Die Themengärten auf der Gartenschau

"Die Landesgartenschau in Bayreuth ist aus unserer Sicht der richtige Anlass, den Partnerstädten Möglichkeit zur Präsentation zu geben", sagt Rainer Sack, der Leiter des Bayreuther Hauptamts, wo die Fäden zu den Partnerstädten zusammenlaufen. Vier der sechs Bayreuther Partnerstädte und -regionen sind bei der Landesgartenschau ab dem 22. April mit eigenen Beiträgen mit dabei. Beiträge, die sich auf 300 Quadratmetern abspielen werden. Nur die Esel und damit das Burgenland haben ein bisschen mehr Platz. In den drei Themengärten am Auenbogenweg setzen die drei Partnerstädte Annecy, Rudolstadt und Prag allerdings durchaus charakteristische Akzente.

Rudolstadt: Die Rudolstädter sind am Montag nach Bayreuth gekommen. Und stehen erst einmal knöcheltief im Schlamm. "Schichtenwasser", sagt Maria Lindig vom Bauamt der Stadt in Thüringen. "Und Wasser von oben. Wir waren überrascht, dass es hier so viel geregnet hat. Wir mussten erst mal Gräben zur Entwässerung ziehen, damit wir überhaupt was machen können." Rudolstadt spielt Schiller. Oder besser: mit Schiller. Die Schillerhöhe, von der aus er auf den Saalebogen blickte, haben sie modelliert. Den Saalebogen auch. Der ist aus Kies gemacht. Rudolstadt, sagt Sabine Christophersen, die Sachgebietsleiterin Tourismus, bezeichne sich als "Schillers heimliche Geliebte". In Anspielung an die Ménage à trois, die er in der Stadt begonnen hatte. Zu den beiden Schwestern  Caroline von Beulwitz und Charlotte von Lengefeld, seiner späteren Frau, in die er sich 1788 unsterblich verliebt hatte.

Auf Platten werden die Besucher in den Saalebogen hineinlaufen können. Über einen Spruch Schillers, "den einzigen, der mit Blumen zu tun hat", wie Maria Lindig sagt: "Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren. Was sie willenlos ist, sei du es wollend. Das ist's!" Die drei Köpfe von Schiller und seiner beiden Frauen, die auf Stelen stehen, "werden miteinander kommunizieren. Auf Knopfdruck können die Besucher dem Briefwechsel lauschen", sagt Sabine Christophersen. Einen lehrreichen Effekt sollen Porzellantäfelchen haben, die im Rudolstädter Garten verteilt werden: "Darauf sind vergessene Worte geschrieben", sagt Lindig. Zum Mitnehmen im Kopf.

Die Rudolstädter bringen sich aber nicht nur mit dem Garten ein, der mit Bordmitteln geschaffen wurde, sondern auch mit einem Partnerschaftswochenende vom 9. bis 11. September, bei dem die Seebühne mit den verschiedensten Gruppen bespielt wird. 

Prag: In direkter Nachbarschaft zu Rudolstadt liegt Prag VI. Ganz anders angelegt als der Rudolstädter garten, haben die Prager Gärtner sich geometrisch ausgetobt. Hochbeete, die Häuserblocks symbolisieren. Ein großer Kreisverkehr, der zentrale Platz in dem Diplomatenviertel. "In Wirklichkeit ist das eine kilomterlange Allee, die auf den zentralen Platz mündet", sagt Rainer Sack. "In den Hochbeeten fehlt nur noch das Substrat, dann kann gepflanzt werden", sagt Sack. Andres als die Rudolstädter, die selbst Hand anlegen und den Garten gestaltet haben, haben die Prager eine Firma beauftragt, die ihre 300 Quadratmeter angelegt haben. "Wir haben alle sechs Partnerstädte angesprochen. Aber Tekirdag und La Spezia haben es organisatorisch nicht geschafft, einen Beitrag zu gestalten", sagt der Hauptamtsleiter. "So bleibt aber mehr Platz für die anderen übrig. Die Gärten wären sonst nur etwa 150 Quadratmeter groß gewesen, weil wir nur hier oben Raum dafür vorgesehen hatten." Berührungsängste zwischen den Partnern? Fehlanzeige! "Da fällt mir ein, ich war schon lange nicht mehr in Prag, sagt Frank-Michael Wagner, der Pressesprecher von Rudolstadt. "Da könnte man mal wieder hinfahren und ein Bier trinken." Oder sich einfach mal auf der Gartenschau mit den Pragern zusammensetzen.

Annecy: Die Franzosen bringen das Seefest mit nach Bayreuth. Und zwar so richtig. Mit allem Drum und Dran. Mit Krach und Lichteffekten und Nebel. Sabine Haberland, die beim Hauptamt der Stadt für die Partnerschaft mit Annecy zuständig ist, die in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum hat, steht praktisch mitten im See, als sie den Plan aus der Tasche holt. "Eine dreidimensionale Installation. Farbige Flächen. Eine Metallkonstruktion, die die Berge rund um Annecy und den Hausberg Semnoz zeigt", sagt Sabine Haberland. Auf dem Boden: bunte Blumenformationen, die je nach Jahreszeit bepflanzt werden. Ein buntes Feuerwerk, "wie es wahrscheinlich nur die Franzosen hinbekommen", sagt Sabine Haberland. Das habe auch seinen Preis: "Rund 65.000 Euro lassen sich die Franzosen das kosten. Komplett fertig wird der Annecy-Themengarten in der Woche vor Eröffnung der Landesgartenschau. 

Der Zeitplan

Der Zeitplan wird langsam dünn. Zumindest von den Tagen, die noch übrig sind bis 22. April. 57 Tage sind es noch bis zum Beginn der Gartenschau. Ulrich Meyer zu Helligen, einer der Geschäftsführer des Landesgartenschau-Gesellschaft, sagt: "Auf dem ganzen Gelände laufen im Prinzip noch Restarbeiten. Beispielsweise werden gerade die letzten Hecken für das Heckentheater gepflanzt." Außerdem laufen noch Vorbereitungen im Sportkabinett. Ende März, sagt Meyer zu Helligen, werde das riesige Stahlnetz gebracht. Für die derzeit größte Netzlandschaft der Welt mit mehr als 400 Quadratmetern Fläche. "Das Netz wird gerade bei der Firma, die es herstellt, geknüpft."

"Aus Sicherheitsgründen mussten noch Bäume geschnitten und gefällt werden. Dafür laufen gerade noch Nachpflanzungen." Die Eingangsbereiche sind ebenso wie die Gastro-Zelte geliefert und aufgebaut worden. "Im März kommt die eigentliche Bühne auf die Seebühne." Ebenfalls im kommenden Monat werden Universität, Wasserwirtschaftsamt und das Umweltministerium mit ihren Ausstellungsbeiträgen kommen. Schrittweise wird jetzt alles fertig."

   

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