Die ZOH ist seit zehn Jahren in Betrieb

Seither, sagt Monika Gut von den Verkehrsbetrieben, sind gut und gern 70 Millionen Fahrgäste an der ZOH ein- oder ausgestiegen. Jeden Tag kommen in Spitzenzeiten 718 Busse dort an und fahren wieder weg. Erstmals haben die Stadtbusse und die Überlandbusse einen zentralen Treffpunkt und die Fahrgäste Umsteigemöglichkeiten.

Schweinfurter ZOH als Vorbild

Erich Rappl ist schuld daran, dass die Zentrale Omnibushaltestelle, die ZOH, am Hohenzollerneck ist. Denn nach jahrelangem Abwägen, nach jahrelanger Suche und abschließender Planung meldete er sich in der entscheidenden Sitzung des Stadtrats zu Wort. Stadtrat Rappl, einer der profundesten Kenner der Bayreuther Seele, Kolumnist, Kurier-Lokalchef, Kulturkritiker. „Praktisch kurz vor Baubeginn“, sagt Werner Schreiner, der Leiter der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke. Rappls Bedenken damals, im Februar 1997: Man könne doch nicht „einen der schönsten Plätze der Stadt“, den Luitpoldplatz, mit einem Busbahnhof garnieren. Es müsse doch eine bessere Lösung geben. Heute räumt Schreiner ein: „Es war tatsächlich nicht die Ideallösung. Denn unser Hauptziel ist ja die Erreichbarkeit der Innenstadt.“ Ein Jahr später freundet man sich mit einer neuen Lösung an: dem Hohenzollerneck.

Trotzdem dauert es wieder fast zehn Jahre, bis aus einer Idee ein Plan und ein Bauwerk wird. „Wir haben uns irgendwann die Schweinfurter ZOH angeschaut, ebenfalls eine Rondell-Lösung. Auf vergleichbar wenig Platz bekommt man vergleichbar viele Busse unter“, sagt Schreiner. All die Probleme, die man am Markt lange Jahre hatte, konnte man beiseiteschieben. Bayreuth leistet sich schließlich ein Kuriosum: die Bushaltestelle mitten in der Fußgängerzone.

An tollen Tagen war Chaos für Busse und Passagiere

Wobei das nur eines von mehreren Problemen war. Die Businsel war „Anfang der 90er Jahre, als wir den Linienverkehr erweitert haben, die Randgebiete besser erschlossen haben, einfach zu klein geworden“, sagt Schreiner. „Die Busse haben die Flanierer gestört“, sagt der Leiter der Verkehrsbetriebe. Und: Für die rund 800 Meter lange Strecke vom Markt in die Opernstraße „haben wir teilweise fast zehn Minuten gebraucht“, sagt Michael Sommer (52), der seit 24 Jahren für die Stadtwerke Bus fährt. Manche Linien hatten permanent Verspätung.

Der Super-GAU kommt in der Zeit für die Stadtwerke mehrfach: „Christkindlesmarkt“, sagt Schreiner. Bürgerfest, Lichtmess, Tolle Tage, Autoherbst, ergänzen Busfahrer Sommer und seine Kollegen Ottmar Grüner (55) und Klaus Erhard (51), alle seit Jahrzehnten Chefs am Steuer der Stadtbusse. Markt bedeutet für die Busse: Umziehen in die Kanalstraße. „Keiner kannte sich mehr aus, wo sein Bus wegfuhr“, sagt Sommer. Am Markt selbst stehen nicht nur Überdachungen, die ihrem Namen beim Einsteigen in die Busse keine Ehre machen, es gibt auch keinen Fahrkartenverkauf. Wer Karten kaufen will, muss „zum Hertie rein“, sagt Schreiner.

