Die Tigers in der Einzelkritik

Aufsteiger EHC Bayreuth schloss die Hauptrunde als Achter mit 74 Punkten (23 Siege und 29 Niederlagen) ab. In 52 Spielen schoss er 146 Tore und bekam 155 Gegentreffer. In den Pre-Playoffs setzten sich die Tigers in einer hart umkämpften Serie mit 2:1-Siegen gegen den SC Riessersee durch. In der Viertelfinale-Serie musste der Aufsteiger dann Titelkandidat Bietigheim Steelers mit 4:1 den Vortritt lassen.

Es ist schwer aus einem Team, das vor allem dank mannschaftlicher Geschlossenheit in der DEL2 für Furore sorgte, Spieler herauszuheben. Doch zwei haben es sich beim EHC Bayreuth verdient: Torwart Tomas Vosvrda und Stürmer Michal Bartosch – nur er und Felix Linden haben alle 60 Saisonspiele absolviert – spielten auf konstant hohem Niveau und erarbeiten sich so das Prädikat „Spieler der Saison“. Doch enttäuscht hat in dieser Saison keiner.

Torhüter

Tomas Vosvrda (48 Spiele, 6 Shutouts)
Ein Glücksgriff für die Tigers. Der Tscheche entwickelte sich nach durchwachsener Vorbereitung zur klaren Nummer eins. Der stark mitspielende Vosvrda war der Keeper, den ein Aufsteiger braucht: wenig Fehler, ruhige Ausstrahlung, reaktionsschnell. Zudem packte er immer wieder Monsterparaden aus und sicherte seiner Mannschaft zahlreiche Punkte. Und das Beste: Der Publikumsliebling hat seinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre verlängert.

 

Johannes Wiedemann (19, 0)
Wiedemanns Problem hieß Vosvrda. An dem Tschechen führte für den gebürtigen Allgäuer kein Weg vorbei. Bei seinen Einsätzen wusste auch Wiedemann meist zu überzeugen, allerdings war ihm im Lauf der Saison auch die fehlende Spielpraxis anzumerken. Bei anderen Vereinen hätte Wiedemann wohl größere Chancen auf die Nummer eins. Ob er das Duell mit Vosvrda ein weiteres Jahr auf sich nimmt?

Verteidigung

Marvin Neher (52 Spiele, 0 Treffer, 2 Vorlagen)
Der 19-Jährige ging als siebter Verteidiger in die Saison – und bekam regelmäßig Eiszeit. Egal in welchem Block er sich beweisen musste, er rief ordentliche und solide Leistungen ab. Zwar setzte er selten Akzente, aber das ist von einem Spieler seines Alters auch nicht zu erwarten. Neher empfahl sich für weitere Auftritt im Tigers-Trikot.

 

Jan Pavlu (59, 2, 8)
War Pavlu nicht einst Stürmer? Anzumerken ist es dem Südtiroler nicht mehr, dass er erst in der vergangenen Spielzeit von Trainer Waßmiller auf die Verteidigerposition beordert wurde. Pavlu spielte den defensiven Part an der Seite des offensiveren Christopher Kasten überzeugend und war ein Muster an Konstanz. Und mit 22 Jahren hat der italienische Nationalspieler seinen Zenit sicherlich noch nicht erreicht.

 

Martin Heider (55, 7, 8)
Eine Verpflichtung, die sich für die Tigers in jeder Hinsicht auszahlte. Der erfahrene Deutsch-Tscheche entwickelte sich neben Potac zum Abwehrchef. Fehler unterliefen dem technisch starken und körperlich robusten 30-Jährigen selten, seine Aktionen waren meist durchdacht. Bitte den Vertrag verlängern!

 

Felix Linden (60, 4, 10)
In der Aufstiegssaison war er als Förderlizenzspieler beim EHC, nach seinem festen Wechsel knüpfte er nahtlos an seine soliden Leistungen an. Der 23-Jährige entwickelte sich zum festen Bestandteil der Tigers-Defensive und setzte auch Akzente in der Offensive. Mehrmals ging bei seinen Solo-Läufen ein Raunen durchs Stadion, da seien ihm auch einige Risikopässe im Aufbau verziehen.

