Doppel-Dekanat: "Wir sind ein Unikat"

Herr Dekan Guba, warum war die Zusammenlegung überhaupt notwendig?

Thomas Guba: Das Dekanat Bayreuth war mit knapp über 60.000 Gläubigen zu groß geworden, das Dekanat Bad Berneck mit 12.300 Gläubigen zu klein - was die Eigenständigkeit eines eigenen Dekanats auf Dauer infrage stellte. Da lag es nahe, die beiden Dekanate zusammenzulegen und die Aufgaben auf die beiden Dekane gleichmäßiger und sinnvoller zu verteilen. Wir bündeln damit Arbeitsbereiche, für die dann nicht mehr zwei Personen, sondern nur noch einer zuständig ist.

Sie bekommen jetzt also mehr Arbeit hinzu?

Guba: Zu dem was ich bisher hatte, (Bad Berneck, Bischofsgrün, Gefrees, Goldkronach, Himmelkron, Lanzendorf, Marktschorgast, Nemmersdorf und Streitau, Anm. Red.) kommen einige evangelische Gemeinden dazu. Wir haben dann im nördlichen Teil des Dekanats 27.000 Gemeindeglieder, der Rest bleibt in der Stadt und im Süden Bayreuths.

Künftig sind Sie für mehr als doppelt so viele Kirchenmitglieder zuständig als bisher. Erhalten Sie Unterstützung?

Guba: Wir haben momentan eine Vakanz in Bayreuth, da Dekan Hans Peetz die Stelle wechselt. Das werden wir mit den stellvertretenden Dekanen überbrücken, Pfarrer Johannes Aschoff aus Bayreuth und Pfarrerin Christine Schlör aus Warmensteinach. Ich denke, dass wir das so, ganz gut auf die Reihe bekommen. Es ist nicht ideal, aber es ist auf jeden Fall machbar.

Räumlich liegen die Orte, die Sie nun betreuen ziemlich weit auseinander, oder?

Guba: Als ich Pfarrer in Niederbayern war, musste ich teilweise 80 Kilometer zurücklegen. Insofern ist das schon noch überschaubar. Hinzu kommen bei mir Warmensteinach, Weidenberg, Emtmannsberg, Bindlach, Benk, Neudrossenfeld und Heinersreuth. Deshalb feiern wir unseren Gründungsgottesdienst in einer der schönsten und größten Markgrafenkirchen. Und weil sich für Neudrossenfeld etwas ändert. Bei vielen Gemeinden, die so in der Mitte liegen, ist das ja gar nicht der Fall.

Die Anfahrt von Neudrossenfeld nach Bad Berneck dauert jedenfalls länger als nach Bayreuth.

Guba: Die Leute müssen gar nicht zu mir kommen, sie haben ja ihre Pfarrer vor Ort. In der Gemeindestruktur ändert sich nichts, weil wir alle Pfarrstellen, so wie sie sind, erhalten. Es ändert sich nur an den Zuständigkeiten der Dekane etwas, sonst ändert sich nichts. Ob Bad Berneck oder Bayreuth, das ist doch "kupft wie gsprunga", wie der Oberfranke sagt. Zu uns braucht man über die Autobahn zwölf Minuten. In die Innenstadt nach Bayreuth brauchen sie wahrscheinlich länger. Erst mal ist es kein Nachteil, dass wir einen Dekan in der Stadt und einen eher im ländlichen Raum haben. Das kann ein ganz guter Ausgleich sein.

Wie soll sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln, in einem so großen Dekanat?

Guba: Daran arbeiten wir. Wir beginnen mit einer ganztägigen Pfarrkonferenz, einer Klausur des Dekanatsausschusses, einer Synode. Dann gehen die Vorschläge zurück in die Gemeinden und können dort noch einmal diskutiert werden. Im Herbst sollen dann Entscheidungen getroffen werden. Zu überlegen ist: Wie können wir das Große wieder sinnvoll klein machen? In welchen Einheiten können wir gut zusammenarbeiten? Es kann eben nicht sein, dass wir die alten Zustände, wie wir sie vor dem Zusammenschluss hatten, festschreiben, sondern da kann es Grenzüberschreitungen geben.

Zum Beispiel?

Guba: Wenn Gemeinden an dieselben Fragen beschäftigen, können sie sich gegenseitig beraten. Wir haben in Bad Berneck den Ortsteil Neudorf, der politisch zu Bad Berneck und kirchlich zu Benk gehört. Jetzt gehören sie zum gleichen Dekanat und können vielleicht die Neudorfer Kirwa miteinander feiern. Bei Nemmersdorf haben wir einen Ortsteil, durch den ein Bach geht: Die eine Seite gehört nach Nemmersdorf, die andere zu einer Bayreuther Kirche. Hier wurden Menschen auseinandergerissen, die nun wieder zusammenrücken könnten. Bisher hatten ich und  der Dekan in Bayreuth mit Diakonie zu tun. Künftig ist das Thema ganz allein bei mir angesiedelt, wie auch das Evangelische Bildungswerk und die Jugendarbeit. Kirchenmusik und Verwaltung ist dagegen Bayreuth zugewiesen.

Ist der neue Zuschnitt Teil einer größeren Strukturreform?

Guba: Nein, wir sind ein Unikat. Wir sind da einzig und bin da auch ein bisschen stolz drauf. Weil wir noch in einer Situation sind, in der wir frei entscheiden können und keine finanziellen oder personellen Zwänge haben. Wir wurden nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt und konnten das aus eigenem Entschluss machen. In zehn Jahren kann man das vermutlich nicht mehr. Ich halte es für klug, nicht zu warten, bis nichts mehr geht.

Spart sich die Kirche damit Geld?

Guba: Die Frage wird oft gestellt, aber ich kann Ihnen versichern, wir sparen gerade gar nicht. Wir sparen keine Stellen. Jeder denkt an die Wirtschaft, wo auf Synergieeffekte und Rationalisierung gesetzt wird. Nein, es wird niemand arbeitslos und wir geben auch mindestens so viel Geld aus wie vorher. Ab dem nächsten Jahr bekommen wir sogar eine leicht erhöhte Schlüsselzuweisung aus München. Die Arbeit der beiden Dekane soll einfach besser strukturiert und effizienter sein.

Das Gespräch führte Ute Eschenbacher

5 (1 vote)

Anzeige