Kaltstart für die Busfahrer

Ende 1998 rollt der Bus in Richtung ZOH am Hohenzollerneck – zumindest planerisch. Denn es hängt viel dran an dem Projekt. Stadtplanerisch, weil die Passage Max 48 mit dazugehört und erst saniert werden muss, weil die Funktionsgebäude noch gebaut werden müssen. 9,5 Millionen Euro kostet das Projekt, dessen eigentlicher Baubeginn im Januar 2005 ist. Mit dem Rohbau für das Funktionsgebäude. Am 26. Oktober 2007 ist die feierliche Einweihung, einen Tag später rollen die Busse im Regelbetrieb. „Ein Kaltstart für uns“, sagt Schreiner. „Wir konnten das ja vorher nicht üben.“ In der Rohbauphase, sagt Sommer „hätte ich nie gedacht, dass das funktioniert, dass da zwei Busse nebeneinander durchpassen. Wir dachten auch alle, dass das Dach doch viel zu niedrig ist.“

Aber: Seit zehn Jahren läuft der Betrieb an der ZOH. Dem Markt weinen sie keine Träne nach. „An der ZOH hatten wir eine Steigerung der Qualität um 100 Prozent“, sagt Erhard. „Ich wundere mich immer noch, dass am Markt all die Jahre nichts passiert ist.“ Man habe sich „teilweise einen Wolf klingeln können. Die Leute haben einen förmlich provoziert“, sagt Erhard. Das Einzige, was wirklich Unruhe reingebracht hat, war ein vermeintlicher Bombenfund im Klo der ZOH im Dezember 2012. Mit einem kurzfristigen Notbetrieb der Busse am Luitpoldplatz. „Da sind wir halt gefahren, wenn die Busse voll waren“, erinnert sich Erhard. Alles außer Plan. Ein Mal in zehn Jahren.

Nicht bewertet

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Kommentare

Was jetzt noch nett wäre, wäre eine korrekte Fahrplanauskunft der VGN.

Lt. Fahrplan komme ich an Steig A an und muss am Steig H wieder zusteigen. In Wirklichkeit komme ich aber am Steig RII an und muss rüber zu Steig M, also auf der ganz anderen Seite. Auf der Zeichnung der VGN sind zudem die Haltestellen wieder an ganz anderen Stellen angezeigt.

Als Bayreuther komme ich damit klar. Aber als Tourist wäre ich wohl völlig überfordert.
HAPPY BIRTHDAY!
Die ZOH ist m.M.n. gut gelungen.

Was für den Stadtbusverkehr (allerspätestens zur Wiedereröffnung des Opernhauses) wirklich dringend wäre:

Eine Bus-Abfahrtsanzeige/Haltestellenanzeige am Hauptbahnhof!
Wenn man dort mit dem Zug ankommt und (VGN-Tarifvebund!) weiter mit dem Bus zur ZOH möchte, wird man ziemlich alleine gelassen.

Als Insider weiß man zumindest, dass richtung Innenstadt die meisten Busse an Steig 9 und der Haltestelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite abfahren (man muss dann "nur noch" zahlreiche Aushängefahrpläne durchforsten, wann welche Linie die nächste ist - und nicht selten verpasst man währenddessen die Abfahrt des Busses auf der gegenüberliegenden Straßenseite),
als (Tages)Tourist ist man hingegen völlig aufgeschmissen. Service geht anders :(

Selbst wer weiß, dass es eine VGN-App/Fahrplanauskunft im www gibt, und das Glück hat, im Zug Empfang zu haben, wird nicht unbedingt die nächsten Busse zur Innenstadt finden, wenn er als Haltestelle Hauptbahnhof eingibt, weil die auf der gegenüberliegenden Haltestelle dann nicht mit erfasst werden.

