Ehepaar Wendel vor Comeback beim EHC

Die Uhr tickt. Bis Mittwoch (1. Februar), 24 Uhr, muss eine Entscheidung fallen. Die Frage: Ist DEL2-Eishockey in Bayreuth auch nächste Saison noch finanzierbar? Das Problem: Zwei konträre Parteien müssen zusammenfinden.

„Ohne eine GmbH-Gründung gibt es hier kein DEL2-Eishockey mehr“, darüber sind sich die beiden Seiten zumindest einig. Der Streitpunkt: der Kooperationsvertrag zwischen Verein und der GmbH. Und den handelt gerade EHC-Vorsitzender Langlois mit seinem Vorgänger aus – richtig gelesen: Matthias Wendel – mit seiner Frau Margrit – drängt zurück auf eine exponierte Position im Bayreuther Eishockey. Sie sind das designierte Geschäftsführer-Duo der GmbH, die in den Startlöchern steht.

Bereits bei der Mitgliederversammlung im Dezember, bei der die Vereinsmitglieder Langlois mit der Auslagerung der ersten Mannschaft in eine GmbH beauftragt hatten, erklärte EHC-Rechtsanwalt Stefan Hübner, dass einige Gesellschafter Gewehr bei Fuß stehen. Zuletzt intensivierte er seine Bemühungen und holte auch die Wendels mit ins Boot.

„Bis vor drei Wochen war eine aktive Mitgestaltung beim EHC für uns kein Thema“, sagt Matthias Wendel. „Aber dann sprachen uns viele Sponsoren an, dass sie den EHC weiter unterstützen wollen, aber nur wenn wir wieder mit einsteigen.“

Gesamteinlage von etwa 250.000 Euro

Nur „mit einsteigen“, ist aber nicht das Ding der Wendels: Es gibt aktuell zwischen zwölf und 14 mögliche Gesellschafter, die im Schnitt 10.000 Euro einbringen – die Gesamtsumme verdoppelt Familie Wendel und sichert sich so 50 Prozent Anteile an der GmbH. Die Einlage beträgt insgesamt zwischen 250.000 und 300.000 Euro, nach Aussagen Wendels Grundvoraussetzung, um eine Chance auf eine DEL2-Lizenz zu haben.

„Wir streben aber keine Mehrheit an“, sagt das Privatier-Ehepaar. „Wenn sich noch mehr Gesellschafter finden, dann steigt auch die Gesamtsumme. Und wir haben dann eben weniger Anteile. Das ist kein Problem.“ Wohl auch nicht, weil Wendel die Situation beim EHC gut einschätzen kann: „Für einen externen Geschäftsführer, der sich erst noch einarbeiten muss, ist die Zeit schon zu weit fortgeschritten.“

Spieler warten auf Vertragsgespräche

Dies bezieht sich vor allem auf die Gespräche mit Spielern. Bekommen diese nicht bald ein Signal in Sachen Vertragsverlängerungen, werden sie sich nach Alternativen umschauen. Wendel vertrauen die Spieler, während seiner Zeit als Vorsitzender bekamen sie pünktlich ihre Gehälter. Und auch bei den meisten Sponsoren genießt Wendel einen guten Ruf, er hat vor der laufenden Saison schon einmal ein DEL2-Budget auf die Beine gestellt.

Finanzielle Schieflage

Und genau mit Sponsoren hat das aktuelle Vorstandsteam des EHC Probleme. „Die Saison ist finanziell in Gefahr“, sagt Langlois. „Die Existenz des Vereins ist aber nicht bedroht.“ Ein Minus im hohen fünfstelligen Bereich könne die Saison schon bringen.

Das steht im Widerspruch zu Aussagen seines Vorgängers, dass der EHC finanziell völlig gesund sei. Wäre er wohl auch, wenn alle Sponsoren ihrer Zahlungspflicht nachkommen würden. Die Rechnungen sind gestellt, versichert Langlois, nur die Zahlungsmoral der Sponsoren – hauptsächlich derer, die nicht aus der Region Bayreuth kommen – lässt zu wünschen übrig.

„Wir tun uns schwer, an diese Sponsoren ran zu kommen, teilweise haben wir keine Ansprechpartner“, sagt stellvertretende EHC-Vorsitzende Karin Proß. Verträge seien über Mittelsmänner zustande gekommen. Notfalls müssten nun die Gelder über Anwälte eingetrieben werden, aber das dauere bis weit über das Saisonende hinaus.

Wer ist Freund, wer Feind?

„Zudem hat die Abfindung für Wolsch ein Loch in unsere Kasse gerissen“, sagt Proß. Der ehemalige Tigers-Spieler Sebastian Wolsch hatte gegen seine fristlose Kündigung geklagt, da er sich mit Vorsitzendem Wendel nicht außergerichtlich hatte einigen können. Nachdem Wendel infolge öffentlicher Kritik eines Fanclubs an seiner Frau völlig überraschend im November sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt hatte, kam es vor Gericht zu einer Einigung zwischen Wolsch und dem EHC.

„Fast 15.000 Euro mussten wir da zahlen. Und es war sehr ärgerlich, dass es dafür im Etat keine Rückstellung gab“, sagt Langlois. Und das sei nicht das einzige Mal gewesen, dass dem neuen Vorstand bei seiner Arbeit Knüppel zwischen die Beine geworfen worden seien. „Wenn du mit jemandem in diesem Verein redest, weißt du nie, ob er Freund oder Feind ist“, sagt Langlois.