 

Christopher Kasten (53, 10, 13)
Auch in seiner fünften Saison im EHC-Trikot war Kasten ein unumstrittener Leistungsträger. Gerade als „aggressive Leader“ war er unverzichtbar. Seine 78 Strafminuten nimmt man da gerne in Kauf. Ein wichtiger Faktor war Kasten in Unter- und vor allem Überzahl. Den Großteil seiner zehn Saisontreffer erzielte er im Powerplay, als er direkt vor dem gegnerischen Tor viel arbeitete, Schüsse abfälschte oder geschickt auf Abpraller lauerte. Ein Tigers-Kader ohne den 27-Jährigen ist in der kommenden Saison nur schwer vorstellbar.

 

Jozef Potac (57, 6, 24)
Je oller, desto doller. Schon beim Aufstieg in die Oberliga hatten einige Bedenken, dass der Routinier Geschwindigkeitsprobleme bekommen könnte. Jetzt, vier Jahre später, spielte der 38-Jährige in der DEL2 und kochte hier reihenweise jüngere Gegenspieler ab. Sein Stellungsspiel war überragend, zudem war er einer der besten Aufbauspieler der Tigers. Der Kapitän war ein fleißiger Arbeiter, ging stets voran und wird wohl auch mit 39 Jahren noch eine entscheidende Rolle im EHC-Team spielen.

 

Sebastian Mayer (57, 0, 4)
Mayer/Potac – kann sich noch jemand an den EHC Bayreuth ohne dieses kongeniale Verteidiger-Duo erinnern? Die beiden harmonierten auch in ihrer siebten gemeinsamen Saison perfekt. Mayer überquerte zwar selten die Mittellinie, doch das war auch nicht seine Aufgabe. Er sollte hinten aufräumen – und das erledigte er zuverlässig. Fehler machte er selten. Nach seinem Karriereende wird das Trikot des gebürtigen Bayreuthers wohl unter dem Stadiondach hängen. Doch darauf würden die Fans gerne noch einige Jahre verzichten, Mayer wird weiter auf dem Eis gebraucht.

Sturm

Marcus Marsall (57, 9, 12)
„Speedy“ – diesen Spitznamen hat Marsall nicht ohne Grund. Seine Tempoangriffe stellten jede Defensive vor Probleme. Allerdings könnte man ihn nach dieser Saison auch „Buschi 3“ nennen. Er verstand sich fast blind mit den Busch-Brüdern. Manch anderer Zweitligist wäre froh, über eine solch starke dritte Sturmreihe. Mit viel Einsatz stellte sich das Trio meist gegen die Topformation des Gegners. Marsall nahm dabei lange Laufwege und stellte sich stets in den Dienst der Mannschaft. Ein kleiner Makel: Bei seinen Großchancen fehlte ihm mehrmals die Kaltschnäuzigkeit.

 

Sebastian Busch (56, 6, 21)
Eines der „Arbeitstiere“ im Team. Einen Zweikampf verloren geben? Das gab es beim 24-Jährigen nicht. Busch ging immer dahin, wo es weh tut. Auch in der Rückwärtsbewegung gab er keinen Puck verloren. Er rackerte unermüdlich in Offensive und Defensive. Die Torausbeute könnte etwas besser sein, doch der Mittelstürmer glänzte dafür in seiner Reihe als bester Vorbereiter. Für eine Vertragsverlängerung hat sich der sympathische Stürmer mit seinen Leistungen auf jeden Fall empfohlen.

