Menschen und Kulturen interessiert.

Zufällig in Bayreuth gelandet

In Bayreuth ist die Studentin zufällig gelandet: Auch nach den ursprünglich geplanten zwei bis drei Monaten auf den Gili-Inseln blieb sie dort und entschied sich erst im September 2014 spontan für ein Studium. „Ich wollte unbedingt Ethnologie studieren und Bayreuth war die einzige Uni die mich zu dem Zeitpunkt noch aufgenommen hat“, sagt sie. Rückblickend ist sie mit ihrer Wahl für Bayreuth als Studienort sehr zufrieden.

Doch gerade an kalten und regennassen Tagen in Bayreuth wünscht sie sich zurück auf die Gili-Inseln: „Ich hoffe, vor meinem Master nochmals dort arbeiten zu können, aber ich werde wohl sehr eingespannt sein mit meiner Bachelorarbeit, der Wohnungssuche und dem Umzug“, erzählt sie. Doch nach ihrem Master in Deutschland plant sie, erneut auszuwandern. „Ich will schon seit 15 Jahren auswandern, doch inzwischen weiß ich, dass mir ein Land wohl nicht ausreichen wird“.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06