EHC: Selbstbewusst in die heiße Phase

„Alles was jetzt nach dem vorzeitigen Klassenerhalt kommt, ist Zugabe“, sagt EHC-Trainer Sergej Waßmiller. „Und wir werden vor hoffentlich vielen Zuschauern alles raushauen, was wir noch haben, um die nächste Runde zu erreichen.“

Bei dieser Aussage schwingt mit, dass die Saisonplanung voll auf den Ligaerhalt ausgelegt war und nun – so wie beim 1:6 am Sonntag in Frankfurt – die Kraft der Spieler etwas nachlassen könnte. Da trifft es sich gut, dass mit Nathan Robinson und Valentin Busch zwei Leistungsträger wieder einsatzbereit sind. Die Tigers werden bis auf Michael Kuhn in Bestbesetzung spielen. Dagegen müssen die Riesserseer auf Jared Gomes, Julian Eichinger, Tobias Draxinger, Tim Richter und Emil Quaas verzichten.

Heimvorteil ein großer Pluspunkt

Waßmiller erwartet dennoch „sehr enge Duelle“, in denen sich das Team durchsetzt, das weniger Fehler macht. Zudem könnte der Heimvorteil entscheidend sein: In der Hauptrunde hat jeweils das Heimteam das Duell zwischen den Tigers und dem SCR gewonnen.

Die Spielanlage der Teams ist durchaus ähnlich: Das Hauptaugenmerk liegt auf der Defensive und in der Offensive wird auf schnell vorgetragene Angriffe gesetzt. Dabei gilt SCR-Trainer Tim Regan als Taktikfuchs, der einen Gegner bis ins letzte Detail analysiert und sein Team perfekt vorbereitet.

Das weiß auch Waßmiller, zeigt sich aber unbeeindruckt und selbstbewusst: „Auch wir werden auf jede Taktik des SCR vorbereitet sein und eine Antwort finden.“

Zuletzt tankten auch die in dieser Saison von vielen Verletzungen geplagten Riesserseer Selbstbewusstsein: Mit drei Siegen in den letzten vier Hauptrundenspielen haben sie sich auf den letzten Drücker für die Pre-Playoffs qualifiziert und damit ihre aufsteigende Form unter Beweis gestellt.

Schwacher Saisonstart

Zuvor hatte das Team aus Garmisch-Partenkirchen einen ordentlichen Saisonstart hingelegt, dann aber im Januar einen Einbruch erlebt. Ausgangspunkt war die 2:4-Niederlage in Bayreuth, bei der sich Gomes verletzte und seitdem ausfällt. Ohne die Vorlagen des Spielmachers hing auch der zuvor so treffsichere Finne Roope Ranta (17/18) in der Luft.

Die Offensive, in der die Kontingentspieler nicht die erhoffte Durchschlagskraft an den Tag legten, konnte die sich häufenden Fehler in der Defensive nicht mehr ausgleichen. So rutschte der SCR in der Tabelle ab, auch weil er mit 135 Treffern den drittschlechtesten Sturm der Liga stellt und das uneffektivste Powerplay zeigt.

Formkurve zeigt nach oben

Mittlerweile haben sich die Riesserseer gefangen. Topscorer Andreas Driendl (23/17) hat seine Treffsicherheit wieder gefunden, der Schwede Mattias Beck (12/25) setzt wieder mehr Akzente und der kanadische Neuzugang Alexis Loiseau (5/8) bekommt immer mehr Bindung zum Team.

Und da ist ja auch noch die Torhüterposition. „Die ist in Playoff-Spielen oft entscheidend“, sagt Waßmiller. Hier treffen zwei sehr starke Torhüter aufeinander: Auf Bayreuther Seite Tomas Vosvrda, der seit Wochen in überragender Form ist und Spiele fast im Alleingang entscheiden kann.

Auf der anderen Seite Matthias Nemec, der seine Schwächephase überwunden hat, in Topform zu den besten drei Torhütern der Liga gehört und wichtigster Spieler des SCR ist.

Die wichtigsten Spieler der beiden Konkurrenten

Die Topscorer: Auch in seiner achten Saison beim EHC Bayreuth ist Michal Bartosch (20 Tore/30 Vorlagen) unumstrittener Leistungsträger. Die „Kampfsau“ der Tigers rackert extrem viel, ist stark in den Ecken und versteht sich blind mit seinen Reihenkollegen. Zudem ist er, zusammen mit David Wohlberg, erfolgreichster EHC-Torschütze und unterliegt kaum Leistungsschwankungen. Bartosch spielt meist auf Topniveau.
Beim SC Riessersee glänzt Andreas Driendl (23/17) mit Spielübersicht und als starker Bullyspieler. Zudem sucht er konsequent den Abschluss – mit Erfolg: Mit 23 Treffern ist er bester SC-Torschütze. An guten Tagen kann er eine Partie im Alleingang entscheiden.

Die Topverteidiger: In der Abwehr haben die Tigers mehrere Leitwölfe: Kapitän Jozef Potac (4/21) und Christopher Kasten (10/9) setzen mehr Akzente in der Offensive, doch für die Stabilität in der Defensive ist Martin Heider (7/7) der zentrale Spieler. Der Routinier überzeugt mit viel Übersicht und leistet sich kaum Fehler. Auch in den Zweikämpfen verhält er sich extrem abgezockt.
Die Riesserseer Abwehr hat sich nach einer Schwächephase im Januar wieder gefangen. Großen Anteil daran hat Stephan Wilhelm (5/18), dessen Leistungskurve klar nach oben zeigt. Der langjährige DEL-Spieler spielt den defensiven Part – wie stets in seiner Karriere – konsequent und zuverlässig.

Die Torhüter: Die Spielweise der beiden Torhüter unterscheidet sich stark, aber doch gehören sie zu den besten ihres Fachs in der DEL2. Tigers-Keeper Tomas Vosvrda strahlt viel Ruhe aus, hat ein gutes Stellungsspiel, ist sehr reaktionsschnell und packte in dieser Saison schon mehrere „Monsterparaden“ aus. Allein mit seiner Größe (1,93 m) ist er ein kaum zu überwindendes Hindernis.
Auf der anderen Seite steht ein mit 1,75 Metern eher klein gewachsener Schlussmann. Matthias Nemec muss die Reichweitennachteile mit einem sehr aktiven Torhüter-Spiel und Wendigkeit ausgleichen. Nemec ist zudem stark auf der Linie und nähert sich immer mehr seiner Topform.

Kein Penaltyschießen

Mit dem Start in die Pre-Playoffs wird der Spielmodus in der DEL2 abgeändert. Endet eine Partie nach regulärer Spielzeit unentschieden, dann dauert die folgende Verlängerung nicht nur fünf Minuten. Auch geht es nicht mit drei Feldspielern auf jeder Seite weiter. Ab sofort dauert die Verlängerung 20 Minuten und wird mit fünf Feldspielern pro Team gespielt. Die Partie wird so lange verlängert, bis eine Entscheidung gefallen ist. Ein Penaltyschießen gibt es nicht mehr.

Ein Spieler wird in den Playoffs für eine Partie gesperrt, wenn gegen ihn zwei große Strafen ausgesprochen wurden. Die in der Hauptrunde gesammelten großen Strafen werden vor Playoff-Start vom persönlichen Strafenkonto der Spieler gelöscht.

Nicht bewertet

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