Ein Fecht-Weltmeister aus Bayreuth

In der Vergangenheit war Vehrs (Jahrgang 1944) zwei Mal als Ersatzmann für die Senioren-WM nominiert worden, hatte den Sprung unter die vier Starter, die jedes Land stellen darf, aber nicht geschafft. Auch in diesem Jahr schien er mit der Rolle des „Notnagels“ zufrieden sein zu müssen, denn nach Qualifikationsturnieren in Kassel, München, Bad Dürkheim und Hamburg war er wieder auf Platz fünf der deutschen Rangliste.

Unverhoffte Chance

Ende Mai bot sich dann jedoch noch eine unverhoffte Chance: Der Nürnberger Hanns Prechtl, Seniorenfechter des Jahres 2015, hatte sich gleich mit drei Waffen qualifiziert und verzichtete auf den Start im Degen. So konnte Vehrs nachrücken.

Das Problem: In den Sommerferien stand ihm keine Schulturnhalle zum Training zur Verfügung. Also sechs Wochen Trainingspause? Für Abhilfe sorgte der langjährige Übungsleiter der Bayreuther Fechtabteilung, Andreas Pimpl, der als Mitglied der Technischen Kommission beim Deutschen Fechterbund (DFeB) ebenfalls in Stralsund im WM-Einsatz sein würde.

Pimpl hatte sich in den Räumen seiner Schreinerei eine kleine Fechthalle eingerichtet, die er Vehrs zur Verfügung stellte. Gemeinsam mit dem Bayreuther Fechter Patrick Bauer wurden nun Trainingseinheiten organisiert.

48 Konkurrenten aus 20 Nationen

In Stralsund waren 646 Einzelstarter und 57 Mannschaften aus 49 Nationen am Start. Bei den Degenfechtern der Gruppe C, also in Vehrs’ Klasse, waren es 49 Fechter aus 20 Nationen. Der Nachrücker landete auf dem letzten Platz der Setzliste. Doch Vehrs gewann dann alle sechs Gefechte seiner Setzrunde und rückte damit auf Platz eins vor.

Mit einem Freilos gelangte er somit in die Runde der letzten 32. Nun schlug er den Japaner Okudera (4:4 plus Losvorteil), den Australier Hrovat (9:7) und den Engländer Davenport (3:2 in letzter Sekunde). Eine Medaille war ihm bereits sicher. Als er dann auch noch den Amerikaner Frank Hewitt mit 10:9 bezwang, stand er im Finale. In dem aber war Gegner Arnold Messing (USA) stärker - 4:10.

Fünf Mitstreiter im Team

Im Mannschaftswettkampf – aus jeder der drei Altersgruppen zwei Fechter pro Nation – wollten 17 Nationen Degen-Weltmeister werden; für Deutschland kamen vor allem Marco Longo, Volker Fischer (FC Tauberbischofsheim) und Winfried Suchanek (MTV Stuttgart) zum Einsatz. Neben Vehrs gehörten noch Guido Quanz (USC München) und Bruno Kachur (TSF Ditzingen) zum Team. Man schlug zunächst (mit Vehrs) Australien mit 30:16. Gegen Japan wurde verloren – 28:29. Im Achtelfinale war die Schweiz der Gegner. Dem 30:20-Sieg folgte ein 24:18 gegen die Briten und im Halbfinale gegen Russland ein 22:15.

Im Kampf um Gold ging es gegen Italien, das deutsche Team gewann 26:23! Und nun erklang auch für den Bayreuther die Nationalhymne, die er so gerne schon nach dem Einzelfinale gehört hätte.

Nicht bewertet

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