Die Uni Bayreuth wird Zentrale einer bayerischen Forschungs-Einrichtung

Selten geht in der bayerischen Hochschulpolitik etwas so schnell, wie es bei BRIAS der Fall war. Am 20. Februar 2013 haben Bayreuther Afrikaforscher im Landtag ihre Idee von einem Forschungsinstitut vorgestellt. Von einem Institut, das Afrika aus unterschiedlichen Perspektiven und damit kompletter sieht: Die Uni Bayreuth mit ihren Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften bildet den Kern. Die Ingolstädter Wissenschaftler tragen ihre Forschung zur Energietechnik in Afrika bei. Die Neu-Ulmer den Schwerpunkt Gesundheitsmanagement. Und die Würzburger ihr Wissen von der Tropenmedizin, der Tropenbiologie und der Naturstoffchemie. Nimmt man die vier Hochschulen zusammen, arbeiten künftig über 300 Forscher im Freistaat unter dem Dach des neuen bayerischen Forschungsinstituts. Kein anderes Bundesland verfügt über so viel gebündeltes Afrika-Wissen. Und über ein solches Institut.

Das Konzept überzeugte nicht nur das Wissenschaftsministerium. Es überzeugte auch den Landtag. Danach ging es ungewöhnlich schnell: Ein knappes Jahr nach der Vorstellung im Landtag wird Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle am kommenden Donnerstag in Bayreuth offiziell die Gründung des bayerischen Afrika-Instituts bekanntgeben. Für das, was in der Hochschullandschaft sonst üblich ist, grenzt das an Lichtgeschwindigkeit.

Der Präsident der Universität Bayreuth, Prof. Stefan Leible, traut dem Projekt Großes zu: Das Institut habe über seinen Forschungsauftrag hinaus den Auftrag, eine Vermittlerrolle zu übernehmen, sagte Leible dem Kurier. „Wir werden der Politik ein anderes Bild von Afrika vor Augen führen. Wenn man so will, leistet das Institut künftig Politikberatung.“ Weil Afrika eben nicht gleich Afrika ist – Leible: „Afrika besteht aus über 50 Staaten. Mit unterschiedlichen Problemen, unterschiedlichen Religionen und Volksgruppen, unterschiedlichen Entwicklungsstadien.“

Auch der Dekan der Graduiertenschule für Afrika-Studien und Inhaber eines Lehrstuhls für Afrikanistik an der Universität Bayreuth, Prof. Dymitir Ibriszimov, sieht das Institut mit Hauptsitz in Bayreuth als „einen Wissenslieferanten für Entscheider“. Dass vier Hochschulen ihre Forschungsschwerpunkte einbringen, dass darüber hinaus vier Hochschulen ihre Zusammenarbeit mit afrikanischen Universitäten vernetzen, sind dafür zentrale Voraussetzungen. Und: „Mit der Unterstützung des Freistaates Bayern können wir jetzt ganz anders agieren“, sagt Ibriszimov.

Dass Bayreuth Sitz des deutschlandweit einmaligen Forschungsinstituts wird, hat einen Grund: Die Afrikaforschung gehört seit Jahrzehnten zu den Schwerpunkten der Uni. Aktuell arbeiten Wissenschaftlicher aus 33 Fachrichtungen und allen sechs Fakultäten unter dem Dach des Bayreuther Instituts für Afrikastudien (IAS). Und unter diesem Dach versammeln sich spezielle Einrichtungen:

> Die Bayreuth International Graduate School of African Studies (BIGSAS) wird von der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert. Derzeit arbeiten dort mehr als 100 Doktoranden aus über 30 Ländern an ihren Forschungsprojekten.

> Die Bayreuth Academy of Advanced African Studies (BA) bearbeitet das Thema Afrika vorwiegend in den Kultur- und Sozialwissenschaften.

> Das 1981 gegründete Iwalewahaus ist ein Ort für afrikanische Kunst. Durch Ausstellungen, Vorträge, Konzerte, Sammlungen, und Besuche von Künstlern stellt das Iwalewahaus Entwicklungen der zeitgenössischen Kultur Afrikas vor.

> Das Tansanisch-deutsche Fachzentrum für Rechtswissenschaft ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Dar es Salaam und Bayreuth. Der Schwerpunkt liegt auf dem Recht der regionalen Integration in Ostafrika.

> Das gemeinsame Forschungsprojekt SEED der Universität Bayreuth und der Moi-Universität in Eldoret (Kenia) läuft seit 2011. Ziel ist es, das Hochschulmanagement beider Universitäten durch die Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien zu verbessern.

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