 

Andreas Geigenmüller (55, 14, 29)
Das EHC-Urgestein spielte schon in der Landesliga für die Tigers. Und er hat den Sprung in die Zweitklassigkeit – wie viele seiner Teamkollegen – toll gemeistert. Am wirkungsvollsten agierte er neben Bartosch und Kolozvary, hier konnte er seine Qualitäten am besten ausspielen und mit seinem präzisen Torabschluss glänzen. In der Mitte der Saison hatte er einen Durchgänger und zeigte vor allem Mängel in der Rückwärtsbewegung. Doch mit drei Playoff-Treffern hat er seine Bedeutung für das Team nochmals nachhaltig unterstrichen.

 

Nathan Robinson (19, 5, 8)
Die „Zaubermaus“ stieß kurz vor Ende der Hauptrunde zum Team und zeigte, dass er stocktechnisch fast alles drauf hat. Der mehrfache deutsche Meister offenbarte aber in der Defensive Schwächen und war deshalb vor allem in der Offensive eine Bereicherung. Doch die Bilanz mit 13 Scorerpunkten in 19 Spielen fiel für einen Spieler seiner Klasse etwas zu dürftig aus. Gerade in den Playoffs (nur zwei Vorlagen) kam vom 35-Jährigen zu wenig. Das Preis-Leistungs-Verhältnis spricht da eher für einen Abschied Robinsons.

 

Ivan Kolozvary (59, 16, 38)
Der Spielmacher nahm auch in der DEL2 eine zentrale Rolle bei den Tigers ein. Er war nicht nur bester Vorlagengeber und Bullyspieler, sondern bewies auch mit 16 Saisontreffern seine Torgefährlichkeit. Das Paradebeispiel eines Zwei-Wege-Stürmers setzte die Vorgaben des Trainers hervorragend um und stellte sich immer in den Dienst der Mannschaft, für die er unverzichtbar ist. Gut, dass er ein gültiges Arbeitspapier für die kommende Saison hat.

 

Michal Bartosch (60, 24, 33)
Bester EHC-Scorer in der Hauptrunde, bester EHC-Scorer in den Playoffs – allein diese beiden Statistiken zeigen, welch überragende Saison Bartosch gespielt hat. Der Trainer nennt ihn „eine Maschine“ – und das völlig zurecht. Dank seiner hervorragenden Physis absolvierte Bartosch alle 60 Saisonspiele auf einem konstant hohen Niveau. Starallüren sind ihm fremd, er arbeitete unermüdlich für seine Teamkollegen – und wird das auch in der neuen DEL2-Saison tun. Sein Vertrag läuft noch eine Spielzeit.

 

David Wohlberg (56, 21, 23)
Der Amerikaner stieß erst spät in der Vorbereitung zum Team und brauchte einige Spiele, bis er sein Leistungsvermögen abrufen konnte. Das tat er dann ab Mitte der Saison und war in dieser Zeit mit seiner Präsenz auf dem Eis ein eminent wichtiger Faktor bei den Tigers. Allerdings konnte er dieses Niveau nicht halten und baute gegen Ende der Spielzeit ab. 21 Saisontreffer sind eine gute Bilanz, aber für einen Kontingentspieler sicherlich keine Garantie für eine Vertragsverlängerung.

 

Michael Kuhn (42, 1, 2)
Einen festen Platz in einem der drei Topblöcke konnte sich der 21-Jährige auch in dieser Saison nicht sichern. Wenn er aber wegen Ausfällen von Mitspielern in einen dieser Blöcke rutschte, zeigte er das, was man von ihm erwarten kann: unermüdlichen Einsatz und Kampfeswillen. In der Schlussphase der Saison stoppte den Youngster eine Schulterverletzung.

 

Valentin Busch (48, 16, 12)
Ligaweit wurde Busch zum „Rookie der Saison“ gewählt. Der 19-Jährige trat unbeschwert auf und hat etwas, was man nur schwer lernen kann: Er analysiert Spielsituationen blitzschnell und weiß dann genau, wo er stehen muss. Dazu kommt ein Torriecher, was 16 Treffer eindrucksvoll belegen. Entwickelt sich Busch so weiter, wird sein Weg in die DEL führen. Der Nürnberger Förderlizenzspieler könnte schon in dieser Saison weitere Erfahrungen in der höchsten deutschen Liga sammeln, er stieß in dieser Woche zum Kader des DEL-Halbfinalisten Nürnberg Ice Tigers.