Das geht im 21. Jhd. für eine moderne weltoffene Stadt, die auf (Tages)Tourismus setzt gar nicht mehr. Selbst in deutlich kleineren Städten findet man sogar in der Peripherie elektronische Abfahrtsanzeigen (z.B. in Hof), wir täten gut daran, zumindest an unserem Hbf. einigermaßen kundenfreundlich serviceoriertiert zu informieren ...
... und sollte man aus welchen Gründen auch immer eine elektronische Abfahrtsanzeige nicht hinbekommen, wäre zumindest ein großer Aushang denkbar, an dem chronologisch nach Zeit die Busabfahrten und Haltestellennr. am Hbf. aufgeführt sind (ähnlich dem Zugabfahrtsplan) - das ist zwar Stand der 80er Jahre, wäre aber immerhin schon mal ein deutlicher Fortschritt ggü. der bisherigen Situation, wo man an verschiedenen Haltestellen eine Vielzahl an Einzelaushängen durchsuchen muss ...
Auch die Abfahrtszeiten der Regionalbusse müssten mit angegeben werden, da sie zum Großteil auch zur ZOH fahren und das sogar ohne über den Luitpoldplatz, außerdem kann man sie ja innerhalb des Stadtgebiets wie die Stadtbusse zum Kurzstreckentarif nutzen und etwa zur Maintalsiedlung oder ins Industriegebiet Ost fahren nur diese Busse.
So richtig angekommen, dass wir in Bayreuth auch im VGN dabei sind, ist es noch nicht bei den Nahverkehrsexperten. Das gilt für die Stadt und besonders im Landkreis.
Es vewundert schon, dass man am ZOH keine elektronische Abfahrtsanzeige hinbekommt.
Und der Landkreis Kulmbach ist, was den VGN anbetrifft ganz außen vor.
Wann kommt endlich der Rechnergestützte Betrieb so wie es am ZOH auf dem Schild steht?Das heißt die Minutengenaue Echtzeitabfahrtszeit wie in anderen Städten.

