EHC: Positive Signale von Hauptsponsoren

Ihr erstes Wochenende als Vorsitzender liegt hinter Ihnen. Was sind Sie zuerst angegangen?
Don Langlois: Seit der Wahl war ich jeden Tag zehn bis zwölf Stunden in der Geschäftsstelle, habe mich über die Situation des Vereins informiert und viele Gespräche geführt. Und ich kann sagen, jede Minute hat Spaß gemacht. Was mir auch schon klar ist: Der alte Vorstand hat zusammen mit dem letzten Geschäftsstellenleiter Thomas Bothstede tolle Arbeit geleistet. Ohne Matthias Wendel und seine Arbeit als Vorsitzender stünde der EHC jetzt nicht so gut da. Wichtig ist, dass wir jetzt Ruhe in den Verein bringen und die gute Arbeit unserer Vorgänger fortsetzen. Was mich auch motiviert ist, dass mir viele persönlich ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Zudem gab es auch positive Resonanz von Ehrenamtlichen, die den Verein verlassen haben, aber jetzt wieder zurückkommen wollen.

Die Ehrenamtlichen sind in Ihrem Konzept ja sowieso ein wichtiger Faktor?
Langlois: Ohne Ehrenamtliche kann der EHC nicht überleben. Wir brauchen eine breite Basis an Ehrenamtlichen. Aber ich will diese Helfer auch schützen, sie sollen sich nicht für den Verein aufarbeiten. Wir müssen Teams von Ehrenamtlichen bilden, die sich gegenseitig unterstützen. Wir brauchen Organigramme, in denen genau festgelegt ist, wer für was zuständig ist. Jeder Ehrenamtliche ist wichtig, und das wollen wir als Verein auch zeigen. So plane ich am Saisonende ein Fest für die ehrenamtlichen Helfer, um Danke zu sagen.

Es gibt wichtige Ämter, die noch nicht besetzt sind. Der Vorstand besteht nach der Wahl nur aus drei Personen.
Langlois: Laut Satzung können wir weitere Mitglieder in den Vorstand berufen – und das werden wir auch tun. Es gibt Kandidaten, bis ich Namen nennen kann, werden aber noch etwa drei Wochen vergehen. Ich will zum Beispiel auch versuchen, den EHC-Förderverein mit in die Vereinskommunikation einzubinden. Dieser Kreis hat zuletzt meist im Hintergrund gearbeitet, muss aber zu einem Dreh- und Angelpunkt im Verein werden. Hier müssen noch Gespräche geführt werden. Ich will kein Alleinherrscher sein, Entscheidungen werden immer gemeinsam getroffen. Kommunikation ist für mich das A und O. Man kann immer unterschiedlicher Meinung sein, aber in einen persönlichen Streit darf es nicht ausarten.

Sie haben auch klar gemacht, dass Sie nicht nur Vorsitzender sein werden, sondern in Personalunion als Geschäftsstellenleiter/GmbH-Geschäftsführer Geld verdienen wollen und müssen. Sind Sie schon ein Angestellter des Vereins?
Langlois: Nein, momentan arbeite ich ehrenamtlich. Priorität hat für mich, dass ich den Verein besser kennen lerne. Finanziell bin ich privat gefestigt, aber wenn Sie mich fragen, ob ich – falls die GmbH erst später kommt – die nächsten eineinhalb Jahre ohne Gehalt die Aufgaben eines Geschäftsstellenleiters übernehme, dann sage ich klar: Nein, das werde ich nicht tun.

Das heißt, dass die Kandidaten, die der alte Vorstand für den Posten des Geschäftsstellenleiters an der Hand hatte, nicht zum Zug kommen.
Langlois: Richtig, momentan sehe ich dafür keinen Bedarf. Die GmbH soll kommen – und hier sehe ich mich als Geschäftsführer. Es ist aber nicht das Geld vorhanden, einen Geschäftsführer und einen Geschäftsstellenleiter zu bezahlen. Dieses Konstrukt wünsche ich mir, aber es ist erst möglich, wenn wir den Etat auf 2,5 Millionen Euro erhöht haben.

Das haben Sie bereits bei der Mitgliederversammlung als langfristiges Ziel aus gegeben. Wie wollen Sie dieses erreichen?
Langlois: Ich habe ein Konzept, das ich in drei Bereiche eingeteilt habe: administrativ, sportlich, wirtschaftlich. Die Ziele sind dann in sofortige, kurzfristige, mittelfristige und langfristige eingeteilt. Über den administrativen Bereich mit der breiten ehrenamtlichen Basis haben wir ja schon gesprochen. Dazu soll zum Beispiel noch der Aufbau einer Sponsoren- und Spielerdatenbank kommen. Wenn man hier nicht kompakt Daten hat, macht man irgendwann Fehler. Ich bin sehr froh, dass Bothstede das schon angestoßen hat und wir darauf aufbauen können.

Im sportlichen Bereich stimmt ja auch einiges. So setzt Teammanager Dietmar Habnitt bei der Kaderzusammenstellung auf Konstanz.
Langlois: Da liegen wir auf einer Wellenlänge. Ich werde mich auch nicht groß in den sportlichen Bereich einmischen, das ist die Aufgabe der sportlichen Leitung. Aber auch hier ist mir Kommunikation sehr wichtig. Wenn ein neuer Spieler gefordert wird, dann muss ich schon eine einleuchtende Erklärung für eine Neuverpflichtung haben. Und als Ex-Spieler kann ich die Situation dann auch gut einschätzen.

