Direktkandidaten 2013: Sie bereuen nichts

Sabine Steininger (Grüne)

 

  • Erststimmenergebnis 2013: 6,3 Prozent
  • Zweitstimmenergebnis der Grünen 2013 in Bayreuth: 6,8 Prozent

 

Die heute 51-Jährige, die als Beruf „Hausfrau“ angibt, ist nach wie vor politisch aktiv, sitzt für Bündnis 90/Die Grünen im Bayreuther Stadtrat. Vor vier Jahren hatte sie sich als Stimmkreiskandidatin für die Bundestagswahl aufstellen lassen, ohne über die Liste abgesichert zu sein. Also: Null Aussicht, tatsächlich in Berlin ins Parlament einzuziehen. „Ich wollte auch gar nicht in den Bundestag, sondern im Wahlkampf im Wahlkreis für Inhalte der Grünen werben“, sagt sie heute.

Klimawandel, Verkehrswende, Leben im Alter - das sind die Themen, die sie am meisten bewegten und heute noch bewegen. Es sei ihr darum gegangen, Menschen zu überzeugen, dass diese Themen wichtig seien und dass die Grünen dafür die richtigen Lösungen anböten, sagt Steininger. Eine Überzeugungstäterin, die aber zugibt: Im Verlauf des Wahlkampfes vor vier Jahren habe sie tatsächlich doch Lust darauf bekommen, ein Bundestagsmandat ernsthaft anzustreben.

Bekanntheitsgrad durch die Kandidatur enorm gesteigert

Nach kurzer Selbstprüfung habe sie die Idee aber verworfen. Familiäre Gründe sprachen dagegen, außerdem hätten es die Grünen in Oberfranken immer noch schwer, stellen mit (der jetzt ausscheidenden) Elisabeth Scharfenberg nur eine Bundestagsabgeordnete. Vor allem aber: „Zuhause fühle ich mich in der Kommunalpolitik. Hier wird Politik ganz konkret.“

Dass sie bei der Wahl weniger Erststimmen bekam als die Grünen Zweitstimmen, hat Sabine Steininger nicht geärgert. „Ich denke, dass ich damals Menschen überzeugen konnte. Ich habe damals mit meiner Kandidatur das Richtige getan.“ Am Ende habe ihr das aussichtslose Rennen auch genutzt, ihren Bekanntheitsgrad gesteigert. Bei der Stadtratswahl ein halbes Jahr später, bei der die Grünen ihr Ergebnis auf 11,65 Prozent steigern konnten, wurde sie mit mehr als 8000 Stimmen grüne Stimmenkönigin mit dem besten Einzelergebnis, das ein Grünen-Bewerber je bei einer Bayreuther Stadtratswahl erzielte.

Steiningers Botschaft an junge Wähler: "Es geht um Eure Zukunft, um Eure Lebensgrundlagen, um die Rahmenbedingungen für Eure Zukunft, die jetzt gestaltet werden. Das Mindeste, was Ihr tun solltet, ist wählen. Und wer sich unsicher fühlt, dem hilft der Wahl-o-mat."

Hermann Hiery (FDP)

 

  • Erststimmenergebnis 2013: 2,7 Prozent
  • Zweitstimmenergebnis der FDP 2013: 4,8 Prozent

 

Eigentlich ist Hermann Hiery im falschen Jahr angetreten. Dem heute 60-jährigen Professor für Neueste Geschichte an der Universität Bayreuth blies vor vier Jahren als FDP-Kandidat der Wind kräftig ins Gesicht. Die FDP im Abwärtstrend flog aus dem Bundestag, diesmal sieht es den Umfragen zufolge deutlich besser für die Liberalen aus.

