EHC Bayreuth bastelt am Wunschkader

Sie gehen jetzt in ihr fünftes Jahr als EHC-Trainer – im schnelllebigen Eishockey-Geschäft eine lange Zeit. Was ist das Geheimnis dieser langfristigen Zusammenarbeit?
Sergej Waßmiller: Es ist ganz, ganz wichtig, dass ich im sportlichen Bereich so einen Mann wie unseren Teammanager Dietmar Habnitt neben mir habe. Wir verstehen und vertrauen uns. Zudem haben wir einen tollen Stab mit Betreuern und Physiotherapeuten und anderen Helfern, die nah an der Mannschaft sind. Diese EHC-Familie, dieses Team macht uns stark.

Gehört auch die Konstanz im Kader dazu? Einige Stammspieler sind ja von der Bayernliga bis in die DEL2 mit dem EHC aufgestiegen.
Waßmiller: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wenn der Kern der Mannschaft langfristig zusammenbleibt, dann kann das Team darum herum wachsen. Wir sind froh, dass wir viele Stammspieler so lange halten konnten.

Wie groß ist der Sprung aus sportlicher Sicht von der Oberliga in die DEL2?
Waßmiller: Schon groß. Wir müssen in vielen Bereichen noch professioneller werden, den Sport jetzt noch ernster nehmen. Das zeigt sich zum Beispiel an den Trainingszeiten. Statt einmal werden wir jetzt zweimal täglich trainieren. Es gehört dazu, körperlich noch fitter, noch athletischer zu werden. Auch taktisch und strukturell müssen wir den nächsten Schritt machen. Und vom Tempo her? Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft läuferisch ganz gut ist. Viel entscheidet sich im Kopf. Aber wir müssen uns auch qualitativ gezielt verstärken, dann werden wir hoffentlich eine konkurrenzfähige Mannschaft stellen können.

Zudem steigt in der DEL2 die Anzahl der Kontingentspieler auf vier, die Kaderbreite der Teams ist größer und auch qualitativ werden die Gegner besser sein als in der Oberliga.
Waßmiller: Durch harte Arbeit und Teamgeist kann man auch als Außenseiter, was wir oft sein werden, viel erreichen. Auch die Torhüterposition wird noch wichtiger als in der Oberliga. Wir sind uns bewusst, dass wir für die DEL2 stärker werden müssen. Und es wird kein anderes Ziel als den Klassenerhalt geben.

Mit Johannes Wiedemann und Tomas Vosvrda hat der EHC zwei Torhüter verpflichtet. Stellt sich die Frage: Wer wird Nummer drei? Ist für Julian Bädermann, der noch einen gültigen Vertrag hat, noch Platz. Vor allem da er ja eine Ü23-Position einnehmen würde.
Waßmiller: Wir haben bewusst zwei Keeper verpflichtet. Die DEL2 wird für Julian nicht einfach, er arbeitet ja auch noch. Arbeit und DEL2-Eishockey zu vereinbaren, ist fast unmöglich. Das ist eine sehr große Belastung. Wir müssen mit Julian reden, ob diese Doppelbelastung vertretbar ist.

Und bei den Feldspielern – wie muss der Kader hier umgebaut werden?
Waßmiller: Wir brauchen einen breiteren Kader, denn es wird eine lange Saison. Mit drei Reihen wie zuletzt in der Oberliga wird es sehr schwer. Wir müssen jedes Spiel angehen, als könnte es unser letztes sein. Optimal wären daher 25 Feldspieler. Wenn wir mit 23 starten können, wäre ich zufrieden. Klar ist auch: Jeder Spieler muss jede Sekunde bereit sein, eine Topleistung abzurufen.

Als Neuzugänge stehen die beiden Torhüter, die Verteidiger Felix Linden und Martin Heider sowie die Youngster Lukas Fröhlich und Dominik Piskor fest. Vorausgesetzt die Vorjahresspieler, die bislang ihre Verträge noch nicht verlängert haben, bleiben, wie muss der Kader noch ergänzt werden?
Waßmiller: Optimal wäre es, wenn wir noch einen Verteidiger und zwei Stürmer, einer davon Center, verpflichten könnten. Das müssten erfahrene Spieler, Leistungsträger, Leitwölfe sein. Jüngere Spieler haben wir schon sehr viele.

Der EHC-Vorsitzende hat erklärt, dass der Spieleretat im Vergleich zur Vorsaison um 130 000 Euro erhöht wird. Reicht das, um alle Pläne zu verwirklichen? Zudem soll ein vierter Ausländer eventuell erst im Lauf der Saison finanzierbar sein.
Waßmiller: Wir haben unsere Vorstellung. Die Sportliche Leitung setzt sich nächste Woche noch einmal mit dem Vorstand zusammen, dann werden wir sehen, wie sich die Kaderplanung weiterentwickelt. Wir werden intensiv daran arbeiten, dass die Mannschaft stark genug ist, um die Klasse zu halten.

Gerät man bei der Spielersuche unter Zeitdruck?
Waßmiller: Kontingentspieler sollten nicht das Problem sein, aber deutsche Spieler, die auf dem Niveau eines Ivan Kolozvary stehen, werden auf dem Transfermarkt immer weniger. Und wir suchen jemanden, der wie Ivan Denker und Lenker einer Reihe ist.

Wie ist der Zeitplan für die kommende Saison?
Waßmiller: Am 1. August ist Auftakt mit den Fitnesstests, danach geht es hoffentlich bald aufs Eis. Es werden bis zum Saisonstart am 16. September richtig intensive Wochen.

Und Testspiele? Bekommen die Fans vielleicht eine Partie gegen einen DEL-Verein zu sehen?
Waßmiller: Das ist unser Ziel und wir arbeiten daran. Das ist auch ein wenig von unserem neuen Kooperationspartner abhängig, auch hier stehen wir in intensiven Verhandlungen. Sobald etwas spruchreif ist, werden wir es bekanntgeben.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06