Wenn Sie sich aus dem sportlichen Bereich heraushalten wollen, warum ist er dann einer der drei wichtigen Punkte in Ihrem Konzept?
Langlois: Weil ich schauen will, wie sich der Verein in diesem Bereich aufstellen kann. Also: Wie reagieren wir, wenn zwei Kontingentspieler plötzlich ausfallen? Wie kommen wir an Ersatz – und das so kostengünstig wie möglich zu jeder Jahres- oder Spielzeit? Im Nachbarland Tschechien gibt es viele Spieler, aber wie tickt eigentlich die tschechische Liga? Wie kann es gelingen, an Spieler zu kommen, die Qualität mitbringen, aber nicht gleich Schwerverdiener sind? Darauf habe ich aktuell keine Antwort, aber das will ich checken.

Im Spielerbereich könnte der Weg über junge Talente führen, die Bayreuth als Sprungbrett in die DEL nutzen wollen.
Langlois: Richtig, im sportlichen Bereich hat der Nachwuchs für mich eine besondere Bedeutung. Ich habe die Vision, dass es im deutschen Eishockey irgendwann heißt: Geh’ als junger Spieler zum EHC, das bringt dich weiter. Dort bekommst du Spielzeit, dort steigerst du deine Chancen auf die DEL. Mit Valentin Busch haben wir ja ein gutes Beispiel. Ich hoffe, wir können ihn noch ein Jahr halten, bevor er DEL-Spieler wird. Wenn er diesen Sprung schafft, dann ist das auch eine Auszeichnung für den EHC. Es hört sich übertrieben an, aber dann muss Valentins Bild auch im Stadion hängen, als Ansporn für den Nachwuchs. Nach dem Motto: Er hat es geschafft, ich kann das auch. Und irgendwann endet für die Spieler die DEL-Zeit, dann erinnert er sich vielleicht an den EHC zurück und beendet seine Karriere bei uns. Vielleicht bringt er sich sogar nach der aktiven Zeit in die Vereinsarbeit ein.

Im Nachwuchsbereich haben Sie bei der Versammlung angedeutet, dass Sie sportartenübergreifend arbeiten wollen.
Langlois: Ich will mit anderen Vereinen reden. Im Alter von U 14 und jünger ist es wichtig, dass sich die Spieler bewegen, sie müssen ihren Körper beherrschen lernen, aktiv bleiben. Wenn man hier auch andere Sportarten ausprobiert, ist das nur von Vorteil. Auch mit der Uni will ich Kontakt herstellen. Die Wissenschaftler können unser Training begleiten. Wenn gewünscht, kann man das auch auf den Erwachsenenbereich ausweiten.

Bisher haben wir noch nicht über den wirtschaftlichen Bereich gesprochen.
Langlois: Ich bin gerade dabei, mir einen genauen Einblick in die Finanzen zu verschaffen. Mein sofortiges Ziel ist es, 100 Prozent der Sponsoren zu halten. Ich befürchte, dass wird schwer. Einige Sponsoren waren ja vor allem hier, weil sie Geschäftsbeziehungen zu meinem Vorgänger hatten. Einige könnten, was ich nicht hoffe, abspringen. Aber es gibt auch schon Signale von Hauptsponsoren, dass sie dem EHC treu bleiben. Auch zwei neue Sponsoren haben sich bereits gefunden. Bis Ende Januar will ich mit allen Sponsoren gesprochen haben, um – das ist das kurzfristige Ziel – den Etat für die Saison 2017/18 auf dem jetzigen Niveau zu halten. Nächster Schritt ist dann, ihn um bis 200 000 Euro zu erhöhen.

Gibt es einen Zeitplan für die Auslagerung des DEL2-Teams in eine GmbH?
Langlois: Das wichtigste ist, dass wir den Etat zusammenbekommen. Ob Sponsoren ihr Geld dann in eine GmbH oder den Verein stecken, ist da zunächst zweitrangig. Wir müssen am Ende der Saison eine schwarze Null haben. Ich kann jetzt nicht versprechen, dass es in der kommenden Saison eine GmbH gibt. Aber spätestens im Mai 2018 werden wir sie haben. Wir arbeiten daran, sie früher umzusetzen. Das ist der Wunsch, den die Mitglieder auf der Versammlung geäußert haben, und auch der Wunsch der Sponsoren. Aber es wäre fatal, wenn wir jetzt unter Zeitdruck Fehler machen. Ich sehe es zum Beispiel als gefährlich an, wenn sich Geldgeber zu sehr ins Tagesgeschäft einmischen. Da muss man sich ja nur die Fußballer von 1860 München anschauen. Ich werde jetzt mit möglichen Gesellschaftern Gespräche führen, wie die GmbH aussehen kann. Mir ist auch klar, dass die EHC-Mitglieder in diesem Punkt Antworten auf ihre Fragen wollen. Ich gehe davon aus, dass sie diese bei der Hauptversammlung im kommenden Jahr bekommen.

Was auf der Mitgliederversammlung passierte, lesen Sie hier.

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Kommentare

Klingt auf die Schnelle recht vernünftig, was Don hier an Ideen und Visionen hat. Ihm ist wirklich alles Gute zu wünschen!