Die Steuer wird elektronisch

Belege aufbewahren statt einreichen

Wer die Steuererklärung für 2017 abgibt, muss (zunächst) keine Belege mehr einreichen. Der berühmte Schuhkarton oder die ordentliche Mappe hat aber nicht ausgedient, denn aufbewahrt werden müssen die Belege trotzdem. Für den Fall, dass es Nachfragen gibt. Die löst seit einiger Zeit das Risikomanagementsystem (RMS) aus. Dabei handelt es sich um ein Programm, das die elektronisch (zum Beispiel über Elster) eingereichten oder im Datenerfassungszentrum der Bayerischen Steuerverwaltung in Wunsiedel eingescannten Papier-Steuererklärungen einer ersten vollautomatischen Prüfung unterzieht.

Vereinfacht ausgedrückt, winkt das Programm eine Erklärung durch, wenn sich gegenüber dem Vorjahr nichts oder kaum etwas geändert hat. Werden aber nennenswerte Aufwendungen neu geltend gemacht, etwa wegen des Erwerbs einer Immobilie oder einer größeren Spende, gibt das RMS einen sogenannten Risikohinweis aus, nach dem sich ein Steuerbeamter mit dem Fall befasst und zum Beispiel Belege anfordert. Und es gibt noch eine dritte Möglichkeit: Das RMS wählt nach dem Zufallsprinzip auch noch Fälle aus, die unabhängig von einem Risikohinweis durch einen Beamten geprüft werden.

Finanzamtsleiter Hollmann sieht die Vorteile des neuen Verfahrens darin, dass sich seine Mitarbeiter nicht mehr um unproblematische Fälle kümmern müssen und stattdessen mehr Zeit für diejenigen haben, "bei denen man genauer hinschauen muss". Der Vorteil für den Steuerzahler liege darin, dass unauffällige Fälle schneller bearbeitet sind.

 

Kann ich verlangen, dass ein Beamter meinen Fall prüft?

"Ja, das ist möglich", sagt Hollmann. In diesen Fällen ist die neu eingeführte Zeile "Ergänzende Angaben zur Steuererklärung" in den Hauptvordrucken wichtig. Trägt man hier eine 1 ein, führt das automatisch zu einer Bearbeitung durch einen Sachbearbeiter. Sinnvoll ist das laut Hollmann, wenn man Angaben näher erläutern will oder eine andere Rechtsauffassung als die mutmaßliche der Behörde hat. "Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber bei allem Trend zur Digitalisierung sicherstellen will, dass ein Steuerfall von einem Menschen geprüft wird, wenn der Steuerpflichtige das will", erläutert Hollmann.

 

Kann ich die Steuererklärung auch noch auf Papier abgeben?

Als "normaler" Einkommensteuerpflichtiger ja, es sei denn, man überlässt die Arbeit zum Beispiel einem Steuerberater. Fallen Gewinneinkünfte an, auch wenn sie aus einem Nebenerwerb stammen, ist so oder so ab sofort eine elektronische Übermittlung an das Finanzamt Pflicht - und zwar authentifiziert. Das bedeutet, dass man sich elektronisch registrieren lassen muss. Die Geringfügigkeitsgrenze für Betriebseinnahmen von 17.500 Euro, bis zu der man bisher eine formlose Gewinnermittlung einreichen konnte, gilt nicht mehr. Damit fallen auch Steuerpflichtige unter diese "Unternehmerregel", die damit vielleicht gar nicht rechnen: Hauseigentümer, die Strom aus ihrer Photovoltaikanlage ins Netz leiten zum Beispiel oder ein Rentner, der sich auf selbstständiger Basis etwas nebenher verdient. Das Problem: Hält man sich nicht an das neue Verfahren, gilt die Steuererklärung als nicht abgegeben - mit möglichen drastischen Folgen. Ausnahmen gibt es laut Hollmann nur in ganz engen Grenzen, etwa wenn ein solcher Steuerpflichtiger keinen Computer hat.

 

Welche Fristen müssen beachtet werden?

Die Jahressteuererklärung für 2017 muss grundsätzlich bis 31. Mai 2018 abgegeben sein, bei Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft bis zum 30. November 2018. Wer sich steuerlich beraten lässt, hat bis 31. Dezember 2018 Zeit.

 

Was passiert, wenn ich die Fristen verstreichen lasse?

Bei dieser Frage kommt einem sogleich der Fall Fahrenschon in den Sinn. Der frühere bayerische Finanzminister hatte kürzlich sein Amt als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands niederlegen müssen, weil er für mehrere Jahre keine Steuererklärung abgegeben und deshalb einen Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung bekommen hatte.

Es gebe solche Fälle immer wieder, sagt Finanzamtsleiter Hollmann, bis es soweit sei, müsse aber einiges passieren: "Wir wollen ja, dass der Steuerbürger mitwirkt. Alles andere macht Arbeit und kostet Zeit, die meinen Mitarbeitern an anderer Stelle fehlt."

Der Maßnahmenkatalog umfasst eine erste Erinnerung, dann eine verschärfte Erinnerung. Anschließend kommt es zur Schätzung der Steuerschuld, die entgegen der landläufigen Ansicht nicht von der Abgabe der Steuererklärung befreit.

Passiert das bis zum 31. Mai des übernächsten Jahres nicht - also für 2017 bis 31. Mai 2019 - wird von einer vollendeten Steuerhinterziehung ausgegangen, die zum Beispiel mit einem Strafbefehl geahndet werden kann. Vorher wird in der Regel von versuchter Steuerhinterziehung ausgegangen.

"Das alles wollen wir nicht", sagt Hollmann und empfiehlt, das Gespräch mit dem Finanzamt zu suchen: "Es gibt fast immer eine Lösung, etwa eine Fristverlängerung. Problematisch wird es nur, wenn man nichts tut."

 

Informationen gibt es auch im Internet unter den Adressen www.finanzamt-bayreuth.de und www.elster.de. Wer Fragen zur elektronischen Steuererklärung hat, kann auch einen Elster-Berater des Finanzamts Bayreuth unter der Telefonnummer 0921/609-4011 erreichen.

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