Digitalisierung ersetzt den Lehrer nicht

Marina Lindner ist seit Herbst vergangenen Jahres die Chefin im Schulamt, zuständig für die Grund- und Mittelschulen in Bayreuth Stadt und Land. Und sie ist eine Frau, die Effizienz mag. Deshalb hat sie vor wenigen Tagen erst die offizielle Amtseinführung angesetzt gehabt - zusammen mit Schulrätin Petra Rauh. Müsse man ja nicht doppelt machen, so eine Amtseinführung, sagt Marina Lindner im Gespräch mit unserer Zeitung am Montag. Neben dem Tagesgeschäft, neben Schulbesuchen und Lehrer-Beurteilungen, muss Lindner versuchen, Antworten auf die Zukunft zu finden. Strategien entwickeln, wie die Schulen, die Lehrer, die Schüler in den kommenden Jahren unterstützt werden können. "Die größte Herausforderung ist, die Kinder nicht aus dem Fokus zu verlieren", sagt Marina Lindner.

Digitalisierung: "Gerade was das betrifft, ist ganz wichtig: Die Beziehung zwischen Lehrkraft und Kind muss stimmen. Kinder hassen Fächer, wenn die Art nicht stimmt, mit der sie etwas vermittelt bekommen", sagt Lindner. "Wir müssen der Digitalisierung gerecht werden, aber wir können den Lehrer nicht ersetzen." Es sei derzeit in aller Munde, dass die Schulen technisch entsprechend ausgestattet sein müssen. "Aber es kann nicht sein, dass jede Schule ihre eigenen technischen Probleme bewältigen muss." Effektiv, sagt Lindner, "wäre, was neulich in einer Sitzung als Wunsch an die Stadt Bayreuth herangetragen wurde: Eine Gruppe von Spezialisten an die Bildstelle anzugliedern, die die Schulen unterstützt". Eine Art Administratoren-Gruppe, die schulübergreifend tätig wird.

Schulleitungen: "Es wird immer schwieriger, Schulleitungen zu besetzen. Das liegt an einem Bündel an Gründen", sagt Lindner auf Nachfrage unserer Zeitung. Zum einen müssten die Schulleitungen mehr entlastet werden. "Unterricht ist wichtig, um Lehrer beurteilen zu können, aber nicht in dem hohen Maße", wie er gefordert werde. Zum anderen sei durch "das funktionslose Beförderungsamt" eine Chance in der Besoldung von Lehrern geschaffen worden, die finanziell so nahe an der Besoldung der Rektorenstelle liege, dass dadurch "die Belastung und der Mehraufwand" nicht aufgewogen werden. "Außerdem haben wir hier bei uns sehr wenige Konrektorenstellen." Was daran liegt, dass erst Schulen mit mehr als 180 Kindern Konrektorenstellen haben sollen. "Wenn ein Konrektor eine Schulleitung übernimmt, hatte er schon Zeit, sich einarbeiten zu können." Der Sprung vom Lehrer zum Rektor einer großen Schule sei zu groß.

Lehrermangel: Gerade in und um Bayreuth gehen derzeit "die starken Jahrgänge in den Ruhestand". Ein Loch, das schwer zu stopfen sein wird, trotz der Tatsache, dass "die Sondermaßnahme für die Realschul- und Gymnasiallehrer bei uns greift", wie Lindner sagt. Lehrer aus den beiden Schularten, die keine Stelle bekommen haben, können umschulen - können in Grundschule und Mittelschule unterrichten. Zum Halbjahr seien zwei weitere Lehrer aus dem Bereich für die Mittelschulen und drei für die Grundschulen eingestellt worden. Allerdings: Selbst durch die zusätzlichen Kräfte wird es eng. "Die Decke der mobilen Reserven müsste dicker sein. Wir haben durch Erkrankungen viele Ausfälle." Bei gleich bleibenden Schülerzahlen.

Speziell an Bayreuth Stadt und Land sei: "Wir lagen schon immer weit hinter dem Altersschnitt, weil wir viele Prüflinge erst einmal abgeben mussten Richtung Oberbayern." Seit Bayreuth die Lehrerausbildung für Grund- und Mittelschule verloren hat und die Ausbildung in Bamberg angesiedelt sei, sei die Entwicklung weiter rückläufig.

Leuchtturmfunktion: Bei allen Schwierigkeiten, sagt Lindner, der Job mache Spaß. Was nicht zuletzt an Erfolgen wie dem des Projekts Mintphilmal liege. Das Projekt, das im Rahmen der Vorbereitungen zur Bildungsregion unter anderem von Lindner aus der Taufe gehoben worden war, verbindet Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik mit den Bereichen Kunst und Philosophieren - für alle Generationen. Und hat sich jetzt im Bereich der Mathematikförderung als bayernweites Leuchtturmprojekt herauskristallisiert. "Wir können für unsere Region ein Bildungsprojekt gestalten, bei dem die Leute einen Mehrwert haben. Da weiter zu machen - das ist mir wichtig", sagt Lindner. "Weil es nachhaltig ist. Ein Gewinn für die Arbeit vor Ort."

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