Ein Beton für die Ewigkeit

Der Deutsche Zukunftspreis - der Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation - ist einer der bedeutendsten Wissenschaftspreise des Landes. Die Preisträger erhalten ein Preisgeld von 250.000 Euro. In diesem Jahr würdigt die Jury ein Forschungsprojekt, an dem seit Jahren Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden gemeinsam mit mehreren Firmen arbeiten.

Dünnere, filigranere Bauteile

Aus den Händen von Bundespräsident Gauck erhielt das Team um die Professoren Manfred Curbach, Chokri Cherif und Peter Offermann den begehrten Preis. Der in Dresden entwickelte Beton eröffnet ganz neue Anwendungsmöglichkeiten.  Dünnere, filigranere Bauteile sind möglich. "Damit werden die Preisträger das Bauen revolutionieren", erklärte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig nach der Preisverleihung. Die Hersteller vermarkten Carbonbeton unter dem Markennamen Tudalit.

Für den neuen Baustoff verwenden die Techniker statt des in Beton eingegossenen Bewehrungsstahls ein Geflecht aus Carbon. Das sind Kunststofffasern, die deutlich leichter sind als Stahl, aber wesentlich tragfähiger. Geschäftsführer von V. Fraas Solutions in Textile und des Verbandes Tudalit ist Roy Thyroff. Er freut sich sehr über die Auszeichnung: "Dieser Preis wird in der Bevölkerung ein Verständnis für die neue Technologie wecken und sie bekannt machen", sagt er.

Großer Markt in Aussicht

Das Unternehmen sehe einen großen Markt sowohl in der Instandsetzung von Gebäuden als auch im Neubau und sei überzeugt, dass die Technologie sich durchsetzen werde. Gemeinsam mit der Maschinenfabrik Karl Mayer Liba in Naila hat Fraas Solutions in Textile die erste Maschine entwickelt, auf der Carbonfasern ohne Abfall produziert werden können. Nach den Worten von Thyroff hat das Unternehmen in Wüstenselbitz auch eine eigene Beschichtungsanlage entwickelt. Die Partner, die an der Ertüchtigung zur Marktreife arbeiten, haben mehrere Millionen investiert, darunter hohe Summen an Fördergeldern.

Die Fasern sind auf der Grundlage der Wirktechnik zu einem sogenannten Gelege verbunden, das fest und gleichzeitig flexibel ist. Kürzlich erteilte das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin dem Textilbeton der Marke Tudalit die bauaufsichtliche Zulassung. Sie ermöglicht es Bauherren, Architekten, Planern und Firmen, den Baustoff sicher zu verwenden. "Eine Revolution beim Bauen hat begonnen", schreibt dazu der Verband Tudalit auf seiner Homepage. "Wir haben vier Jahre auf die Zulassung hingearbeitet, um zu zeigen, dass die Technologie funktioniert und marktfähig ist", sagt Thyroff.

Weniger Rohstoffe

Dank der neuen Komponente lassen sich dünnere, filigranere Bauteile herstellen, neue Formen sind möglich. Carbonbeton braucht weniger Rohstoffe, weniger Wasser und vor allem weniger Sand, der weltweit zum knappen Gut wird.

Carbonfasern werden aus kohlenstoffhaltigen Materialien hergestellt. Carbon ist sehr leicht und kommt im Fahrzeugbau, der Raumfahrt oder auch in Fahrradrahmen vor.

Ein wichtiges Anwendungsgebiet für Carbonfasern könnten baufällige Brücken sein, von denen es in Deutschland und auch weltweit zahlreiche gibt. Bei der Sanierung von zwei riesigen Zuckersilos im niedersächsischen Uelzen kam die Technik bereits zur Anwendung. Während herkömmlicher Stahlbeton eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren hat, könnte Carbonbeton nach Angaben der Ingenieure wesentlich länger halten. 200 Jahre seien keine Illusion, sagt Professor Curbach. "Aber zugegeben, ich selbst werde das nicht mehr beurteilen können."

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wertet die Auszeichnung als "Ausweis für die große Bedeutung von Grundlagenforschung". Curbach und sein Team hätten ihren Werkstoff von den Grundlagen hin zur großflächigen Anwendung innerhalb der Baubranche geführt, teilte die DFG als langjähriger Förderer Curbachs mit.

Info:

V.Fraas Solutions in Textile besteht seit dem Jahr 2008 und firmiert seit Februar 2012 als eingetragene Tochtergesellschaft V. Fraas Solutions in Textile GmbH mit Sitz in Wüstenselbitz bei Helmbrechts im Kreis Hof. In dem Unternehmen entstehen "innovative und kundenindividuelle textile Lösungen für den technischen Einsatz", heißt es auf der Homepage. Die Produktion mit zurzeit 15 Mitarbeitern befindet sich in Hof. Außer den Carbonfasern für die Anwendung auf dem Bau fertigt das Unternehmen auch ein patentiertes nahtloses Ladungssicherungsnetz, das besonders leicht und gleichzeitig sehr belastbar ist.

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