 

David Kuchejda (13, 4, 4)
Der nachverpflichtete Tscheche hatte einen schwierigen Stand beim EHC. Nach seinen ersten Spielen für die Tigers bekam er Robinson vor die Nase gesetzt und musste als überzähliger Kontingentspieler oft auf der Tribüne Platz nehmen. Der einsatzfreudige 29-Jährige hatte jedoch einen genialen Moment: Sein Siegtreffer im entscheidenden Pre-Playoffspiel gegen den SC Riessersee acht Sekunden vor der Schlusssirene bleibt den Fans wohl noch für längere Zeit in Erinnerung. Ob das allerdings für eine Weiterverpflichtung reicht?

 

Sergej Stas (49, 10, 18)
Verletzungsbedingt kam der DEL-erfahrene Stas nur schwer in die Saison. Die erhoffte Verstärkung war er zunächst nicht. Doch er steigerte sich, kam über den Kampf ins Spiel und zeichnete sich vermehrt durch sein robuste Spielweise aus. In der Endphase der Saison überzeugte er in der ersten Reihe auch als Mittelstürmer und empfahl sich so für eine Vertragsverlängerung. Seine aufsteigende Form blieb auch dem weißrussischen Nationaltrainer nicht verborgen. Stas wurde in den erweiterten Nationalkader berufen und nimmt aktuell an einem Lehrgang der Weißrussen teil.

 

Lucas Fröhlich (54, 1, 1)
Der Student kam meist in der vierten Reihe zum Einsatz, für einen Stammplatz in den vorderen Blöcken reichte es nicht. Aber der 21-jährige Mittelstürmer zeigte gute Ansätze und erwies sich als sehr mannschaftsdienlicher Spieler – und das waren auch die Erwartungen, die an den Youngster gestellt wurden.

 

Patrik Rypar (50, 2, 3)
Der 19-Jährige bekam die Chance, sich in der DEL2 zu beweisen. Und die nutzte er größtenteils. Er beschwerte sich nicht über zu wenig Eiszeit, sondern versuchte sich in Szene zu setzen, wenn er diese bekam. Fünf Scorerpunkte sind für den Youngster, den vor der Saison kaum jemand auf dem Zettel hatte, eine ordentliche Bilanz. Er muss weiter an sich arbeiten, dann könnte er in den kommenden Jahren ein größerer Faktor beim EHC werden.

Trainer

Sergej Waßmiller
Der Erfolgstrainer hat sich auch in dieser Saison die Bestnote verdient. Seit 2012 ist er bei den Tigers und seitdem zeigt die Leistungskurve des EHC steil nach oben. Er fordert viel von seinen Spielern, quält sie in der Vorbereitung – der Erfolg gibt ihm Recht. Die Tigers gehörten auch in der DEL2 zu den fittesten Mannschaften und machten mit großem Einsatz spielerische Nachteile wett. Dies gelang auch dank mannschaftlicher Geschlossenheit und Disziplin – zwei weitere Eigenschaften, auf die Waßmiller großen Wert legt. Noch hat der Deutsch-Russe keinen Vertrag für die Saison 2017/18, doch warum sollte er Bayreuth verlassen?

Weitere Spieler

Als Förderlizenzspieler kamen in dieser Saison Vladislav Filin (14, 0, 2) und Jens Meilleur (7, 0, 2) zum Einsatz. Der dritte Torhüter Friedrich Hartung stand keine Minute auf dem Eis. Zudem verabschiedete sich Aufstiegsheld Fedor Kolupaylo nach 23 Spielen (5 Tore, 12 Vorlagen) von den Tigers. Dominik Piskor (22, 0, 3) wechselte während der Saison zum Bayernligisten ECDC Memmingen. Ein kurzes Gastspiel gab der lettische Kontingentspieler Ainars Podzins (4, 1, 2).

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