Direktmandat: Entscheidung Anfang 2018

Ludwig Freiherr von Lerchenfeld kandidierte erstmals 2008 auf der CSU-Oberfrankenliste für den Landtag. Im Jahr 2011 zog der heute 60-Jährige als Nachrücker in den Landtag ein. Bei seiner Wiederwahl im Jahr 2013 erzielte er bayernweit das drittbeste Ergebnis. Allein Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Sozialministerin Emilia Müller übertrafen ihn.

Kreisvorsitzender stellt die Weichen

Der 62-jährige Heinrich Rudrof aus Scheßlitz, bisher CSU-Direktkandidat im Stimmkreis 401 Bamberg-Land, zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurück. „Ich bin von verschiedenen Seiten aus angesprochen worden, ob ich nicht Interesse hätte“, sagt Lerchenfeld im Gespräch mit dieser Zeitung. „Also habe ich meinen Hut in den Ring geworfen.“ Das sei nicht „proaktiv“ gewesen, sondern eher um grundsätzlich Interesse zu signalisieren. „Das Heft des Handelns liegt nun beim Kreisvorsitzenden Thomas Silberhorn.“ Dieser sei jetzt Herr des Verfahrens. Lerchenfeld geht fest davon aus, dass es Mitbewerber geben wird. „In dieser Situation fühlen sich sicherlich mehrere aufgerufen, sich als Kandidaten ins Spiel zu bringen.“

Ziel: Ein offenes und faires Verfahren

Das dies in der Tat so ist, bestätigt Silberhorn auf Anfrage dieser Zeitung. „Wir haben eine ganze Reihe von Bewerbungen“, erklärt der Parlamentarische Staatssekretär und stellvertretende Bezirksvorsitzende. Dass Rudrof nach 22 Jahren im Landtag nicht mehr antrete, sei erst seit Oktober bekannt. Der Kreisvorstand werde sich noch im Dezember mit den möglichen Kandidaten und Kandidatinnen befassen. Da es mehrere Bewerbungen gebe, lege er Wert auf ein „offenes und faires Verfahren“, betont der Kreisvorsitzende.

Soll es Generationenwechsel geben?

Der Vorstand, dem auch Vertreter des Stimmkreises Bamberg-Stadt angehören, werde seine Erwartungen an den Bewerber vor der Aufstellungsversammlung formulieren. Dabei werde es etwa um die Frage gehen, ob ein Generationenwechsel oder eine Übergangslösung angestrebt würden. „Nur eine Person kann gewinnen“, sagt Silberhorn. „Wir sollten aber so miteinander umgehen, dass wir weiter zusammenarbeiten können.“ Dem Kreisverband gehören 44 Ortsverbände und über 2000 Mitglieder an.

Das „Stimmungsbild“ aus dem Kreisvorstand werde den Bewerbern mitgeteilt, so Silberhorn weiter. Jedem stehe danach frei, ob er sich bei der Nominierungsversammlung aufstellen lasse. Letztlich sei dies eine basisdemokratische Entscheidung der Delegierten, die jedoch transparent sein solle. Voraussichtlich werde die Nominierung des künftigen Direktkandidaten Anfang 2018 erfolgen. Rudrof hatte bei den Wahlen 1998, 2003, 2008 und 2013 jeweils Bestergebnisse von über 50 Prozent erzielt. Im Jahr 2003 erhielt er sogar 72,1 Prozent der Wählerstimmen.

In Bamberg zur Welt gekommen

Dass Lerchenfeld im Landkreis Kulmbach in Heinersreuth in der Gemeinde Presseck wohnt, ist im Sinne des bayerischen Wahlrechts kein Hindernis. Und Lerchenfeld besitzt durchaus Beziehungen nach Bamberg. So ist er zum Beispiel in Bamberg geboren. Weil er in „kulturellen Fragen bewandert“ sei, wie es Lerchenfeld selbst ausdrückt, wurde er im Jahr 2016 Vorsitzender des Fördervereins Sommer Oper Bamberg in der Nachfolge von Thomas Goppel. „Ich hatte schon immer eine Affinität zur Stadt Bamberg, die für mich nicht zuletzt kulturell ganz oben angesiedelt ist.“ Die Bamberger Symphoniker sind in seinen Augen das drittbeste Orchester in Bayern und eines der besten in ganz Deutschland. Als Landtagsabgeordneter, Mitglied im Vorstand der Bezirksgruppe der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft und nicht zuletzt als Forstwirt und Holzhändler hat sich der Baron ein Netzwerk aufgebaut und pflegt Kontakte auch nach Bamberg.