Ohne Namen zu nennen, ergänzt Proß: „Hinter unserem Rücken wird im Verein und in dessen Umfeld viel gegen uns gearbeitet. Das erschwert alles, kostet viel Kraft und Nerven. Dabei sollte Vereinsarbeit doch ein Miteinander sein.“

Keine Stimmung gemacht

Kritik, die das Ehepaar Wendel nicht auf sich bezieht. „Natürlich unterhält man sich im Eisstadion mit vielen Menschen“, sagt Matthias Wendel. Er habe die Geschicke des EHC intensiv weiterverfolgt und habe absehen können, wann was in Schieflage gerät. „Aber wir haben nie gegen irgendjemand Stimmung gemacht.“

Auch das Gerücht, er hätte bereits zu Spielern Kontakt aufgenommen, entbehre jeder Grundlage. Das würde er erst angehen, wenn Einigkeit über den Kooperationsvertrag zwischen GmbH und Verein bestehe.Ein Arbeitspapier mit Eckdaten des Vertrags liegt Langlois und Proß vor, zustimmen wollen sie diesem so aber nicht: zu GmbH-lastig!

Ringen um Rahmenbedingungen

Das Ehepaar Wendel kann das nicht nachvollziehen: „Grob durchgerechnet, kann der Verein in der kommenden Saison mit 145.000 Euro rechnen. Das ist fair.“ Wenn diese Summe abgesichert sei, dann sei man auf dem richtigen Weg, entgegnet Langlois.

Nun müssen sich die beiden auf die Rahmenbedingungen einigen. Viel Zeit bleibt nicht: „Kleinere Details können auch später besprochen werden“, sagt Matthias Wendel. „Wenn die Rahmenbedingungen des Kooperationsvertrages aber nicht bis Mittwoch 24 Uhr von Vorstandsseite mitgetragen werden, dann stehen wir für eine GmbH nicht mehr zur Verfügung.“ Schließlich müsse die Planung der nächsten Saison umgehend angegangen werden.

Kein falsches Signal

Wenn ein Verein in finanzielle Schieflage geraten ist, dann aber einen fünften Kontingentspieler (nur vier sind pro Partie erlaubt) verpflichtet, dann wirft das Fragen auf. Wäre es nicht besser gewesen, das Geld in den Verein zu stecken? „Sicherlich, das haben wir auch versucht“, sagt EHC-Vorsitzender Don Langlois. „Aber Stürmer Nathan Robinson ist extern finanziert, und die Geldgeber haben nur für die Neuverpflichtung den Geldbeutel aufgemacht. Ein anderer Verwendungszweck war nicht möglich.“ Langlois kann der Situation aber etwas Positives abgewinnen. Wenn Robinson dazu beitrage, dass sich der EHC für die Playoffs qualifiziere und es dort zu vielen Heimspielen käme, dann wäre das für den Verein in seiner aktuellen Situation „ein finanzieller Segen“.

Zum Wohl des Vereins

Don Langlois verfolgte bei seiner Wahl zum Vorsitzenden des EHC Bayreuth auch private Ziele. Er wollte künftig als Geschäftsführer oder Geschäftsstellenleiter bezahlter Angestellter der geplanten GmbH beziehungsweise des Vereins sein. Mit der Rückkehr des Ehepaars Wendels kann er dieses Ziel nicht mehr erreichen und weiß das auch: „Zum Wohl des Vereins stelle ich meine privaten Interessen in den Hintergrund, und ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit mit den Wendels.“ Denn er kann sich vorstellen, dem Verein, der sich nach Ausgliederung der GmbH hauptsächlich mit der Jugendarbeit beschäftigen würde, weiter ehrenamtlich vorzustehen. „Aber eine Arbeitswoche mit 80 Stunden, so wie aktuell, ist dann natürlich nicht mehr möglich.“

Mitglieder entscheiden

Den Rahmenbedingungen des Kooperationsvertrages zwischen GmbH und Verein muss der EHC-Vorstand umgehend zustimmen, sonst ziehen sich die Gesellschafter um das designierte Geschäftsführer-Duo Margrit und Matthias Wendel zurück. Ob der Vertrag aber wirklich unterschrieben wird, darüber entscheiden die Vereinsmitglieder. Kommt es zu einer Einigung zwischen dem EHC-Vorstand und den Wendels wird der Vertrag den Mitgliedern samt einer Einladung für eine außerordentliche Versammlung vorab zugeschickt. Ein Termin in der achten Kalenderwoche ist angedacht. Die stellvertretende Tigers-Vorsitzende Karin Proß betont: „Da geht es dann um die künftige Ausrichtung des Vereins, deswegen hoffe ich, dass möglichst alle Mitglieder anwesend sind.“

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Kommentare

Geht das schon wieder los?

Und was ist mit dem DEUTLICHEN Zuschauerplus? Der Verein liegt aktuell 845 Zuschauer ÜBER dem kalkulierten Schnitt. Macht nach 20 Heimspielen grob einen Überschuß von 230 000 Euro Brutto!! Allein bei diesem (Überschuß)Betrag frage ich mich was da schon wieder abgeht?