Drehort Oberfranken: Filmregion will weitere Produktionen an Land ziehen

Michael von Hohenberg arbeitet daran, das Anne-Frank-Filmprojekt in die Region zu holen. Der Filmtausendsassa aus Weißenstadt ist Regisseur, Produzent, Schauspieler, Drehbuchautor. Und seit rund 16 Monaten auch Beauftragter für Film und Fernsehen für das Projekt „Filmregion Ostoberfranken“. Und in dieser Mission war und ist er derzeit in der Region unterwegs, um gemeinsam mit einem „Location Scout“ geeignete Drehorte zu finden. Konkret gesucht wird das Innere einer Villa, die im Film in den 30er Jahren in der Schweiz stehen soll. Das Drehbuch schrieb Fred Breinersdorfer (Tatort, Sophie Scholl), Regie führen soll Grimmepreisträger Hans Steinbichler (Winterreise, Polizeiruf 110).

Produzenten haben Oberfranken noch nicht auf dem Schirm

Gestartet war die Filmregion Ostoberfranken im Juli 2013, getragen von den Landkreisen Wunsiedel, Hof, Kulmbach und Bayreuth sowie den kreisfreien Städten Bayreuth und Hof. Als Beauftragter hat von Hohenberg, dessen bürgerlicher Name Jahreiß ist, die Aufgabe, durch seine vielfältigen Kontakte in die Filmbranche Dreharbeiten nach Ostoberfranken zu holen.

Dazu gehört auch die Schaffung einer Grundinfrastruktur für Dreharbeiten: Karteien für potenzielle Filmmotive, Sethelfer, Requisiten oder Komparsen und Kleindarsteller, aber auch der direkte Kontakt zu Behörden oder Unterkünften für die Filmschaffenden. Und die Betreuung von Dreharbeiten in der Region, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Diese Infrastruktur kann von Hohenberg Produktionen zur Verfügung stellen, die in die Region kommen, wie zum Beispiel „Tannbach“ mit Heiner Lauterbach, der in Thurnau und Kleinlosnitz gedreht wurde, wo von Hohenberg Komparsen besorgte. Darüber hinaus soll er auch Dreharbeiten in die Region holen, die Ostoberfranken nicht auf dem Bildschirm hatten. Wie zum Beispiel die für den Film „Elser“.

von Hohenberg: "Filme sind ein enormer Wirtschaftsfaktor."

„Die Kontakte zu Filmschaffenden in Deutschland, zu wissen, wer wann was dreht, das ist unerlässlich, um rechtzeitig passende Locations aus der Region anzubieten“, sagt von Hohenberg. Im Falle von „Elser“ schickte er dem Szenenbildner, den er kannte, einfach ein paar Bilder von möglichen Motiven. Und innerhalb kürzester Zeit stand fest, dass ein wesentlicher Teil des historischen Films unter der Führung des Oscar nominierten Regisseurs Oliver Hirschbiegel in Weidenberg gedreht wird.

„Filme sind ein enormer Wirtschaftsfaktor“, so von Hohenberg, „denn die Leute essen und schlafen hier, zahlen Motivmieten, vergeben Aufträge für Handwerker und Bauhöfe, beschäftigen Komparsen und Sethelfer und verbringen nicht zuletzt ihre Freizeit auch oft in der jeweiligen Drehregion.“ Hohenberg macht ein Beispiel auf: „Wenn nur ein bekannter Schauspieler in einem Interview unsere Region positiv erwähnt, dann ist das mehr wert, als Hunderttausende von Flyern, die wir für viel Geld drucken lassen. Im direkten Geldvergleich war der aktuelle Kosten-Nutzen-Faktor 1:70, was heißt, jeder eingesetzte Euro ist von Filmprojekten 70-fach in der Region wieder ausgegeben worden.“

Sechsstelliger Betrag bleibt in der Region

Der Filmbeauftragte rechnet am Beispiel des Kinofilms „Elser“ vor: Das Filmteam in Weidenberg hatte rund 80 Mitglieder und acht Schauspieler, die zwischen zwei und 16 Tagen im Hotel übernachtet haben und auch privat Geld ausgegeben haben. Es gab rund 150 Komparsendrehtage, die alle aus der Region besetzt wurden und im Schnitt pro Drehtag 60 Euro gekostet haben. Die Produktion hat Firmen und Gemeindeangestellte, sowie Sethelfer aus Weidenberg und der Region beschäftigt.

Es wurden Motivmieten und Requisitenmieten gezahlt. Bei Märkten, Metzgereien, Bäckereien und Ähnlichem aus der Region wurde eingekauft. Es wurden etwa 50 Fahrzeuge betankt. zwei Fahrzeuge wurden in Werkstätten vor Ort repariert. Getränke und Verpflegung für die komplette Crew wurde täglich eingekauft. Alles zusammen wurden geschätzt zwischen 400.000 und 450.000 Euro in der Region in rund drei Wochen ausgegeben.

Landkreis gibt bis zu 24.000 Euro für die Filmregion

Trotz solcher Zahlen muss von Hohenberg noch immer Überzeugungsarbeit leisten, wenn es darum geht, die Finanzierung des Projektes Filmregion Ostoberfranken fortzusetzen, die Entscheidung fällt derzeit jährlich. Der Landkreis Bayreuth wird mit voraussichtlich 16.000 bis 24.000 Euro beteiligt sein, die über das Budget der Tourismuszentrale Fichtelgebirge laufen.

Auch wenn „Anne Frank“ nicht in Bischofsgrün oder Gefrees gedreht wird, ist die Region noch im Spiel. „Wir schauen uns noch eine Villa in Helmbrechts und das Schloss Erkersreuth bei Selb an“, sagt von Hohenberg. Und selbst wenn es nichts wird mit „Anne Frank“, war nicht alles umsonst. Dann hat der Filmbeauftragte ab sofort eine stattliche Zahl an Villen in seiner Kartei, die er das nächste Mal anbieten kann.

Touristischer Nutzen von Drehorten

Was in Bayern an Dreharbeiten für Filme und Serien läuft, geht oft über den Film Fernseh Fonds (FFF), der seinen Sitz in München hat und Filmprojekte mit finanziellen Mitteln fördert. Anja Metzger vom FFF begrüßt solche regionalen Projekte wie die Filmregion Ostoberfranken. Sie sagt: „Was in der Peripherie passiert, entzieht sich oft unserer Kenntnis.“ Hier schließen die regionalen Filmbeauftragten eine Lücke.

Es kann nicht immer gleich „Der Bulle von Tölz“ sein, der dem oberbayerischen Städtchen eine enorme Popularität verschafft hat. Aber Anja Metzger ist überzeugt, dass Orte die als Filmkulisse dienen, im Nachhinein davon profitieren können. Auch wenn, wie im Falle von Weidenberg, die Stadt im Film nicht sich selbst spielt, sondern Kulisse für einen anderen Ort ist. „Die Touristen, die in einer Region sind, interessieren sich sehr für Drehorte von Filmen“, sagt sie. Coburg, das in den beiden Filmen „Rubinrot“ und „Saphirblau“ als Kulisse für London diente, vermarkte sich sehr gut und biete Führungen zu den Drehorten an. Metzger kennt aber auch die Kehrseite: „Viele Gemeinden machen nichts draus. Das ist sehr schade.“

Nicht bewertet

Anzeige