Klare Empfehlung für guten Listenplatz

Auch außerhalb der Politik würde es ihm als Unternehmer wohl nicht langweilig werden. Bei der Kür von Martin Schöffel zum Direktkandidaten für den Stimmkreis Wunsiedel-Kulmbach, habe es für ihn ebenso eine hundertprozentige Empfehlung für die Oberfrankenliste gegeben, freut sich Lerchenfeld. Die genaue Reihenfolge der CSU-Bewerber für die Landtagswahl wird der CSU-Bezirksvorstand erst im März festlegen. Und Lerchenfeld wurde ein Platz weit vorne zugesichert. Da die Wähler direkt für einen Listenkandidaten stimmen können, ist es diesem theoretisch möglich, an die Spitze gewählt zu werden. 2013 kam der Zweitplatzierte Lerchenfeld mit 33 083 Stimmen am Ende auf den dritten Platz und landete damit vor dem früheren Bayreuther Oberbürgermeister Michael Hohl (32 033 Stimmen).

"Den Menschen wieder zuhören"

Doch ein guter Listenplatz biete nur eine „relative Sicherheit“, sagt der 60-jährige Lerchenfeld. „Bei einem Wahlergebnis unter 40 Prozent könnte es kritisch werden.“ Denn nach dem schlechten Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl, müsse die Partei in der Gunst der Wähler erst wieder steigen. „Dazu gehört, dass wir wieder inhaltlich glaubwürdige Politik machen.“ Die CSU habe Bayern jahrzehntelang erfolgreich vertreten. „Aber wir müssen wieder lernen, den Menschen zuzuhören.“ Daher habe er sich gegen einen Nationalpark im Frankenwald verwahrt und dafür viel Zuspruch dafür bekommen. Egal, wie die Entscheidung ausfalle, wolle er weiterhin Ansprechpartner für die Kulmbacher bleiben. „Das ist eine gewachsene Beziehung und ich bin ein treuer Vasall der Region.“

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Kommentare

Ja letztendlich geht es dem Herrn Freiherren von Lerchenfeld auch nur darum, seinen Job als MdL zu sichern. Wohnent im Landkreis Kulmbach, der ja aufgeteilt in zwei Wahlkreise, bereits an andere Direktkandidaten vergeben ist, kann Lerchenfeld, wie bisher auch, nur über die Liste wieder gewählt werden. Das hat wohl 2013 noch ganz gut geklappt, als die CSU mit knapp 48% bayernweit 10 oder 11 Listenmandate zugesprochen bekommen hat. Aber bei den momentanen unterirdischen Prognosen für die CSU, welche ja auch berechtigt sind ;-), wird die CSU - und da verwette ich meinen Hintern, garantiert KEIN einziges Listenmandat bekommen. Somit wäre der Herr Freiherr von Lerchenfeld erstmal OHNE Mandat. Bleibt ihm also nur noch, irgend ein Direktmandat zu erringen, wo er aber auch erst mal als Wahlkreisbewerber nominiert werden muss. Tja Herr Freiherr....diese sch*** Situation haben Sie wohl ihrem Herrn Ministerpräsidenten mit seiner irrwitzigen Politik zu verdanken :-) Und wenn Herr Lerechenfeld meint, das ihm 40% der CSU für einen sicheren Einzug in den Landtag reicht, hat er ebenfalls geirrt....Wenn nämlich nächstes Jahr die FDP und auch noch die AFD in den Landtag einziehen werden, muss die CSU nindestens über 45% bringen. Wenn das überhaupt reicht. Der Kuchen (180 Mandate) wird dann einfach auf mehrere Mäuler verteilt.
Ich kann mir vorstellen, dass viele CSU-MdLs unruhig werden. Aber es musste doch allen politisch Interessierten klar sein, dass sich die Parteienlandschaft verändert und die CSU ihr Quasimonopol verlieren wird. Die "Heimat"- und "Christliche"-Partei war einmal, denn die eingesessenen Altbayern sterben aus. Nix mit Laptop und Lederhose!
....und die ehemals treudoofen CSU Wähler werden klüger, was ihre Wahlentscheidung angeht ;-)