Ein Bund fürs Leben: Bavaria wird 100

Die Gänsehaut, sagt Diethart Langguth, "läuft mir rauf und runter. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich mal dass 100-Jährige mit meiner Verbindung feiern würde". Diethart Langguth (83) ist einer der Alten Herren, die schon kurz nach der Wiedergründung der Bavaria nach dem Zweiten Weltkrieg dazu kamen, die ein langes Stück des Weges mitgegangen sind. 1950 hat er reingschnuppert, seit 1951 ist er dabei. Allen Verbindungen hatte, sagt Langguth am Montag im Gespräch mit dem Kurier, das Nazi-Regime einen Riegel vorgeschoben. Im November 1936 war die Bavaria "vertagt" worden, wie es in der Chronik steht, die die Bavaren wie einen Schatz hüten. 1949 "war die Bavaria auf Initiative von Karl Goller wiedergegründet worden", sagt Julian Hofmann, der Vorsitzende der Verbindung.

Die umgekehrte Rentenversicherung

Hofmann sagt, er vergleiche die Verbindung "immer gern mit einer umgekehrten Rentenversicherung, einer Art Generationenvertrag. Sie ist so etwas wie ein Lebensbund für alle, die ihr beitreten". Wer aufgenommen werde, bleibe in der Verbindung bis zum Tod. Wer sich nach dem obligatorischen Jahr Probezeit entscheide, wer aufgenommen werde, profitiere als Junger "von der Unterstützung der Alten. Man bekommt einen Benefit durch Freundschaft. Aber auch durch Networking, wie es heute so schön Neudeutsch heißt", sagt Hofmann (29). Die Alten stehen den Jungen "mit Rat und Tat zur Seite", sagt Hofmann. Und sie sorgen dafür, dass mit dem Vereinsheim, der Konstante, das die Bavaria seit 2009 in der Badstraße hat, ein Rahmen zur Verfügung steht, "in dem die Jungen sich treffen können. Dort können sie ihre Hausaufgaben machen, sich treffen, können Karten spielen, Fußball schauen. Und auch Feste feiern".

Alles muss seine Art haben

Allerdings alles mit Maß und Ziel. "Dass es eine gewisse Art hat", sagt Hofmann. Bei den offiziellen Veranstaltungen gehört zur Couleur - dem Band, der Mütze - auch Hemd und Anzug. "Also nicht nur der Bier-Comment, sondern auch der allgemeine Comment", sagt der Vorsitzende. Die Verbindung ist der Ort, an "dem die Jungen sich ausprobieren können". Mit dem großen Vorteil der Schülerverbindung, sagt Langguth, dass "an unserem Tisch eine Vielzahl an Berufen sitzt". Wenn die Jungen nicht wissen, was sie werden sollen, können sie hier die Information bekommen, treffen auf Kaufleute, auf Handwerker, auf Bänker, auf Akademiker. Bernd Matusche (52) - Metallbauer und Seiteneinsteiger in der Verbindung - formuliert es so: "Bei uns sitzt der Kraftfahrzeug-Lehrling neben dem Bankdirektor. Wir spiegeln hier die ganze Gesellschaft wider." Konstant hält sich die Zahl der Mitglieder: "Immer rund 140, seit Jahrzehnten", sagt Hofmann.

Die Softskills, die oft fehlen

Julius Loydl (18), der Senior der Aktivitas - der Jugend -, nennt die Bavaria "eine Lehre fürs Leben". Als junger Mensch lerne man, "vor 20, 30 Leuten zu reden. Man lernt zu organisieren, lernt Abende zu leiten". Die Schülerverbindung sei es, "die die Softskills vermittelt", wie Hofmann sagt. Die außerfachlichen Kompetenzen, die heute häufig auf der Strecke bleiben. Die aber im Leben wichtig sind. Den Jungen werde vermittelt: "Fehler sind dazu da, dass man sie macht. Aber man muss dann auch Lösungen erarbeiten." Das gelte auch und gerade beim Umgang mit dem Alkohol. Natürlich, sagen die Bavaren, werde bei den wöchentlichen Stammtischen und den zentralen Veranstaltungen der Verbindung, den drei bis fünf Kneipen nach strengem Zeremoniell pro Jahr, Alkohol getrunken. "Wer über die Stränge schlägt, wird gemaßregelt", sagt Hofmann. "Verbindungen hängt der schlechte Ruf an, Saufvereine zu sein. Das ist nicht einmal bedingt richtig", sagt Langguth. Verbindungen wie die Bavaria seien der Bund fürs Leben, im Idealfall sogar die Schmiede der Zukunft für die Jungen.

Vier Tage feiern

Bei uns sitzt der Kraftfahrzeug-Lehrling neben dem Bankdirektor. Die 100-jährige Gründung feiert die Bavaria ab Donnerstag mit "allen, die es sich einrichten können", wie Hofmann sagt. Am Donnerstag mit einem lockeren Begrüßungsabend, am Freitag mit einem Ball, der ruckzuck ausverkauft war, am Samstag mit dem Festkommers. Mit einem Gräbergang und einem Frühschoppen klingt die Feier am Sonntag aus.

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Kommentare

Ad multos annos, Bavaria!
Ein dreimal Hoch der wahren Männerglückseeligkeit!!!
"Allen Verbindungen hatte, sagt Langguth am Montag im Gespräch mit dem Kurier, das Nazi-Regime einen Riegel vorgeschoben."

Das ist eine bequeme Verkürzung und stimmt für die Zeit bis November 1936 ja schon einmal ganz offensichtlich nicht.
Etwas Heimatgeschichte
Der Theologiestudent Karl Sand aus Wunsiedel erstach am 23. März 1819 in Mannheim den deutschen Schriftsteller August von Kotzebue. Die Planung des Attentats und die Auswahl, wer von Kotzebue umbringen soll, wurde in Warmensteinach, im Gasthof Löchleinstal, durchgeführt. Dort trafen sich von 1819 - 1823 Burschenschaften aus Jena, Halle, Leipzig und Erlangen.
Montag, 13. November 2017 - 11:06