Die Winterwanderer können kommen

Der 64-jährige Warmensteinacher probiert die von Marmot gesponserte Wanderführerjacke mit dem Ochsenkopfschriftzug auf dem Ärmel an und streift den stets fertig gepackten Rucksack über: Sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Stöcker ist einer von etwa 200 Ehrenamtlichen, die im Vorfeld und an den fünf Tagen des Winterwandertages selbst im Einsatz sind, darunter allein rund 60 Wanderführer.

2015 hatte Stöcker einen Vereinsausflug mit dem FGV Oberwarmensteinach mitgemacht, die nächsten hat der dann schon mitorganisiert, und seither führt er Wanderungen für die Oberwarmensteinacher Siebensternler. Stöcker stammt aus dem Frankenwald, "ich bin schon immer gerne gewandert". Und obwohl er seit Jahrzehnten in Warmensteinach lebt, "habe ich selbst durch die Wanderführungen Ecken des Fichtelgebirges kennengelernt, die sich sonst nicht kennengelernt hätte."

Den Weg kennen, reicht nicht

Dabei stellte Stöcker schnell fest, dass es für einen Wanderführer nicht getan ist, den Weg zu kennen und darauf zu achten, dass unterwegs niemand verloren geht. Als Wanderführer muss Stöcker auch Entertainerqualitäten beweisen. Er erinnert sich an eine Dame, die im Waldhotel am Fichtelsee ihren 50. Geburtstag feierte und für die Geburtstagsgesellschaft in der Fichtelberger Tourist Info eine geführte Nachmittagswanderung orderte. Und da zum gewünschten Zeitpunkt kein Fichtelberger Führer zur Verfügung stand, sprang Stöcker ein. "Gewandert sind wir gar nicht so viel, aber es war ein nachmittagsfüllendes Programm mit Brotzeit, mit Jean Paul als Thema, mit Schwarzbeeren suchen und vielem mehr." Ein Wanderführer muss Fragen zu Pflanzen am Wegrand beantworten können, Historisches wissen oder örtliche Sagen parat haben, die dann beispielsweise am passenden Ort unterwegs vorgelesen werden. Er muss Kenntnisse in Erster Hilfe haben. Und er muss im Zweifelsfall auch seine Autorität durchsetzen. Wer für eine schwierige Partie die falschen Schuhe anhat, wird wieder in die Unterkunft geschickt; und die Route bestimmt letztlich der Führer, nicht etwa die Gruppe per Mehrheitsentscheidung. Im Wald gibt es keine Demokratie.

Das nötige Rüstzeug hat Stöcker auf einer zweimal fünf Tage dauernden Schulung der bayerischen Wanderakademie gelernt. Was sich nicht lernen lässt, sondern was man von sich aus haben muss, das ist die Leidenschaft und Begeisterung für die Fichtelgebirgsheimat: "Ich möchte das Fichtelgebirge bekannter machen und dafür werben. Der Winterwandertag ist dafür die ideale Gelegenheit, da darf nichts schiefgehen."

Aufwändiger Wander- und Busplan

Und damit nichts schiefgeht, laufen seit über zwei Jahren die Vorbereitungen für den Deutschen Winterwandertag am Ochsenkopf. Stöcker hat gemeinsam mit Manfred Sieber aus Bischofsgrün federführend das Herzstück der fünftägigen Veranstaltung, das Wanderprogramm, ausgearbeitet und koordiniert. Darauf abgestimmt, mussten Pendelbuslinien eingerichtet werden. "Den Busplan musste ich viermal umschmeißen, bis er gepasst hat", so Stöcker. Korrekturlesen ab 6 Uhr früh hieß es vergangenen Sommer für Stöcker, als die 60-seitige Winterwandertagbroschüre rechtzeitig für den Deutschen Wandertag in Eisenach fertig werden musste.

Insgesamt 72 Wanderungen gibt es zwischen dem 17. und 21. Januar. Stöcker ist selbst als Wanderführer nur einmal fest eingeteilt, sonst ist er Ersatzmann oder springt ein, wenn beispielsweise eine Gruppe zu groß wird und geteilt werden muss.

Gut zwei Wochen, bevor die Winterwanderer aus ganz Deutschland kommen, sind die Vorbereitungs- und Organisationsarbeiten so gut wie abgeschlossen. Was jetzt noch fehlt, ist etwas Neuschnee. Aber alles lässt sich halt nicht im Vornherein planen.

Info: Das komplette Programm findet man unter www.winterwandertag-ochsenkopf.de oder auf Papier über: Projektbüro Deutscher Winterwandertag 2018, Gablonzer Str. 11, 95686 Fichtelberg, Tel. 09272 / 9658957 Fax. 09272 / 97055, annika.stoecker@winterwandertag-ochsenkopf.de sowie jede Tourist Info in den vier Ochsenkopfgemeinden. Es gibt Tagestickets zu vier Euro oder die Winterwandertagsplakette, die zu allen Angeboten in den fünf Tage berechtigt, für 9,50 Euro. Anmeldung zu den einzelnen Veranstaltungen sind erwünscht.

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