Hiery ist 2013 aber gerade deshalb angetreten, weil die Lage für seine Partei so ernst war. „Es gab keinen anderen Kandidaten, da habe ich mich bereit erklärt“, sagt Hiery, der für die FDP heute noch im Kreistag sitzt. „Ich wusste, dass ich keine Chance hatte, auf der Liste war ich auf einem hinteren Platz, aber gerade deshalb habe ich es gemacht. Man muss Flagge zeigen.“ Sein Ziel sei gewesen, möglichst viel für die FDP herauszuholen, das habe sich als schwierig erwiesen, auch weil es an der Parteibasis viel Unzufriedenheit mit der Führung gegeben habe. Er habe sich relativ ungezwungen und frei im Wahlkampf gefühlt, habe bewusst darauf verzichtet, sein Foto auf Wahlplakaten abzudrucken. „Das ist doch keine politische Botschaft, ich wähle doch einen Kandidaten nicht wegen seines Gesichts“, sagt Hiery.

Nicht nur auf die Politiker schimpfen

Am Ende hat es nicht gereicht, die FDP sackte auch in Bayreuth unter fünf Prozent, darauf könne man nicht stolz sein. Dass er selbst mit den Erststimmen deutlich darunter lag, sei bei kleinen Parteien normal. Im Vergleich mit anderen oberfränkischen FDP-Direktkandidaten habe er teils sogar besser abgeschnitten, „aber das muss nicht an meiner Person liegen“. Auch Hiery bereut sein damaliges Engagement trotz der aussichtslosen Mission nicht, würde es wieder tun, aber nur unter den gleichen Voraussetzungen wie damals. „Allerdings hätte ich mehr Zeit gebraucht, um die Wähler zu Hause aufzusuchen und mit ihnen zu reden,“ sagt Hiery.

Wenn man nicht gerade Guttenberg heiße oder provokante Reden führe, kämen die Menschen kaum mehr zu Parteiveranstaltungen. Politisch engagiert ist Hiery weiterhin, würde auch zur nächsten Landratswahl wieder antreten, wenn sich kein anderer Kandidat finde, den er unterstützen könne. Der jetzige Amtsinhaber Hermann Hübner sei zwar ein honoriger Mann, unterschätze aber womöglich die Dimension der anstehenden Probleme, sagt der FDP-Kreisrat.

Hierys Appell an die Jungwähler: Nicht nur auf Politiker schimpfen und sich ins Private zurückziehen – „das ist auf Dauer der Tod der Demokratie“. Nie zuvor hätten Menschen mehr Möglichkeiten gehabt sich zu informieren. Sie sollten diese Möglichkeiten nützen und danach auf jeden Fall wählen gehen, um die Macht nicht den falschen zu überlassen. 

Tilman Schiel (Die Linke)

 

  • Erststimmenergebnis 2013: 2,8 Prozent
  • Zweitstimmenergebnis der Linken in Bayreuth 2013: 3,3 Prozent

 

Der heute 73-Jährige, früher Professor für Südostasienstudien an der Universität Passau, war gerade in Rente gegangen, als er vor vier Jahren für die Partei Die Linke als Bewerber für das Direktmandat in Bayreuth antrat. Eine „mission impossible“, ohne Absicherung auf dem Listenplatz ein aussichtsloses Rennen, das war ihm damals klar.

„Ich bin ohne Illusionen angetreten und war am Ende auch nicht enttäuscht, dass mein persönliches Erststimmenergebnis noch schlechter als das Ergebnis für die Partei war“, sagt er. Er habe ein guter Kandidat seiner Partei sein wollen und sei für eine politische Alternative in Bayreuth gestanden. „Nur wer aufgibt, hat schon verloren“, argumentiert Schiel. „Aber ich habe offenbar nicht so gezogen, bin kein Publikumsmagnet.“

Agenda-Politik hat ihn von der SPD entfernt

Seiner Partei ist Tilmann Schiel treu geblieben, seit vergangenem Jahr ist er nicht mehr im Parteivorstand. Er war den Linken erst 2005  beigetreten, hatte anfangs geargwöhnt, die damalige PDS habe doch noch etwas mit der SED zu tun, sei als Mitglied der Gewerkschaft Verdi dann aber von der Agenda-Politik des damaligen SPD-Kanzlers Gerhard Schröder förmlich zu den Linken getrieben worden. Nochmal für die Linke bei der jetzigen Wahl antreten wollte er nicht, mit bald 74 fühlt er sich zu alt. Obwohl er den Wahlkampf vor vier Jahren „nicht als fordernd“ empfand. „Jetzt müssen Jüngere ran“, sagt er.