Und das wir uns elektronische Abfahrtstafeln leisten auf denen nur steht das man die Abfahrtszeiten der Landbusse in den Vitrinen findet is ja Stromverschwendung
Es wäre besser, wenn auf der elektronischen Abfahrsanzeigetafel auch die Regionalbusse aufgeführt wären. Innerhalb des Stadtgebiets kann man sie ja wie die Stadtbusse zum Kurzstreckentarif nutzen und etwa zur Maintalsiedlung oder ins Industriegebiet Ost fahren nur diese Busse, zum Hauptbahnhof ist eine Fahrt direkt ohne über den Luitpoldplatz möglich.
Fragt man in der Auskunft unter https://www.vgn.de nach den Verbindungen von Aichig/St. Johnnis, dem Storchennest oder der Uni zum Hauptbahnhof, so heißt es, man solle am Luitpoldplatz umsteigen.
ZOH ist besser als Busse durch die Stadt. Das ist jedem klar. Aber eine gute Lösung, vor allem fürs Umland, wäre ein Standort am Bahnhof gewesen. Mit dem Regionalbus zum ZOH fahren, umsteigen, die paar Meter (die mit Gepäck aber zu weit zu laufen sind) mit dem Stadtbus fahren, und in die Bahn steigen - das macht doch keiner. Da steht man doch lieber ein bißchen im Stau. Chance für Verkehrswende vertan.
Die Regionalbusse fahren alle zum Hauptbahnhof bis auf den Spätbus aus Obernsees und Eckersdorf, der am ZOH auf einer Stadtlinie weiterfährt.
Entweder ich hab's im Kurier übersehen - oder der Kurier hat's übersehen: Zum ZOH-Jubiläum am 28. Okt. kann man GRATIS mit dem Stadtbus fahren! Das wäre doch der Erwähnung wert. Oder es müsste vielleicht sogar eine Schlagzeile im Lokalteil hergeben.
Lieber Kurier, an den zahlreichen Kommentaren können Sie es ja schon erkennen: hier leistet ein kommunales Unternehmen extrem schlechte Arbeit. Missständen am Klinikum wird in Ihrer Zeitung ein breiter Raum eingeräumt. Missständen bei den Stadtwerken offenbar nicht. Es kann doch nicht sein, dass es dem Unternehmen nach 10 (!) Jahren nicht gelungen ist, auf den digitalen Anzeigen die Abfahrtszeiten in Echtzeit darzustellen. Die Fahrten der Regionalbuslinien fehlen komplett. Ohnehin wurden nur zweizeilige Anzeigen an der ZOH (!) installiert - hier wären mindestens vier Zeilen erforderlich, um bei Hinweisen auf Umleitungen mehr als 1 Abfahrt anzeigen zu können. An wichtigen, stark frequentierten Haltestellen wie Hauptbahnhof, Luitpoldplatz, Hohenzollernring, Opernhaus, Klinikum, Mensa, Oberfrankenhalle sind keine digitalen Anzeigen installiert. In den Nachbarstädten Bamberg, Coburg und sogar im klammen Hof wird seit Jahren die Echtzeit angezeigt. Auch sind dort ALLE wichtigen Haltestellen mit digitalen Anzeigen ausgerüstet, die Stadt- und Regionallinien in Echtzeit darstellen. Nur Bayreuth ist mal wieder Jahre zurück. Auf geht's, lieber Kurier, bitte prangert diesen Schildbürgerstreich öffentlich an!
vielleicht ist in Bth. der Ausbau des öffentlichen Personenverkehr etvl. von Verwaltung und Stadt nicht so gewollt ?
Vielleicht setzt man auf PKW-Verkehr mit Stau, Parkplatzproblemen, weniger Pendler im Einzelhandel und auf Einnahmen über Parkplatzgebühren und Strafzettel
Wenn nein, hätte man ja in 10 Jahren etwas dazulernen können
Und die Forderungen insbes. was eine vernünftige Abfahrtenanzeige am Hbf. angeht sind ja nicht neu - warum äußert sich nie jemand von Stadt oder Stadtwerken dazu?
So eine Kommentarfunktion wäre doch eine gute Gelegenheit, Bürgernähe zu praktizieren. Und wenn nicht:
DAFÜR gibt's doch eine Tageszeitung, für die ich gutes Geld zahle - warum wird so ein Thema nicht mal aufgegriffen?
Wenn das Opernhaus wieder eröffnet wird, hoffen wir zurecht auf viele (Tages)Touristen. Viele werden per VGN-Ticket am Hauptbahnhof ankommen - und was die Weiterfahrt im VGN-Verbund angeht alleine gelassen - also ich finde das peinlich!
Bitte recherchieren sie doch mal, warum wir da so provinziell aufgestellt sind und was man gedenkt, dagegen zu unternehmen - und wann! BITTE!!!
Gerade der VGN ist ein gutes Beispiel. Er findet weder in der Stadt noch im Landkreis statt.
Für alle, die hier bezügliche des VGN Unsinn schreiben: Gebt mal bei Google „VGN“ und „Stadt und Landkreis Bayreuth“ ein. Ihr werdet staunen.
@uwart: wie soll ich das verstehen, „Der VGN findet nicht statt“?
Das war etwas kurz formuliert. Ich meine, dass der Nutzen und die Chancen des VGN für die Region Bayreuth nicht gesehen werden. Es handelt sich um einen Verkehrsverbund in der Größe des MVV (Münchner Verkehrsverbund). Dort kann man sehen, wie die Region München auch am Wirtschaftswachstum der Stadt teilhaben kann, vorallem die Orte, die einen direkten S-Bahnanschluss haben.
So könnte die Stadt und der Landkreis mit dem VGN ein gemeinsames Marketing betreiben, wie z.B. für Firmenkooperationen, Veranstaltungen, Tourismus, Immobilien, etc.
Ein Regionalexpress ist schneller als eine S-Bahn, die überall hält.
Richtig! Auch das gibt es im MVV, wie z.B. von Holzkirchen nach München.
Letztendlich ist uns Nürnberg durch den VGN verkehrstechnisch etwas näher gekommen. Aber es ist noch nicht in allen Köpfen angekommen. So könnte auch der Deutsche Winterwandertag am Ochsenkopf in Nürnberg Werbung machen.
Dass wir im VGN sind ist eine tolle Sache und auch der Stadtbusverkehr ist in vielen Bereichen - finde ich - gut, dazu gehört meiner Meinung nach auch der ZOH - zumindest den Stadtverkehr betreffend. Auch wenn man manchmal den Eindruck hat, dass das Servicedenken noch nicht in allen Köpfen angekommen ist.
Dass man, sobald man am Hbf BT aus dem Zug steigt, keine Infos mehr hat, wann und an welchem Bushalt man nun weiterkommt empfinde ich allerdings als absolutes Armutszeugnis für eine Festspiel-, Universitäts-, Weltkulturerbe- etc. Stadt.
Scheint aber keinen zu interessieren ...
Das Servicedenken. Ich habe vielmehr den Eindruck die Menchheit verlernt das Nachdenken.
Digitalisierung, Flexibilisierung, Globallisierung und zu guter letzt Sevice überall und rund um die Uhr.......
Wie konnte die Menschheit in der Vergangenheit nur ohne all das überleben?