Drohbriefe: Verfasser bleiben unbekannt

Das Schriftbild des Briefes, den Schütze als Morddrohung bezeichnet, ist ein anderes, als das auf früheren Postkarten. Auf denen ihn ein anonymer Schreiber schon einmal als den „größten Blindgänger“ der Gemeinde und als „politische Null“ bezeichnet hat. Auf wiederum einer anderen Postkarte, die der Absender mit der Schreibmaschine verfasst hat und die vor Rechtschreibfehlern nur so strotzt, heißt es: „Verarscht können Sie sich ruhig fühlen, denn ein Arschloch sind Sie ohnehin“. Jede Postsendung ist anonym verfasst, jede ist im Briefzentrum Bayreuth abgestempelt worden.

Professor: "Das Dorf ist komplett vergiftet"

Schütze ist einer der Gegnern der Mistelbacher Ortsumgehung, die solche Briefe erhalten haben. Ein anderer ist Jürgen Köhler, Physikprofessor an der Uni Bayreuth. Auch er hat mehrere Postkarten erhalten, auf denen er beleidigt wird. Davon, dass andere im kleinen Finger mehr Gespür hätte, als der Professor in seinem „leeren Kopf“ steht unter anderem geschrieben. Auch Köhler hat den anonymen Schreiber angezeigt. Nicht, weil er sich ernsthaft beleidigt fühle, sondern weil er dokumentieren wolle, wie sich der Ort immer mehr zerstreite, sagt er. „Das Dorf ist komplett vergiftet“, sagt Köhler und die Politik sei daran nicht ganz unschuldig. Demnach hätten es der amtierende, sowie der frühere Bürgermeister versäumt, die Vorfälle zu verurteilen.

Bürgermeister: "Den Ball flach halten"

„Schlichtere Gemüter“, wie Köhler die Schreiber der Drohbriefe bezeichnet, seien dadurch in dem Glauben gelassen worden, das Richtige zu tun. Tatsächlich hat sich der Gemeinderat erst im Oktober des vergangenen Jahres, also neun Jahr nachdem die Anfeindungen laut Köhler begannen, von den Schreiben distanziert. Bürgermeister Matthias Mann sagt, man müsse „den Ball flach halten und nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen“. Als er von dem Brief mit dem Inhalt „Stirb! Heuchler“ erfahren habe, habe er umgehend reagiert und sich von einer solchen Form der Auseinandersetzung distanziert. Zuvor habe Schütze von den Drohungen nichts erzählt. Und freilich gebe es wegen der Ortsumgehung Reibungspunkte im Ort. Von einer vergifteten Stimmung könne aber keine Rede sein. Mistelbach sei nicht mehr zerstritten als andere Orte auch.

Nicht nur Worte, sondern Taten

Schütze vermutet, dass die Schreiber der Drohbriefe auch handgreiflich geworden sind. Unbekannte hätten die Glasplatte seines Gartentisches eingeworfen, seinen Gartenschlauch zerschnitten und im Urlaub seinen Wasserhahn aufgedreht, sagt Schütze. Einen Tag vor einer Informationsveranstaltung sei zudem eine Schnur in mehrere Stücke zerschnitten worden, die verdeutlichen sollte, dass ein rund 40 Meter Wall aufgeschüttet werden müsste um eine Ortsumgehung zu bauen. „Zum damaligen Zeitpunkt war es bereits naiv von uns zu glauben, dass das nicht passiert“, sagt Köhler. Und dennoch: Gefasst wurden die Täter nie.

DNA-Proben und Fingerabdrücke

Trotz „umfangreicher Ermittlungen“, wie Peter Müller, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, versichert. Sowohl die Fingerabdrücke, als auch das DNA-Material auf Schützes Briefen seien untersucht und mit den Datenbanken der Polizei verglichen worden. Der oder die Täter, so Müller, scheinen zuvor noch nicht aufgefallen zu sein. Die Ermittlungen seien vorerst zwar abgeschlossen, könnten aber weitergeführt werden, sobald sich neue Spuren oder Verdächtige fänden. Auch der Leitende Oberstaatsanwalt, Herbert Potzel, teilt mit: „In dem wegen Bedrohung gegen Unbekannt eingeleiteten Verfahren haben die Ermittlungen einschließlich Spurenuntersuchung kein Ergebnis erbracht.“ Das Verfahren sei eingestellt worden.

Beschwerde gegen Gerichtsurteil

Unterdessen geht der Rechtsstreit zwischen zwei Landwirten auf der einen und der Regierung von Oberfranken auf der anderen Seite vielleicht in die nächste Runde. Erstere fürchten im Falle des Umgehungsbaus eine Enteignung ihrer Grundstücke und argumentieren unter anderem damit, dass das Staatliche Bauamt einen Ausbau der bestehenden Ortsdurchfahrt zur Reduzierung der Verkehrsproblematik nicht ausreichend geprüft habe. Nachdem das Verwaltungsgericht Bayreuth den beiden Klägern Recht gegeben hatte, hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof im April dieses Jahres das Urteil gekippt. Die Ortsumgehung darf seitdem weiter geplant werden. Die Kläger haben dagegen aber bereits Beschwerde beim Bundesverwaltungsgerichtshof eingereicht. Ob der sich dem Fall annimmt, ist noch nicht entschieden.

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