Nur wenn niemand anders da gewesen wäre, hätte er sich nochmal in die Pflicht nehmen lassen. Den derzeitigen Wahlkampf nennt Schiel „beschämend“. Und er hat ein Kompliment für einen CDU-Politiker parat. „Hut ab vor dem ausscheidenden Bundestagspräsidenten Norbert Lammert für seine Abschiedsrede. Ich sehe das auch so, dass die Demokratie ausblutet und der Bundestag zur Abstimmungsmaschine wird.“

Schiels Appell an Jungwähler: Trotzdem wählen gehen, auch wenn Politik manchmal frustrierend ist. Damit die Bürokraten, die jetzt unser Land verwalten, endlich durch Politiker ersetzt werden.

Dirk Marky (Piraten)

 

  • Erststimmenergebnis  2013: 2,3 Prozent
  • Zweitstimmenergebnis der Piraten in Bayreuth 2013: 1,9 Prozent

 

Nicht ohne Stolz blickt der heute 51-Jährige, der als freier Trauerredner sein Geld verdient und mittlerweile im Landkreis Kulmbach lebt, auf seinen Wahlkampf vor vier Jahren zurück. Als einziger aus dem Viererquartett heimste er mehr Erstimmen für sich persönlich ein als die Partei im Wahlkreis Bayreuth über die Zweitstimme erzielte. „Ich war auf jeden Fall nicht der falsche Kandidat.“ Vielleicht half ihm auch, dass er im Jahr zuvor schon bei der Oberbürgermeisterwahl als Piratenkandidat angetreten war. Das verschafft Aufmerksamkeit.

Marky wurde 2009 Mitglied bei den Piraten, noch ehe deren rasante, aber kurze Erfolgsgeschichte begann. Die neue Art, Politik zu gestalten und die Linie der Partei per Internet mitzubestimmen, habe ihn begeistert. 2014 trat er aus der Partei, die sich inzwischen selbst demontiert habe, wieder aus.

Damals hat er an die Piraten geglaubt

Vielleicht, sagt er heute, wäre es besser gewesen, damals in eine etablierte Partei einzutreten und seine inhaltlichen Vorstellungen so durchzusetzen. Damals aber habe es für kurze Zeit so ausgesehen, als könnten die Piraten den Sprung in den Bundestag schaffen. Auch für sich selbst sah er eine kleine Chance. „Das war schon verlockend“, sagt Marky. Mit Feuereifer habe er sich in den Wahlkampf gestürzt und Unterschriften gesammelt, um als Kandidat zugelassen zu werden. Mit seinem zum Wahlkampfstand umgebauten Motorrad kreuzte er rauf und runter im Wahlkreis. „Ich war wie im Tunnel“, sagt er. Aber auch: „Es hat Spaß gemacht, ich rede ja gern.“

Ein Höhepunkt: Als sie in Bayreuth vor einem AfD-Stand das Trottoir mit dem Hochdruckreiniger sauber gestrahlt hatten. „Das war ganz spontan, wir waren mit dem Reiniger unterwegs, um Wahlkampfbotschaften als Reverse-Graffiti (Das ist ein Bild, das entsteht, wenn man eine verschmutzte Wand nur teilweise säubert) auf Wänden anzubringen“, berichtet Marky. Damit habe er einen kleinen Hit auf Youtube gelandet. „Wenn ich an die verdutzten Gesichter der AfDler denke, muss ich heute noch lachen.“ Wieder antreten, für welche Partei auch immer, würde Marky aber  nicht. „Jetzt müssen Jüngere ran, damit diese Generation nicht unter die Räder kommt“, sagt  der Ex-Pirat.

Markys Appell an Jungwähler: "Wählt und tretet in Parteien ein. Formuliert dort Eure Bedürfnisse und setzt sie durch. Die ältere Generation wird sonst ihre Interessen bei Rente, Umwelt und vielen anderen Themen gegen Eure Generation durchsetzen."

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Kommentare

...Geld!!!
Montag, 13. November 2017 - 11:06